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Kritikenrundschau: Spiele für zwei Personen

Nicht nur in den Empfehlungslisten der letzten Jahre finden sich viele Spiele für romantische Abende zu zweit – auch im aktuellen Spielejahrgang finden sich einige. Passend zum nahen Valentinstag gibt es unsere Kritikenrundschau als romantisch-wettstreitendes Zweierspiel-Special.

Fuchs, du hast den Stich gestohlen

Der Fuchs im Wald

Zu „Der Fuchs im Wald“ (Joshua Buergel bei Leichtkraft) liefern sich Karsten Grosser und Hauke Petersen in der NOZ ein Streitgespräch: „13 Stiche, dann wird die Runde ausgewertet. Ganz einfach. Der Kniff dabei liegt im Umstand, dass es auf die Zahl der errungenen Stiche ankommt. Wer beispielsweise mehr als zehn holt, wird als gierig eingestuft und erhält null Punkte für die Runde – während sein Gegenüber sechs Punkte kassiert“, fasst Grosser  den Spielablauf zusammen. „Ein großartiges Konzept“, findet er, „das die Spieler immer wieder auf schmalem Grat zwischen vielen und wenigen Punkten wandeln lässt.“ Petersen erwähnt die Sonderkarten des Spieles und bemängelt: „Sechs Karten mit Sonderfähigkeiten, die man ständig wieder nachlesen muss. Was ist daran nicht kompliziert?!“ Trotzdem kommt er zu einem versöhnlichen Ergebnis: „Aber interessant ist ‚Der Fuchs‘ schon.“¹

Auch Bernhard Löhlein gefällt bei Radio IN das Konzept: „Keinen Stich zu machen ist also gut, aber schwer möglich“, sagt er. „Besser ich mache so sieben bis neun Stiche. Das sind schon viele, aber eben: Nicht alle. Und da kribbelt es richtig. Wenn es zum Beispiel gut läuft, ich mache Stich um Stich, erst gefällt mir das, aber plötzlich kippt das Spiel. Ich will ja nicht zu viele Stiche machen. Da muss ich mittendrin meine Taktik ändern. Klasse Idee. Zauberhaft umgesetzt.“²

Kritischere Töne schlägt Harald Schrapers in der Spielbox an: Die Regeln der Karten mit Sonderfunktionen seien „kompliziert beschrieben“, schreibt er. „Sinnvoller und weitaus eleganter wäre es gewesen, die Sonderfunktion der Karten mit einem Symbol oder einem aus maximal drei Wörtern bestehenden Begriff zu bezeichnen. Das würde den Einstieg jedenfalls deutlich erleichtern. Zumal diese Kartenfunktionen gar nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn die vielen Worte, die darum gemacht werden, genau dies vorgaukeln.“ Am Ende aber weiß der ‚Fuchs im Wald‘ gut zu gefallen, Schrapers vergibt die Wertung „gut“.³

Fröhliche Gefährten

Robin von Locksley

„Robin von Locksley“ (Uwe Rosenberg bei Wyrmgold) gefällt Martin Klein gut: 4 von 5 Sternen vergibt er für das Spiel, auch, wenn es „vom Anspruch her eher einfach“ sei. „Wir haben eine Auslage von 55 Blättchen, die unterschiedliche Schätze zeigen, die wir einsammeln können“, erklärt er. Per „Pferdesprung, wie man ihn vom Schach kennt“ hüpft man über die Auslage – und sammelt dann das Schatzplättchen ein, auf dem man ankommt. Diese werden einer Sammlung hinzugefügt. „Diese Sammlungen brauchen wir, um auf dem Rundlauf, der da drumherum ist, mit unserer Robin-Figur Fortschritt machen zu können.“ Auf dem Rundlauf liegen Aufgaben aus, die man erfüllen müsse. „Das ist ein durchaus ansprechender Mechanismus“, urteilt Klein, die Aufgaben ergäben ein „interessantes Hin- und Hergehüpfe“. Nur die Möglichkeit, sich von Aufgaben mit für Schatzplättchen erhaltenem Geld freikaufen zu können gefällt Klein nicht, das sei „zu einfach“. „Damit waren dann oft die interessanten und spannenden Sachen mit Geld zu machen“, sagt er in seinem YouTube-Video.

Genau diese Mechanik ist ist für Stephan Kessler der Kern von „Robin von Locksley“: „Man muss sich genau überlegen: Für welche Aufgaben gebe ich die Münzen aus, für welche nicht? Das ist für mich der Reiz an dem Spiel“, sagt er im Gespräch zu Gast bei Manuel Fritschs Podcast. „Wie mache ich was zu welcher Zeit? Wann kaufe ich Schritte?“ Für Fritsch ist das ein „total schöner Mechanismus“. „Dieses Knobeln und gleichzeitige Wettrennen ist so clever ausbalanciert, das finde ich total super“, sagt er und meint: „Supercooles Spiel.“ Kessler schließt sich dem Urteil an: „Richtig schönes Spiel geworden.“

Alles ist vergänglich, nur die Punkte nicht

Mandalas sind Symbole für das Leben und seine Vergänglichkeit – „Mandala“ (Trevor Benjamin und Brett J. Gilbert bei Lookout Spiele) macht sich die mystische Form für einen Zweispielerwettstreit zu nutze. „Klingt esoterisch“, schreibt Karsten Grosser in seiner Besprechung in der NOZ. „Doch der Mechanismus baut eine taktische Tiefe auf, die keinen Platz für mystische Verklärung lässt.“

„Die Spieler legen abwechselnd Karten in eines von stets zwei entstehenden Mandalas“, erklärt Grosser das Spiel. „Jedes Mandala ist in drei Bereiche unterteilt. In die Mitte darf jeder Karten legen – allerdings nur eine pro Zug. Dort werden Karten gesammelt, die später zu Punkten werden. Zudem hat jeder Spieler in jedem Mandala einen persönlich Bereich, in dem nur er selbst Karten platzieren darf. Wer dort bei der Wertung die Mehrheit besitzt, darf sich beim Verteilen der Karten aus der Mitte zuerst eine Farbe aussuchen, von der er alle Karten erhält. Eine Wertung wird ausgelöst, sobald in einem Mandala alle sechs Farben vertreten sind.“ Bemerkenswert sei auch der Spielplan aus Stoff, der an ein Küchentuch erinnere. „Wer es nicht vor einer Partie bügelt, muss damit leben, dass die Karten nicht immer plan aufliegen. Aber: Das stört nicht. Insofern trägt dieser ungewöhnliche Spielplan seinen Teil zu einem nicht übernatürlichen, aber doch deutlich überdurchschnittlichen Spiel bei“, urteilt Grosser.

Auch Harald Schrapers fühlt sich von dem Spielplan an ein Küchentuch erinnert: „Das Geschirrtuch sieht schön aus und strukturiert die Spielfläche, zur Not ginge es aber auch ohne“, schreibt er in der Spielbox. „Denn im Grunde besteht Mandala aus gerade einmal sechs verschiedenen Karten, jede 18-mal vorhanden. Dass daraus – zusammen mit dem Kniff, an zwei Mandalas gleichzeitig zu werkeln – so viel Spieltiefe entstehen kann, beeindruckt mich sehr.“ Nur die Spielanleitung, meint er, hätte gekürzt werden können, am Ende vergibt er die Wertung „gut“.

Julia Zerlik ist bei der Besprechung von „Mandala“ voll des Lobes. Der Spielplan, sagt sie, sei mal „etwas anderes“. Das Spiel sei „eigentlich total simpel“, meint sie. „Aber der Clou dahinter: Welche Farbe lege ich jetzt wohin, wie muss ich agieren, damit ich unbedingt diese Farbe bekomme, das ist richtig genial.“ Selten spiele sie nur eine Partie des Spieles, meistens würden es mehrere: „Schon ab der ersten Partie war ich richtig angefixt.“

Auch Bernhard Löhlein beurteilt, nachdem er mit einem ausgiebigen „Oooohm“ seine Mitte gefunden hat, „Mandala“ gut: „Das schöne Thema, die Farbkarten und der originelle Spielplan aus Stoff dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Jeder Zug muss gut geplant sein. Leicht zu erlernen, mit großer Spieltiefe. Der Zufall spielt eine große Rolle, manchem einen Tick zu viel. Eben: Ein Spiegelbild des Lebens.“

¹ Neue Osnabrücker Zeitung: Claim vs. Der Fuchs im Wald – welches Stichspiel für zwei ist besser?
² Radio IN, Spiel der Woche, Sendung vom 8.2.2020
³ Spielbox Heft 7 / 2019
Spielerleben: 19 Spiele im Oktober 2019
Le Brett: Unsere aktuellen Brettspielempfehlungen für Weihnachten (kostenpflichtig)
Neue Osnabrücker Zeitung: Warum das Kartenspiel „Mandala“ ein Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt ist
⁷ Spielbox, Heft 6 / 2019
Spiel doch mal… Mandala
⁹ Radio IN, Spiel der Woche, Sendung vom 4.1.2020
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