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Tag der Brettspielkritik: Kulturkritik und Kritikkultur

Schlewinski, Becker

Zum zweiten Mal fand in Hamburg der Tag der Brettspielkritik statt – die großen Themen waren Formen der Kritik und die Möglichkeiten der Professionalisierung.

„Wir sind alle ganz unterschiedlich“, sagte Bernhard Löhlein, Sprecher des Vereins Spiel des Jahres. Diese Vielfalt sei ihm auf dem Tag der Brettspielkritik aufgegangen, zu dem die Jury Spiel des Jahres Journalist:innen, Blogger:innen, Youtuber:innen und Podcaster:innen eingeladen hatte.

Viele Spielekritiker:innen waren der Einladung gefolgt

Jene Vielfalt, die Löhlein meint, ist eine Vielfalt der Medien, welche die aus allen Ecken des deutschsprachigen Raums angereisten Kritiker:innen für ihre Arbeit nutzen. Ob Podcast, Radio, Print und Video, kurze und lange Formen, als Hobby, halbprofessionell oder professionell: knapp 70 Personen waren der Einladung der Jury gefolgt. Wer auf die Teilnahmeliste des Tages der Brettspielkritik schaut, findet Menschen, die sich auf unterschiedlichste Arten mit Spielen beschäftigen. „Brettspielkritik und Kulturkritik im besten Sinne ist nicht nur eine Inhaltsangabe mit einem gepfefferten Fazit“, sagte der Chefredakteur der Zeitschrift Spielbox, Andreas Becker, in einem einleitenden Impulsvortrag. Der Mehrwert der Kulturkritik sei es, über das Nacherzählen von Regeln und das „Finden und Meinen“ hinaus eine „Analyse, Hintergrundinformationen sowie Parallelen zu anderen, als Referenz dienenden Werken“ zu sehen. Kulturkritik müsse den Gegenstand ihrer Betrachtung in den kulturellen Kontext der Zeit einordnen. „Wir wollen an der Qualität arbeiten“, so Becker. „Und da gibt es immer was zu tun.“

Der Koordinator der Kinderspieljury Christoph Schlewinski (links) und Andreas Becker (rechts), Chefredakteur der Spielbox, bei Beckers Eröffnungsimpuls.

„Den Mut haben, verspielt zu sein“

Und zwar viel zu tun: In vierzehn Arbeitsgruppen, Gesprächsforen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen sprachen insgesamt 15 Journalist:innen über ihre Arbeit. „Wir glauben, unser Thema seien die Brettspiele“, sagte die Spiegel-Journalistin Maren Hoffmann in der von ihr geleiteten Arbeitsgruppe „Thema, Perspektive Struktur: Das breite Publikum ansprechen.“ „Aber nichts interessiert den Menschen so sehr wie der Mensch.“ Eine wichtige Frage, die sich Leser:innen, bewusst oder unbewusst stellten, sei immer: „Was hat das alles mit mir zu tun?“ Ausgehend davon sollten die Teilnehmer:innen sich Themen für Kritiken und Artikel über Spiele ausdenken. Um journalistische Formate jenseits der Kritik ging es auch in der Arbeitsgruppe des SWR-Journalisten Fabian Ziehe, in dessen Workshop Reportagen, Features und Portraits auf ihre Eignung für unterschiedliche Medien abgeklopft wurden. „Wir sollten den Mut haben, auch mal verspielt zu sein“, fasste Andreas Becker seine Arbeitsgruppe „Brettspielkritik: vielfältig, erzählerisch, glaubwürdig“ zusammen. Wünschenswert sei, „dass der Spaß am Spielen sich vielleicht auch mal auf den Leser überträgt.“ Auf ähnliche Art an die Basis des Sprechens über Spiele ging die Arbeitsgruppe „Was ist Spielreiz?“ des Journalisten Georgios Panagiotidis und des Jurymitglieds Udo Bartsch. „Spielkritik sollte immer vermitteln, was uns daran packen könnte“, sagte Panagiotidis. Allerdings sei es oft nicht einfach, meinte Spiel-doch-Chefredakteur Bartsch, zum Kern dieses Spielreizes vorzudringen. Die Teilnehmer:innen der Runde versuchten jedenfalls, bei den Spielen „Azul“ und „Just One“ den Kern dieses Reizes zu finden.

Hauke Petersen (Neue Osnabrücker Zeitung, links) und SWR-Journalist Fabian Ziehe (rechts) im Gespräch

Andere Arbeitsgruppen sollten den Teilnehmer:innen ganz praktische Werkzeuge an die Hand geben. In „Podcasts als Medium der Spielekritik“ berichteten die Jurymitglieder Manuel Fritsch und Nico Wagner aus ihrer Erfahrung. „Noch mehr als beim Schreiben ist das Podcasten ein Unterfangen von Amateuren“, sagte Fritsch, „aber das ist auch die große Stärke.“ Die Einstiegshürden seien niedrig – damit stünde es prinzipiell allen offen, zu podcasten. Podcasts seien immer auch ein „Nebenbeimedium“, das während des Arbeitsweges oder bei der Hausarbeit konsumiert würde. Johannes Jäger vom YouTube-Kanal „Hunter&Friends“ sprach über seine Arbeit mit Brettspielvideos. Die wenigsten Youtuber:innen sähen sich als Kritiker, sagte er, sondern eher als Influencer. Notwendigerweise müsste im Video der Content sehr viel stärker verkörpert werden als das in anderen Medien der Fall sei. „Wir stehen mit unserer Persönlichkeit auch dafür ein“, sagte Jäger.

Youtuber Johannes Jäger (links) und Spielejournalist Georgios Panagioditis (rechts)

Raus aus der Brettspielblase

In vielen der Geprächsforen und Diskussionsrunden ging es auch um die Frage, wie die Teilnehmer:innen ihre jeweiligen Medien inhaltlich professionalisieren können. Denn viele betreiben ihre Blogs, Podcasts oder YouTube-Kanäle eher als Hobby, oft auch als Autodidakten. So lieferte der Tag der Brettspielkritik immer wieder Input von Profis. Jurymitglied und Radiojournalist Bernhard Löhlein, sprach beispielsweise über „Brettspiele im Interview“. Karsten Grosser, ebenfalls Jurymitglied und Redakteur bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, sprach darüber, wie sich Spiele auf Fotos gut in Szene setzen lassen. Die Menschen sähen bei einem Artikel zuerst drei Dinge: Überschrift, Teaser und Fotos. Zwei Drittel der Menschen betrachten sich dies auf ihren Smartphones. Fotos müssten also auf kleinen Displays gut erkennbar sei, unterstrich Grosser. Es sei wichtig, „Details und Besonderheiten“ auf Bildern herauszustellen.

Andreas Becker und die Spiegel-Journalistin Maren Hoffmann

Mehr Professionalisierung, die unterschiedlichen Medien mit ihren Möglichkeiten und ihren Beschränkungen für Kulturkritik im Allgemeinen und Brettspielkritik im Speziellen waren eine großes Thema während des Tages der Brettspielkritik. Ein anderes großes Thema war – wie in Maren Hoffmanns Arbeitsgruppe – die Frage danach, wie es möglich ist, ein größeres Publikum zu gewinnen, auch außerhalb der „Brettspielblase“. Dazu gehörte einerseits der immer wieder geäußerte Wunsch – oder vielleicht das Bedürfnis – Formate über Kritiken hinaus auszuprobieren. Dazu gehörten aber auch Fragen nach der Zielgruppe und die Frage, wie sich der produzierte Inhalt eigentlich verteilen lässt. Hierzu gab Daniel Wüllner, Teamleiter Social Media bei der Süddeutschen Zeitung, einige Hinweise. Zwar fände die Brettspielekritik selten in sozialen Medien selbst statt, so das Ergebnis des Gesprächsforums „Social Media und Spielekritik“. Unterschiedliche soziale Medien müssten unterschiedlich bespielt werden, um Publikum am Ende auf das Herzstück, die Kritik zu bringen, die allerdings meist woanders läge, sagte Wüllner. Eine große Chance sei der mögliche Dialog mit dem Publikum, um seine Interessen und Vorlieben besser kennenzulernen. Hierüber sprach auch Stefan Gohlisch, Kulturredakteur bei der Neuen Presse und Jurymitglied, in dem Gesprächsforum „Spielekritik und Zielgruppen“. „Der Spielejournalismus sollte weggehen von der Bewertung und dem Nacherzählen von Regeln“, sagte er. „Kennt eurer Publikum, erweitert euer Publikum, seid anders.“

Jurymitglieder Manuel Fritsch (links) und Udo Bartsch (rechts)

Distanz und Euphorie

In der Abschlussveranstaltung – einer Podiumsdiskussion – ermahnte Daniel Wüllner die Anwesenden, dass – trotz der engen Beziehungen zwischen Verlagen, Spieleautor:innen und Kritiker:innen – es eine „notwendige Distanz“ gäbe, um sich „nicht dem Vorwurf der Befangenheit auszusetzen.“ Dies sei die „Gefahr einer nicht mehr ganz so kleinen Szene.“ Eine Spielekritik sei „weder ein Freundschaftsdienst noch eine Bezahlung fürs Spiel“, betonte Wüllner.

Von links nach rechts: Jurymitglied Bernhard Löhlein, Daniel Wüllner (Süddeutsche Zeitung), Jurymitglieder Stephan Kessler, Karsten Grosser und Stefan Gohlisch

Der Spieleautor Jens-Peter Schliemann, Andrea Milke, Senior Manager Kommunikation beim Verlag Amigo, und Britta Stöckmann, Licensing Manager bei Knizia Games, waren als externe Gäste auf dem Podium anwesend, das vom Jury-Vorsitzenden Harald Schrapers moderiert wurde. „Ich möchte, dass unsere Spiele authentisch rezensiert werden“, sagte Milke, Kritik allerdings solle auch hilfreich sein. Stöckmann bekräftigte, dass Kritiken bei ihrer Arbeit nützlich seien und teilweise auch bei späteren Auflagen der Spiele mit berücksichtigt würden. „Ich liebe auch Leute, die mir die Prototypen zerfetzen“, sagte die ehemalige Huch-Redakteurin. Auch für Schliemann sind Kritiken wichtig, sagte er. Er hätte lernen müssen, sie zu empfangen – aber er brauche sie auch. Dennoch sei für ihn die Kritik der „Euphorie“ der Kreativität entgegengesetzt. „Vielleicht müsstet ihr auch mal Euphoriker sein“, appellierte er an die Anwesenden.

Abschlusspodium mit externen Gästen – von links nach rechts: Spieleautor Jens-Peter Schliemann, Andrea Milke (Amigo), der Juryvorsitzender Harald Schrapers und Britta Stöckmann

Emotionen – also das unmittelbare Vermitteln von Freude am Spielen – hätten den Tag der Brettspielkritik 2019 bestimmt, sagte Bernhard Löhlein zum Abschluss der Tagung. In diesem Jahr habe er „Kulturkritik und Kritikkultur“ als bestimmendes Thema gesehen. Hiermit sei auch Selbstkritik der Teilnehmenden gemeint. Beides sei nicht selbstverständlich – aber doch wie selbstverständlich in der Szene angekommen, meinte Jurysprecher Löhlein.

Jan Fischer

Die ausgezeichneten und empfohlenen Spiele 2022

Best of 2022

Nominierungs- und Empfehlungslisten: alle Spiele, Kinderspiele und Kennerspiele des Jahrgangs 2022 – 22 aus den aktuellen Neuerscheinungen ausgewählte Titel. „Cascadia“, „Scout“ und „Top Ten“ sind mit einer Nominierung für das Spiel des Jahres ausgezeichnet, „Zauberberg“ ist das Kinderspiel des Jahres, „Auch schon clever“ und „Quacks & Co.“ sind nominiert

Zauberberg ist das Kinderspiel des Jahres 2022

Die Kinderspieljury des Vereins Spiel des Jahres hat das magische Kugelbahn-Kooperationsspiel „Zauberberg“ der Autoren Jens-Peter Schliemann und Bernhard Weber zum Kinderspiel des Jahres 2022 gekürt.

Zauberberg

Bernhard Weber und Jens-Peter Schliemann: Strahlende Gewinner mit ihrem bei Amigo erschienenem „Zauberberg“ | Foto: Spiel des Jahres / Simona Bednarek CC BY-SA 4.0

„In ‚Zauberberg‛ kommt die beliebte Kugelbahn auf eine neue Art zum Einsatz“, heißt es in der Begründung der Jury. „Sie wird zum Schauplatz für ein magisches Wettrennen – kooperativ, in Teams oder auch alleine. Der attraktive Spielaufbau zieht die Kinder an den Spieltisch und der innovative Murmelmechanismus lässt sie so schnell nicht wieder los. Angeregten Diskussionen zur Platzierung der Murmeln folgen gebannte Blicke auf die Kugelbahn.“ Das Spiel konnte sich gegen „Auch schon clever“ und „Quacks & Co.“, beide von Wolfgang Warsch, durchsetzen.

Innovativer Murmelmechanismus

Die Autoren des Spieles, Jens-Peter Schliemann und und Bernhard Weber, kooperieren schon seit 2003. Beide reizt beim Spieleentwickeln die Arbeit mit dem Material und dessen Haptik. Die Inspiration für das Spiel fand Jens-Peter Schliemann in einem Spielzeuggeschäft, wo eine Kugelbahn aufgebaut war. Kinder würden dort gebannt auf den Lauf einer Kugel schauen und kämen gar nicht davon los, erzählte er auf der Preisverleihungs-Bühne. „Wir müssen die Kugelbahn zum Brettspiel machen“ sei der Ausgangspunkt bei der Entwicklung von Zauberberg gewesen. Doch von der Idee bis zum ersten funktionierenden Prototyp habe eine sehr lange Zeit gedauert. „Die ersten Anfänge reichen ins Jahr 2005 zurück“, sagte Bernhard Weber.

Holger Grimm (Redaktion Amigo), Bernhard Weber, Jens-Peter Schliemann und Joachim Ulbrich (Geschäftsleitung Amigo) | Foto: Spiel des Jahres / Simona Bednarek CC BY-SA 4.0

Zum ersten Mal seit drei Jahren konnte die Verleihung des Preises Kinderspiel des Jahres wieder mit Publikum stattfinden, im ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg. Allerdings seien die Auswirkungen der vergangenen Jahre noch deutlich spürbar, so der Koordinator der Kinderspieljury Christoph Schlewinski. „Die Pandemie machte die Arbeit von Kinderspielautorinnen und Autoren noch viel anspruchsvoller, denn mit ständig geschlossenen Kindergärten und Grundschulen ist es fast unmöglich, Spiele mit der breiten Masse zu testen, die nötig ist, um ein rundes, gut funktionierendes und spannendes Produkt heraus zu bringen. Deshalb ist dieser Jahrgang auch der, der endgültig von der Pandemie eingeholt wurde, denn er ist mit knapp 70 Spielen für einen Kinderspieljahrgang wahnsinnig klein“, sagte er. Dies sei jedoch nicht zu Lasten der Qualität gegangen.

Schlewinski

Christoph Schlewinski präsentiert das Siegerspiel | Foto: Spiel des Jahres CC BY-SA 4.0

Podcast Folge 26: Der geheimnisvolle Spyderling

Wer ist die geheimnisvolle Spieleautor:in Spyderling?  Zwar geht es in Sascha Machts gleichnamigen Roman ein wenig auch darum, aber wer auch immer das Genie hinter Spielen wie „Der Fleischplanet“ oder „Würmstein“ ist: Wir lernen ihn oder sie nie kennen. Dafür aber eine bunte Parade ganz anderer Spieleautor:innen wie Elke von Manteuffel, das Wunderkind Campbell Campbell, Ronny Neugebauer oder Daytona Sepulveda.

Folge 26: Der geheimnisvolle Spyderling

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Wer ist die geheimnisvolle Spieleautor:in Spyderling? Zwar geht es in Sascha Machts gleichnamigen Roman ein wenig auch darum, aber wer auch immer das Genie hinter Spielen wie „Der Fleischplanet“ oder „Würmstein“ ist: Wir lernen ihn oder sie nie kennen. Dafür aber eine bunte Parade ganz anderer Spieleautor:innen wie Elke von Manteuffel, das Wunderkind Campbell Campbell, Ronny Neugebauer oder Daytona Sepulveda. Aus Daytonas Perspektive ist auch Machts Roman erzählt, und sie wartet auf Einladung von Spyderling auf dessen Weingut in der Republik Moldau darauf, ihn oder sie endlich kennenzulernen. Spyderling taucht nicht auf – dafür aber eine Punkband. Und natürlich eine Menge Spiele.

Nicht Spyderling, sondern der Autor Sascha Macht. Foto: Ronny Aviram

Macht erfindet in seinem Roman eine ganz eigene Spieleszene mit allem was dazu gehört: Autor:innen, Spielen, Verlagen, Feinschaften, Freundschaften, Mythen und Legenden.  Und findet eine ganz eigene Perspektive darauf. Während im Hintergrund die Reste der Sowjetunion in Gestalt der Republik Moldau vor sich bin bröseln, versucht Macht Spiele nicht nur als Kulturgut, sondern als Kunstwerke weiterzudenken. Das Ergebnis ist eine Art Horror-Mystery-Gesellschaftsroman, in dem eine Parallelwelt-Spieleszene entworfen wird. In dieser Folge befassen wir uns ein wenig näher mit dem Roman und sprechen mit seinem Autor, Sascha Macht. Außerdem liest er noch eine kurze Passage daraus vor.

Nicht Spyderling, sondern das Cover des gleichnamigen Romans

„Spyderling“ ist bei DuMont erschienen, umfasst circa 470 Seiten und kostet im Hardcover 25 Euro.

Maren Hoffmann wird neues Jurymitglied

Hoffmann

Hoffmann

Die Journalistin Maren Hoffmann (54) aus Ahrensburg bei Hamburg verstärkt ab dem Jahrgang 2023 die Jury für das Spiel und das Kennerspiel des Jahres.

Hoffmann ist Redakteurin im Ressort Job und Karriere beim Spiegel. Ihr Studium der Philosophie und der Germanistik absolvierte sie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Das Thema Brettspielkritik begleitet sie schon seit Mitte der 1990er Jahre. Heute schreibt sie für den Spiegel und das Fachmagazin spielbox Spielekritiken und Kolumnen. Maren Hoffmann lebt, spielt und arbeitet bei Hamburg und in Freiburg. Ihr Mitgliedschaft im Spiel des Jahres e.V. beginnt am 1. August 2022.

Änderungen im Vorstand

Nach 13 Jahren Tätigkeit im Vorstand des Spiel des Jahres e.V. hat Udo Bartsch nicht mehr erneut kandidiert. 2009 war er erstmals gewählt worden und hat sich viele Jahre als Schatzmeister um die Finanzen des Vereins gekümmert. Udo Bartsch wird sich nun als einfaches Vereinsmitglied für das Spiel des Jahres engagieren.
Auf die Stelle des Schatzmeisters rückt Tim Koch, der bislang die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden bekleidet hat. Neu in den Vorstand wurde Christoph Schlewinski gewählt. Er ist nun stellvertretender Vorsitzender des Vereins und bleibt gleichzeitig Koordinator der Kinderspieljury.
Harald Schrapers wurde von den Vereinsmitgliedern in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt wurde Bernhard Löhlein als Sprecher.

Brettspieltag in Oberursel

Gut 100 Besucher:innen waren da: Am 2. April 2022 fand der erste Brettspieltag „Orschel Spielt!“ in Oberursel statt. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der vhs Hochtaunus mit dem Jungend- und Kulturverein Portstrasse.

Die Qual der Wahl

Auch ein Spielepaket der Aktion „Spielend für Toleranz“ war mit dabei. „Dank der tollen Unterstützung in Form von Spielepaketen vom Spiel des Jahres Verein, Amigo, Kosmos, Ravensburger, Abacus, Asmodee, dem Deutschen Spieleverlagverein und weiteren Spieleverlagen sowie dem Spieleladen T3, konnten wir den Gästen eine Auswahl von fast 200 Spielen anbieten, welche auch sehr ausgiebig genutzt wurde“, schreibt Amrita Möhring-Sen von der vhs.

Oberursel spielt

Schon 15 Minuten vor Beginn des Brettspieltages, berichten die Veranstalter, standen die ersten der gut 100 Gäste vor der Tür. Acht Spieleklärer:innen brachten den Gästen die Spiele näher. Die nächste Veranstaltung ist schon geplant – im November ist es soweit. „Die gespendeten Spiele kommen auch weiterhin beim monatlichen Spieleabend zum Einsatz, sodass sie noch lange vielen Leuten Freude bereiten können“, so Möhring-Sen.

Die besten Spiele 2022: ein weltumspannendes Ereignis

Schlewinski, Schrapers

Die herausragenden Spiele in diesem Jahr bieten eine ungeheure Vielfalt. Vom zweieinhalb Minuten dauernden Hektikspiel „Magic Rabbit“ bis zum stundenlangen Tierparkerlebnis „Arche Nova“ findet sich für jede Gelegenheit und jeden Geschmack ein spannendes Spiel auf den drei Listen zum Spiel, zum Kinderspiel und zum Kennerspiel des Jahres.

Die empfohlenen und nominierten Spiele ➜



 

Aus nahezu 400 deutschsprachigen Neuheiten haben die beiden Jurys – eine ist für das Kinderspiel, die andere für das Spiel und Kennerspiel zuständig – 22 bemerkenswerte Titel in ungezählten Spielerunden herausgefiltert, die nun auf den Empfehlungs- und Nominierungslisten einen prominenten Platz gefunden haben.

Beim roten Spiel und dem anthrazitfarbenen Kennerspiel fällt die große Internationalität bei den Autoren und den wenigen Autorinnen auf. Von Japan über Dänemark bis in die USA sind Brettspiele – die manchmal immer noch als „German Games“ bezeichnet werden – längst ein weltumspannendes Ereignis. Dass kein deutschsprachiger Autor nominiert ist, ist bemerkenswert, gleichzeitig aber auch nur eine Momentaufnahme – denn im nächsten Jahr kann es wieder völlig anders aussehen. Bei den Kinderspielen waren 2020 drei Spiele mit französischen Autorinnen und Autoren nominiert, während in diesem Jahr ausschließlich deutschsprachige Spieleerfinder auf der Nominierungsliste stehen. Klar ist eins: Die Vielfalt der Themen und Mechanismen und die Qualität der Spiele profitiert in großem Maße von der Internationalität.

Jury für das Spiel und das Kennerspiel des Jahres: Udo Bartsch, Martina Fuchs, Stephan Kessler, Harald Schrapers, Manuel Fritsch, Tim Koch, Julia Zerlik, Bernhard Löhlein, Karsten Grosser, Nico Wagner

In den letzten beiden Jahren gab es im Zuge der Pandemie erhebliche Veränderungen: Während die Nachfrage nach Spielen je nach Segment um bis zu ein Drittel gestiegen ist, ist die Zahl der Neuerscheinungen aus verschiedenen Gründen zurückgegangen. Im Bereich Spiel und Kennerspiel ist diese Phase jetzt überwunden und wir verzeichnen ein Plus bei den Neuerscheinungen um mehr als zehn Prozent.

Jury für das Kinderspiel des Jahres: Christoph Schlewinski, Indra Dikhoff (Beirätin), Stefanie Marckwardt, Johanna France, Stefan Gohlisch, Oliver Gumbrich (Beirat), Volker Römke (Beirat). Nicht im Bild: Jessica Ferg (Beirätin)

Bei den Kinderspielen ist das anders. Hier ist die Liste der empfohlenen und nominierten Titel nur sieben Spiele lang. Während in der Vergangenheit eine kürzere Liste immer ein Zeichen für einen durchwachsenen Jahrgang war, gab es diesmal einen anderen Grund: Erwartungsgemäß hat die Pandemie den Kinderspielsektor „eingeholt“ und die Neuheitenzahl ist erheblich zurückgegangen. Denn die Arbeitsmöglichkeiten von Kinderspielredaktionen waren wegen der zeitweisen Schließung von Kitas und Schulen und dem Fehlen anderer Kontaktmöglichkeiten mit Kindern massiv eingeschränkt. Die Entwicklung von Spielen dauert viele Monate und manchmal Jahre. In dieser Zeit ist es unabdingbar, potenzielle Neuerscheinungen in unzähligen Testrunden mit vielen Kinder bis zum fertigen Spiel zu optimieren. Doch trotz dieser Einschränkungen war der Jahrgang 2022 für die Kinder und Jurymitglieder spannend und abwechslungsreich, denn weniger Auswahl bedeutete nicht gleichzeitig weniger Qualität.

Besonders auffällig sind in diesem Jahr zwei Spiele, die einen bereits als Kennerspiel erfolgreichen „großen Bruder“ haben, der jetzt auf vorbildliche Weise auf ein Kinderspiel heruntergebrochen wurde. „Mit Quacks & Co. nach Quedlinburg“ schließt erfolgreich an „Die Quacksalber von Quedlinburg“ an, während „Auch schon clever“ die Juniorversion von „Ganz schön clever“ ist.

Die für die roten und anthraziten Spiele zuständige Jury hat insgesamt 15 Spiele ausgewählt. Das sind genauso viele wie im Vorjahr.

Der Weg

Um beim Spiel des Jahres – entsprechend auch beim Kinder- und Kennerspiel – zu siegen, muss ein Spiel mehrere Schritte durchlaufen

Vom Kinder- bis zum Expertenspiel sind „Tiere“ das beliebteste Thema des Jahrgangs. Besonders überrascht hat dabei „Arche Nova“, das aufgrund seiner Komplexität eigentlich mehr als ein Kennerspiel ist und gleichzeitig mit seiner brillanten thematischen Einbettung eine besondere Zugänglichkeit eröffnet. Während es gerade im Kennerspielbereich eine Tendenz dazu gibt, Spiele in fantastischen Welten anzusiedeln und damit realen und manchmal auch kritischen Themen aus dem Weg zu gehen, macht „Arche Nova“ es anders. Ein Spiel derart eng an der Realität eines wissenschaftlichen Zoos anzulehnen und auch den Widerspruch auszuhalten, auf den diese Form der Tierhaltung regelmäßig stößt, ist bemerkenswert.

Harald Schrapers · Christoph Schlewinski

Fotos: Spiel des Jahres CC BY-SA 4.0

Stipendiat Richard Lenherr berichtet über seine Erfahrungen

Nachdem im Jahr 2020 das Nachwuchs-Spieleautor*innen-Stipendium pandemiebedingt nicht vergeben wurde, konnte im Jahr 2021 der Autor Richard Lenherr die unabhängige Jury der Spiele-Autoren-Zunft überzeugen.

Das von Friedhelm Merz begründete Spieleautorenstipendium wird seit 1995 vergeben. Es ist mit 3000 Euro dotiert und ermöglicht den Stipendiat*innen Einblicke in die Verlagsarbeit, in den Spielwarenhandel sowie die Vermittlung von spieltheoretischem Wissen. Dafür absolvieren sie in einem Zeitraum von vier Wochen verschiedenste Praktika. Finanziert wird das Stipendium vom Spiel des Jahres e.V.

Lenherr hat diese Praktika – die ihn von Zürich nach Göttingen, Ravensburg, München und nach Köln führten – nun absolviert. Sein Bericht darüber liegt nun vor.