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Kein Kinderkram: Lieblingsspiele mit Kindern (3 bis 5 Jahre)

Die Spiele auf dieser Liste sind nicht in wertender Rangfolge sortiert. Sie stehen in dieser Reihenfolge, weil ich natürlich erst Mal durch mein Gedächtnis wandere, vergangene Spielelandschaften anschauen und sich sortieren muss. Dann sehe ich in der Ferne etwas Interessantes, komme vom Weg ab und muss geistig mühsam wieder zurück zum eigentlichen Thema finden. Und am Ende, am Ende sortiere ich die Spiele doch nach Alter – weil es sonst irgendwie unordentlich aussieht.

Alle Spiele auf dieser Liste haben gemeinsam, dass Kinder sie immer wieder spielen wollen. Und ich als Erwachsener würde sie jederzeit mit Kindern spielen. Weil sich deren Spaß auf mich überträgt und weil die Spiele auch mein inneres Kind ansprechen.

Dass nur ein Spiel ab drei Jahren auf dieser Liste gelandet ist liegt daran, dass Spiele ab drei mancherlei Fehler begehen. Entweder sind sie im Kern zu schwer, so dass man das Alter eigentlich raufschrauben müsste. Oder sie sind nur dürftig veränderte Variationen von altbekannten Spielen oder Spielsystemen, denen das Besondere fehlt, das Kinder in ihren Bann zieht.

Genug Einleitung. Das sind die Lieblingsspiele meiner Testkinder (und mir), Alter 3-5:

Octopus

Octopus“ (Grégory Kirszbaum und Alex Sanders bei Djeco, ab 3, Empfehlungsliste „Spiel des Jahres“ 2019) ist das klassische Angelspiel als kooperative Aufgabe. Alleine angelt hier niemand erfolgreich, nur mit einem Partner klappt das. Wieso? Weil auf jedem Fisch zwei Metallpunkte kleben. An den Angeln hängen die passenden Magnete. Allerdings ist so ein Holzfisch zu schwer für nur eine Angel – deshalb müssen immer zwei Spieler einen Fisch aus der einen Kartonhälfte und in die andere Kartonhälfte tragen. Aber wahnsinnig stark sind die Magnete auch nicht und deshalb müssen beide Kinder ruhig und gleichzeitig spielen, sonst fällt der Fisch runter. Und als wäre das nicht schon alles anstrengend genug, hat man immer nur fünf Minuten (eine Sanduhr) Zeit, um alle Fische zu angeln. Kooperatives Angeln: Dass da vorher nie einer drauf gekommen ist! Die Kinder lieben diesen Zeitdruck und das Kooperative ist sowieso ihr Ding. „Octopus“ kommt immer gut an.

Schau mal! Was ist anders?

Schau mal! Was ist anders!“ (Haim Shafir bei Amigo, ab 4, Empfehlungsliste „Spiel des Jahres“ 2015): Stabile Karten mit lustigen Motiven liegen auf dem Tisch und alle schauen genau, was auf den Karten zu sehen sind. Dann machen alle die Augen zu – bis auf einen. Der dreht eine Karte um. Auf der Rückseite ist zwar immer noch dasselbe Motiv… aber eben ein bisschen anders. Was das ist, müssen die Spieler herausfinden, nachdem sie ihre Augen wieder geöffnet haben. Genauso schnell, wie man dies hier jetzt gelesen hat, erklärt man Kindern dieses Spiel. Dazu gibt’s Spannung (weil es leicht hektisch wird wenn jeder der schnellste sein will) und vor allem Konzentration. Die vor dem Umdrehen, beim Merken und die nach dem Umdrehen, wenn auf wieder auf die Festplatte im Kopf zugegriffen wird. „Memory“ mal anders – das wissen die Kinder sehr zu schätzen.

Sag’s mir! Junior

Bei „Sag’s mir! Junior“ (Peter Sarrett bei Repos, ab 4, Empfehlungsliste „Spiel des Jahres“ 2016) sind auch die Erwachsenen gefragt. Denn die erklären den Kindern Dinge, die auf Bildkarten dargestellt sind. Zuerst mündlich, den ganzen Kartenstapel durch und für jede richtige Antwort gibt’s einen Punkt. Dann kommt Runde zwei. Es bleiben dieselben Karten, aber jetzt werden alle Motive noch mal erklärt. Und zwar pantomimisch. Wieder die Punkte zählen und beim nächsten Mal besser sein. Die Juniorversion des Partyklassikers für Erwachsene ist eines der besten Sprachspiele für Kinder, denn es kommt ordentlich Stimmung auf. Erst sind die Kleinen noch zaghaft, aber es ist ja der Erwachsene, der sich zum Affen macht und so bricht schnell das Eis. Innerhalb kürzester Zeit wird selbst der schüchternste Nachwuchs zum lautstarken Mitrater. Ideal zur Sprach- und Sprechförderung. Und es funktioniert als eines der wenigen Spiele ab vier Jahren auch in großen Kindergruppen.

Concept Kids – Tiere

Bei „Concept Kids – Tiere“ (Gaëtan Beaujannot und Alain Rivollet bei Repos, ab 4, Empfehlungsliste „Spiel des Jahres“ 2019) beschreiben Kinder einem Erwachsenen Tiere – aber ohne Worte. Wie im Spiel „Concept“ für Große müssen Kinder mit Symbolen auf dem Spielplan arbeiten. Wie viele Beine hat es? Ist es schnell oder langsam? Isst es Fleisch oder Pflanzen? Oder vielleicht beides? Passende Felder werden mit Plastikrahmen bestückt und so formt sich nach und nach ein Tier zusammen, dass der „Große“ raten muss. Dadurch, dass hier nur mit Bildern und ohne Sprache gearbeitet wird, kann wirklich JEDER mitspielen und das ist einer der großen Vorteile von „Concept Kids – Tiere“. Dazu ist es rasend schnell erklärt und fasziniert sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen. Allerdings lohnt es sich, vorher die Tiere durchzuschauen. Den Narwal z. B. kannte kaum ein Kind. Und ob ein Kraken wirklich rosa ist, wage ich zu bezweifeln. Da wäre es besser gewesen, statt gezeichneter Tiere echte Fotos zu nehmen. Aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen auf einem ansonsten tadellosen Spiel.

Magic Maze Kids

Magic Maze Kids“ (Kasper Lapp Pegasus / Sit Down!, ab 5, Empfehlungsliste „Spiel des Jahres“ 2019) ist wieder ein Spiel für Große, das für die Kleinen umgestrickt wurde. Aber sehr erfolgreich. Der blöde Löwenkönig hat sich selbst mit einem falschen Zaubertrank in einen Frosch verwandelt und die Zutaten für das Gegenelixier müssen erst einmal gefunden werden. Gemeinsam bewegen alle die Figuren durch den magischen Wald um das Material einzusammeln. Dabei darf jeder Spieler die Figuren nur in eine Richtung ziehen. Da müssen sich alle gut absprechen und gut aufpassen. Es sind kooperative Knobelaufgaben, deren immer schwerer werdende Aufgaben vorher geübt werden können. Fast wie eine Spielesammlung kann man sich mit jeder Partie überlegen, welche dieser Aufgaben dabei sein soll. Und wenn alle Sammelmeister sind, gibt’s als Variante sogar noch Zeitdruck und – wie beim großen  „Magic Maze“ – auch ein Sprechverbot. Aber auch ohne das ist es faszinierend zu beobachten, wie Kinder sich in dieses Spiel innerhalb kürzester Zeit reindenken können.

Push a Monster

Push a Monster“ (Wolfgang Dirscherl und Manfred Reindl bei Queen Games, ab 5, nominiert zum „Kinderspiel des Jahres“ 2015) ist Monsterschubsen extrem. Mit ruhiger Hand muss ein zufällig ausgewähltes Monster auf eine Plattform bugsiert werden ohne dass etwas runterfällt. Die Monster sind dazu noch unterschiedlich groß und unterschiedlich geformt. An welcher Seite der Plattform setze ich an? Wie kann ich das Monster am besten drehen, damit nichts passiert? Kann ich dem nächsten Spieler das Leben vielleicht ein bisschen schwerer machen? Erfolgreiches Bugsieren erbringt ein Monsterplättchen, je größer (und schwieriger) das geschubste Monster war. Die längste Reihe an Monsterplättchen gewinnt und die Kinder haben etwas ganz wichtiges gelernt: Die Auslage der Monster auf der nicht sonderlich großen Plattform zu „lesen“, sich also sowohl zu konzentrieren, bevor man schiebt und während man schiebt. Hektik bringt hier nix. Ein Spiel, das wunderbar entschleunigt.

Stone Age Junior

Stone Age Junior“ (Marco Teubner bei Hans im Glück, ab 5, „Kinderspiel des Jahres“ 2016 ) ist Ressourcen sammeln für Kinder. Mal etwas ganz Neues. Bewegt wird sich nach dem „Memory“-Prinzip, dafür müssen Chips mit Würfelzahlen oder Sondersymbolen aufgedeckt werden. Zu erreichen sind Ressourcen, mit denen man seine Steinzeithütten bauen kann. Kinder haben hier immer ein festes Ziel und müssen überlegen, wie sie das am besten erreichen können. Es ist kein Spiel, bei dem die Kleinen aufgeregt vor Emotionen auf ihren Stühlen wippeln. Aber ein Spiel, bei dem alle überraschend schnell in sich gehen, überlegen und ganz leise werden. Dazu gibt’s noch einen niedlichen, helfenden Hund und einen Tauschmarkt. Das ist genau die richtige Portion „um die Ecke denken“ für Kinder ab fünf. Schon beeindruckend, wie das große „Stone Age“ vom Verlag auf diese Kinderversion runtergebrochen wurde.

Christoph Schlewinksi

Frankfurt: Unterschiedlichste Menschen spielen zusammen

Seit 2018 widmet sich der Verein Spielkultur Frankfurt der Förderung des Spielens „mit all seinen Facetten in Frankfurt am Main und Umgebung“. Dazu gehören regelmäßige Spieleabende, zur Zeit sogar zweimal wöchentlich – aber auch Ausflüge zu Spielemessen sowie soziale Projekte.

Am 17. November 2019 fand die erste Veranstaltung unter dem Motto „Spielend für Toleranz“ im Jugendhaus Heideplatz in Frankfurt statt. „Pünktlich um 13 Uhr standen auch schon die ersten spielbegeisterten Gäste vor der Tür. Insbesondere Familien mit kleinen Kindern nutzten den Beginn zur Mittagszeit, um die Games für jüngere Spieler_Innen auszuprobieren. Dabei konnten die Jüngsten vom Spiel „Funkelschatz“ nicht genug kriegen und so fanden etliche Runden über den Tag verteilt statt“, schreiben die Veranstalter.

Spiele, Gespräche, Toleranz in Frankfurt

Die Veranstalter werten den Spieleabend als vollen Erfolg: „Zwischenzeitlich befürchteten wir schon, der Platz zum Spielen würde nicht ausreichen.“ Aber nicht einfach nur viele Menschen waren im Jugendhaus, sondern vor allem viele unterschiedliche Menschen: „Von geflüchteten, über Expatriates aus verschiedenen Ländern der Welt, bis hin zu gebürtigen Frankfurter_Innen kamen Menschen unterschiedlichster Couleur bei uns spielend zusammen.“

Mädchen haben Power – Spiele auch.

So setzte die erste Veranstaltung unter dem Motto „Spielend für Toleranz“ der Spielkultur Frankfurt ein starkes Zeichen – genau, wie es die Veranstalter erhofft hatten: „Wir von der Spielkultur Frankfurt e.V. wollten ein Zeichen gegen Intoleranz und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit setzen und das ist uns im Rahmen unserer Möglichkeiten auch gelungen. Es hat sich mal wieder gezeigt, dass Frankfurt eine weltoffene Stadt ist, in der wir für Hass und Menschenfeindlichkeit keinen Platz haben.“ Weitere Veranstaltungen sind für 2020 und darüber hinaus geplant.

King of Tokyo oder King of Frankfurt?

Werwölfe in Venedig: Spiele zum Karneval

Ob Karneval, Fastnacht, Fasching oder vielleicht ganz anders: Die fünfte Jahreszeit steht fröhlich trötend vor der Tür.  Da müssen selbstverständlich auch ein paar passende Spiele her. Ob es nun um Masken geht, um ein verschlungenes Spiel mit Identitäten oder darum, einfach erst einmal die passende Stadt zum Feiern zu bauen – wir haben unsere roten Pappnasen aufgesetzt und bringen ein wenig Stimmung aus dem Archiv in den Spieleabend! Bumm-Dä!

Säuleneilige

Der berühmteste Karneval ist wohl der von Venedig. Aber so eine Lagungenstadt will ja auch erst einmal gebaut werden. In dem zur Zeit nicht mehr aufgelegten Spiel „Die Säulen von Venedig“ (Christian Fiore und Knut Happel bei Goldsieber) wird die berühmte Metropole des Rokoko-Karnevals auf Pfählen hochgezogen. In dem Spiel von der Empfehlungsliste 2007 schlüpfen die Spieler und Spielerinnen in unterschiedliche Rollen: als Händler, Spekulanten und Spione versuchen sie, vom Bau der Stadt zu profitieren.

Canale rotondo

Auch in dem – auch nur noch antiquarisch erhältlichen – „Venice Connection“ (Alex Randolph bei Drei Magier Spiele) geht es um Städteplanung auf venezianisch. In dem Spiel, das 1996 mit dem Sonderpreis „Schönes Spiel“ ausgezeichnet wurde, muss mit 16 beidseitig bedruckten Karten ein durchgehender Kanal gebaut werden. Gewonnen hat, wer das letzte Stück setzen kann. Klingt einfach – entpuppt sich dann aber, auch aufgrund der Gestaltung, als ein Kleinod unter den strategischen Legespielen.

Käferküsschen

Wenn Marienkäfer sich verkleiden, wollen sie gerne bunt werden. Jedenfalls in „Maskenball der Käfer“ (Peter-Paul Joopen bei Selecta). Wenn zwei Käfer sich in dem Kinderspiel des Jahres 2002 mögen, ziehen die Magnete in den Spielfiguren sich an – die possierlichen Tierchen „küssen“ sich und dürfen eines der farbigen Hölzchen auf ihren Rücken tauschen. Wenn alle Käfer ausreichend bunt sind, geht es zum Maskenball – dies allerdings in einem Wettlauf mit den Ameisen, die ebenfalls auf das Käferbuffet scharf sind. Ein putziges Kinderspiel mit witziger Idee, das 2015 bei Pegasus Spiele neu aufgelegt wurde.

Die Kinder der Nacht

Verbirgt sich hinter der Maske ein Mensch? Oder vielleicht doch ein (metaphorischer) Werwolf? Menschen- und Wolfskenntnis können beim Feiern ja durchaus nützlich sein. Deshalb hier im großen Werwolf-Triple: Drei Varianten des Partyspielklassikers um Identitäten und Geheimnisse.

Die Werwölfe von Düsterwald“ (Philippe des Pallières und Hervé Marly bei Lui-même) ist die klassischste Variante des Spiels – zwei Werwölfe sind immer im Spiel, ab neun Spieler und Spielerinnen und mit 24 Rollenkarten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, zu spielen. Auf der Empfehlungsliste 2003 – perfekt für große Gruppen!

Vollmondnacht“ dagegen ist eher für kleinere Runden gedacht. Hier können sich 3 bis 10 Spieler und Spielerinnen auf die Suche nach den Werwölfen machen. In der Variante von Ted Alspach und Akihisa Okui bei Bézier Games von der Empfehlungsliste 2015 (2016 neu aufgelegt bei Ravensburger) stiften ebenfalls zahlreiche andere Figuren zusätzlich Unordnung wenn die heulend die Werwölfe bei Vollmond zum Maskenball rufen – aber ganz komprimiert in nur einer einzigen Nacht.

Wem Worte als Verkleidung ausreichen, für den ist „Werwörter“ (Ted Alspach bei Ravensburger) die perfekte Wahl. In dem Spiel von der aktuellen Nominierungsliste 2019 geht es darum, mit geschickten Fragen und unter Zeitdruck das geheime Wort zu finden, das die Werwölfe in die Flucht schlagen kann. Selbstverständlich muss aber jeder Spieler und jede Spielerin eine geheime Rolle spielen – und die Werwölfe innerhalb der der Dorfgemeinde versuchen, alle noch zusätzlich auf eine völlig falsche Fährte zu hetzen.

Venedig, wie es sinkt und lacht


Wenn Venedig dann erst einmal gebaut ist (siehe oben) kann man dort ja auch gleich Karneval feiern. Und damit es spannend bleibt, ein paar Agenten mit geheimen Aufträgen ins Getümmel stecken. So ist die Geschichte des – ebenfalls nur noch antiquarisch erhältlichen – „Inkognito“ (von Alex Randolph und Leo Colovini bei MB, ab 2001 überarbeitet bei Winning Moves, ab 2013 bei Piatnik). Das Spiel gewann 1988 den Sonderpreis „Schönes Spiel“ und ist im Kern ein Rollenspiel, in dem es ums Bluffen und Taktieren geht – die maskierten Agenten müssen im Trubel des historischen venezianischen Karnevals ihren Gegenpart und ihren Auftrag finden, um zu gewinnen. Da wird sich am Ohr gezupft oder anderweitig merkwürdig verhalten. Wer weiß, ob sich damals nicht schon Goethe und Casanova maskiert am Canale Grande trafen?

Wien: Spielen, spielen, weiter spielen

Spieletest.at ist eine österreichische Seite für Spielerezensionen, deren Rezensenten und Rezensentinnen über Neuheiten und Klassiker schreiben, auf Spielemessen gehen, über Preise berichten und ihre Gedanken zu Spielen teilen. Als eine große deutschsprachige Seite für Spielekritik unterstützt spieletest.at „Spielend für Toleranz“: „Geniale Aktion!!“, schreibt Redaktionsmitglied Simon Kriese dazu. „In Zeiten wie unserer ist es wichtig und wertvoll, Zeichen zu setzen. Wir stellen uns hiermit jedenfalls voll hinter die Aktion ‚Spielend für Toleranz‘ – und damit gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit!“

Spielen im Wiener Untergrund

Die Seite organisiert im Wiener Café Benno regelmäßige Spieleabende – das Café verfügt aber auch über eine eigene große Spielesammlung. Im Januar 2019 fand dort der erste Spieleabend unter dem Motto „Spielend für Toleranz“ statt, seitdem gab es mehrere Veranstaltungen, bei dem das Spielepaket zum Einsatz kam.

Tanzen auf dem Tisch für Toleranz

Im Januar 2020 wurde das „Spielend für Toleranz“- Paket nun weitergereicht – an die Caritas in Wien. Vom Café Benno ging es für die Spiele ins Lerncafé der Caritas, ein kostenloses Angebot, bei dem die Caritas Jugendlichen zwischen 6 und 15 Jahren aus sozial benachteiligten Familien Lernhilfe und Nachmittagsbetreuung anbietet. Hier wird das Paket weiterhin gute Dienste leisten.

Spielespende an die Caritas

Kritikenrundschau: Spiele für zwei Personen

Nicht nur in den Empfehlungslisten der letzten Jahre finden sich viele Spiele für romantische Abende zu zweit – auch im aktuellen Spielejahrgang finden sich einige. Passend zum nahen Valentinstag gibt es unsere Kritikenrundschau als romantisch-wettstreitendes Zweierspiel-Special.

Fuchs, du hast den Stich gestohlen

Der Fuchs im Wald

Zu „Der Fuchs im Wald“ (Joshua Buergel bei Leichtkraft) liefern sich Karsten Grosser und Hauke Petersen in der NOZ ein Streitgespräch: „13 Stiche, dann wird die Runde ausgewertet. Ganz einfach. Der Kniff dabei liegt im Umstand, dass es auf die Zahl der errungenen Stiche ankommt. Wer beispielsweise mehr als zehn holt, wird als gierig eingestuft und erhält null Punkte für die Runde – während sein Gegenüber sechs Punkte kassiert“, fasst Grosser  den Spielablauf zusammen. „Ein großartiges Konzept“, findet er, „das die Spieler immer wieder auf schmalem Grat zwischen vielen und wenigen Punkten wandeln lässt.“ Petersen erwähnt die Sonderkarten des Spieles und bemängelt: „Sechs Karten mit Sonderfähigkeiten, die man ständig wieder nachlesen muss. Was ist daran nicht kompliziert?!“ Trotzdem kommt er zu einem versöhnlichen Ergebnis: „Aber interessant ist ‚Der Fuchs‘ schon.“¹

Auch Bernhard Löhlein gefällt bei Radio IN das Konzept: „Keinen Stich zu machen ist also gut, aber schwer möglich“, sagt er. „Besser ich mache so sieben bis neun Stiche. Das sind schon viele, aber eben: Nicht alle. Und da kribbelt es richtig. Wenn es zum Beispiel gut läuft, ich mache Stich um Stich, erst gefällt mir das, aber plötzlich kippt das Spiel. Ich will ja nicht zu viele Stiche machen. Da muss ich mittendrin meine Taktik ändern. Klasse Idee. Zauberhaft umgesetzt.“²

Kritischere Töne schlägt Harald Schrapers in der Spielbox an: Die Regeln der Karten mit Sonderfunktionen seien „kompliziert beschrieben“, schreibt er. „Sinnvoller und weitaus eleganter wäre es gewesen, die Sonderfunktion der Karten mit einem Symbol oder einem aus maximal drei Wörtern bestehenden Begriff zu bezeichnen. Das würde den Einstieg jedenfalls deutlich erleichtern. Zumal diese Kartenfunktionen gar nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn die vielen Worte, die darum gemacht werden, genau dies vorgaukeln.“ Am Ende aber weiß der ‚Fuchs im Wald‘ gut zu gefallen, Schrapers vergibt die Wertung „gut“.³

Fröhliche Gefährten

Robin von Locksley

„Robin von Locksley“ (Uwe Rosenberg bei Wyrmgold) gefällt Martin Klein gut: 4 von 5 Sternen vergibt er für das Spiel, auch, wenn es „vom Anspruch her eher einfach“ sei. „Wir haben eine Auslage von 55 Blättchen, die unterschiedliche Schätze zeigen, die wir einsammeln können“, erklärt er. Per „Pferdesprung, wie man ihn vom Schach kennt“ hüpft man über die Auslage – und sammelt dann das Schatzplättchen ein, auf dem man ankommt. Diese werden einer Sammlung hinzugefügt. „Diese Sammlungen brauchen wir, um auf dem Rundlauf, der da drumherum ist, mit unserer Robin-Figur Fortschritt machen zu können.“ Auf dem Rundlauf liegen Aufgaben aus, die man erfüllen müsse. „Das ist ein durchaus ansprechender Mechanismus“, urteilt Klein, die Aufgaben ergäben ein „interessantes Hin- und Hergehüpfe“. Nur die Möglichkeit, sich von Aufgaben mit für Schatzplättchen erhaltenem Geld freikaufen zu können gefällt Klein nicht, das sei „zu einfach“. „Damit waren dann oft die interessanten und spannenden Sachen mit Geld zu machen“, sagt er in seinem YouTube-Video.

Genau diese Mechanik ist ist für Stephan Kessler der Kern von „Robin von Locksley“: „Man muss sich genau überlegen: Für welche Aufgaben gebe ich die Münzen aus, für welche nicht? Das ist für mich der Reiz an dem Spiel“, sagt er im Gespräch zu Gast bei Manuel Fritschs Podcast. „Wie mache ich was zu welcher Zeit? Wann kaufe ich Schritte?“ Für Fritsch ist das ein „total schöner Mechanismus“. „Dieses Knobeln und gleichzeitige Wettrennen ist so clever ausbalanciert, das finde ich total super“, sagt er und meint: „Supercooles Spiel.“ Kessler schließt sich dem Urteil an: „Richtig schönes Spiel geworden.“

Alles ist vergänglich, nur die Punkte nicht

Mandalas sind Symbole für das Leben und seine Vergänglichkeit – „Mandala“ (Trevor Benjamin und Brett J. Gilbert bei Lookout Spiele) macht sich die mystische Form für einen Zweispielerwettstreit zu nutze. „Klingt esoterisch“, schreibt Karsten Grosser in seiner Besprechung in der NOZ. „Doch der Mechanismus baut eine taktische Tiefe auf, die keinen Platz für mystische Verklärung lässt.“

„Die Spieler legen abwechselnd Karten in eines von stets zwei entstehenden Mandalas“, erklärt Grosser das Spiel. „Jedes Mandala ist in drei Bereiche unterteilt. In die Mitte darf jeder Karten legen – allerdings nur eine pro Zug. Dort werden Karten gesammelt, die später zu Punkten werden. Zudem hat jeder Spieler in jedem Mandala einen persönlich Bereich, in dem nur er selbst Karten platzieren darf. Wer dort bei der Wertung die Mehrheit besitzt, darf sich beim Verteilen der Karten aus der Mitte zuerst eine Farbe aussuchen, von der er alle Karten erhält. Eine Wertung wird ausgelöst, sobald in einem Mandala alle sechs Farben vertreten sind.“ Bemerkenswert sei auch der Spielplan aus Stoff, der an ein Küchentuch erinnere. „Wer es nicht vor einer Partie bügelt, muss damit leben, dass die Karten nicht immer plan aufliegen. Aber: Das stört nicht. Insofern trägt dieser ungewöhnliche Spielplan seinen Teil zu einem nicht übernatürlichen, aber doch deutlich überdurchschnittlichen Spiel bei“, urteilt Grosser.

Auch Harald Schrapers fühlt sich von dem Spielplan an ein Küchentuch erinnert: „Das Geschirrtuch sieht schön aus und strukturiert die Spielfläche, zur Not ginge es aber auch ohne“, schreibt er in der Spielbox. „Denn im Grunde besteht Mandala aus gerade einmal sechs verschiedenen Karten, jede 18-mal vorhanden. Dass daraus – zusammen mit dem Kniff, an zwei Mandalas gleichzeitig zu werkeln – so viel Spieltiefe entstehen kann, beeindruckt mich sehr.“ Nur die Spielanleitung, meint er, hätte gekürzt werden können, am Ende vergibt er die Wertung „gut“.

Julia Zerlik ist bei der Besprechung von „Mandala“ voll des Lobes. Der Spielplan, sagt sie, sei mal „etwas anderes“. Das Spiel sei „eigentlich total simpel“, meint sie. „Aber der Clou dahinter: Welche Farbe lege ich jetzt wohin, wie muss ich agieren, damit ich unbedingt diese Farbe bekomme, das ist richtig genial.“ Selten spiele sie nur eine Partie des Spieles, meistens würden es mehrere: „Schon ab der ersten Partie war ich richtig angefixt.“

Auch Bernhard Löhlein beurteilt, nachdem er mit einem ausgiebigen „Oooohm“ seine Mitte gefunden hat, „Mandala“ gut: „Das schöne Thema, die Farbkarten und der originelle Spielplan aus Stoff dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Jeder Zug muss gut geplant sein. Leicht zu erlernen, mit großer Spieltiefe. Der Zufall spielt eine große Rolle, manchem einen Tick zu viel. Eben: Ein Spiegelbild des Lebens.“

¹ Neue Osnabrücker Zeitung: Claim vs. Der Fuchs im Wald – welches Stichspiel für zwei ist besser?
² Radio IN, Spiel der Woche, Sendung vom 8.2.2020
³ Spielbox Heft 7 / 2019
Spielerleben: 19 Spiele im Oktober 2019
Le Brett: Unsere aktuellen Brettspielempfehlungen für Weihnachten (kostenpflichtig)
Neue Osnabrücker Zeitung: Warum das Kartenspiel „Mandala“ ein Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt ist
⁷ Spielbox, Heft 6 / 2019
Spiel doch mal… Mandala
⁹ Radio IN, Spiel der Woche, Sendung vom 4.1.2020

Oberursel: Multifunktionstreff

Das Café Portstrasse in Oberursel ist ein Jugendtreff, der viel bietet: Man kann sich dort einfach treffen, es gibt verschiedene pädagogische Angebote aber auch Workshops, Ausflüge, Internet, einen Tischkicker und digitale Spiele – selbstverständlich aber auch analoge Spiele. Der erste der Brettspieltage dort war, schreibt einer der Organisatoren, Matias Ghaznavi, „ein voller Erfolg“. „Über den Tag verteilt waren ca. 60 bis 70 Besucherinnen und Besucher aller Altersstufen da und haben ausgelassen mit- und gegeneinander gespielt.“

Spieleauswahl in der Portstrasse – bitte nicht werfen

Dank der Unterstützung verschiedener Spieleverlage und des Vereins „Spiel des Jahres“ konnten 70 Spiele zur Auswahl angeboten werden, die von 8 ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen erklärt wurden. Der Brettspieltag begann um 8 Uhr morgens – und endete um 21 Uhr. „Nach einem 13-Stundentag“, schreibt Ghaznavi, “war ich zwar entsprechend fertig, aber auch überglücklich über die Resonanz, die die Aktion bekommen hat. Es war ganz bestimmt nicht der letzte Spieletag hier bei uns in Oberursel.“

Azul von oben

Auch Dank des „Spielend für Toleranz“-Pakets konnte das Café Portstrasse das umfangreiche Angebot für Jugendliche um einen offenen Spieleabend erweitern, der alle 14 Tage stattfindet.

Viel Toleranz – Hereinspaziert ins Café Portstrasse!

Das perfekte Spieledate: Die 10 schönsten Spiele zu zweit

Der Valentinstag steht mit Blumen vor der Tür – und eigentlich ist das perfekte Date doch immer ein verspieltes, oder? Spielen ist die optimale Antwort auf alle schwierigen Fragen der Zweisamkeit, sei sie ganz frisch oder Teil einer längeren Beziehung: Wer sich näher kommen will, auf ungewöhnliche Art miteinander kommunizieren oder einfach nur einen gemütlichen Abend zu zweit verbringen, sollte zu Spielen greifen, keine Frage. Aber welche? Wir haben (natürlich zu zweit) für euch unsere Listen nach den allerschönsten Zweierspiele durchsucht. Ob einträchtig, kompliziert, rangelnd oder einfach nur wunderschön: Spiele sind manchmal wie eine Beziehung. Dem perfekten Spieledate steht hiermit also nichts mehr im Weg.

Feuerwerk der Liebe: Hanabi

Gemeinsam ein wunderschönes Feuerwerk erleben: Ist das nicht die Definition von Liebe? Aber einfach ist es, wie in der Liebe, auch nicht: „Hanabi“ von Antoine Bauza, das Spiel des Jahres 2013, erfordert kluge Kommunikations- und Kombinationsfähigkeiten, denn die Karten werden ungewohnt andersherum gehalten, man sieht immer nur die Karten der anderen. Nur wer perfekt zusammenarbeitet, kann das schönste Feuerwerk von allen legen. Genau: Wie in der Liebe. Perfekt übrigens auch für Doppeldates: „Hanabi“ kann zu zweit, aber auch mit bis zu fünf Personen gespielt werden.

Ik hou van dei: Arler Erde

Wovon träumt der hektische Städter in seiner lauten Stadt? Selbstverständlich von einem ruhigen Leben auf dem Land. Dass das alles andere als ruhig ist, zeigt „Arler Erde“. Zu zweit kann man sich in dem Spiel von der Empfehlungsliste 2015 an der Stadtflucht versuchen. In dem kleinen, ostfriesischen Örtchen Arle müssen Felder bestellt, Moore entwässert, Torf gestochen, Deiche und Karren gebaut und Rinder und Schafe gezüchtet werden. So wird in dem stark autobiographischen Bauspiels des Autors Uwe Rosenberg der romantisch-ruhige Nestbau auf dem Land schnell zur Lebensaufgabe. Natürlich ist das nichts, was so ein eingespieltes Paar nicht hinbekommen würde.

99 Probleme, aber die Kommunikation ist keins: The Game

Zugegeben: Die Schachtel sieht eher nach Splattermovie als nach Romantik aus (obwohl sich das ja auch nicht ausschließen muss). „The Game“  von Steffen Benndorf steckt aber voller Überraschungen. Gerade mit zwei Personen ist das Spiel von der Nominierungsliste für das „Spiel des Jahres“ 2015 eine besondere kommunikative Herausforderung. Zwar müssen hier nur gemeinschaftlich Zahlen in der richtigen Reihenfolge aufeinander gelegt werden – allerdings darf nur sehr eingeschränkt darüber kommuniziert werden, welche Zahlen die Spieler auf der Hand haben. „The Game“ ist ein Spiel für alle, die ihrem Schatz wirklich alles von den Augen ablesen können – oder das zumindest trainieren möchten.

Altägyptisches Power Couple: Imhotep – Das Duell

Wer liebt, kann ja durchaus in Konkurrenz treten – dabei darf es auch mal ein wenig Größenwahn sein. Denn welches Paar fühlt sich nicht manchmal wie die ganz großen Liebenden? Romeo und Julia, John und Yoko, Han und Leia, Ernie und Bert… oder eben Echnaton und Nofretete als ein echtes altägyptisches Power Couple. In „Imhotep – Das Duell“ von der Empfehlungsliste „Spiel des Jahres“ 2019 sichern sich zwei Spieler Baustoffe für Monumente – Tempel, Obelisken, Grabkammern, Pyramiden. Schließlich will die Unsterblichkeit gut vorbereitet sein. Dabei treten beide in direkte Konkurrenz und müssen sich clever postieren, um an die passenden Materialien zu kommen. Das Spiel von Phil Walker-Harding ist ein schönes Taktikspiel für Paare, die auch gerne mal ein wenig gemein zueinander sind.

Zwei unter einer Decke: Patchwork

Klar, Handarbeit liegt nicht unbedingt jedem – aber zum Glück muss in Uwe Rosenbergs „Patchwork“ auch nicht wirklich ein Flickenteppich zusammengenäht werden. Vielmehr werden in dem Taktikspiel von der Empfehlungsliste 2015 bunte Stoffplättchen aneinander gelegt, um damit eine vorgegebene Fläche zu füllen. Die Wahl des Flickens beinflusst dabei die Zugfolge und die Flickenauswahl des Konkurrenten. Noch dazu kosten die Stoffreste Knöpfe, vernähte Stoffreste generieren diese wiederum als Einkommen. Ein gemütlicher Nähwettstreit für zwei, die unter einer Decke stecken – auch für Paare, die ingesamt über vier linke Handarbeits-Hände verfügen.

Wie Gott in Griechenland: Santorini

Santorini gilt nicht nur als romantischste der griechischen Kykladeninseln – man munkelt auch, die Vulkaninsel hätte die Geschichte vom Untergang des sagenhaften Atlantis inspiriert. Das mag stimmen oder auch nicht, fest steht, dass „Santorini“ von Gordon Hamilton ein Spiel ist, das sich ein wenig nach Griechenland-Ferien anfühlt. Zwei Spieler bauen in dem Spiel von unserer Empfehlungsliste 2018 die von den Urlaubsbildern bekannten weißen Häuser mit den blauen Dächern – es geht darum, taktisch klug mit seinen Figuren auf die zweiten Etagen der Gebäude zu kommen. Und natürlich mischen auch launische antike Götter in Form von Karten mit. Auch optisch ein dreidimensionaler Genuss!

Gedankenverschmelzung: The Mind

Es gibt sie, diese Pärchen, bei denen es scheint, als teilten sich zwei Menschen ein Gehirn. Mit „The Mind“ von der Nominierungsliste 2019 könnt ihr auch eines davon werden! Zwar eignet sich das Spiel von Wolfgang Warsch für bis zu vier Personen, aber schon bei zwei Menschen stellen sich in dem Spiel, in dem Handkarten wortlos rein nach Zeitgefühl ausgespielt werden müssen, eigenartige Gedankenverschmelzungen ein. Ein wenig gruselig vielleicht – aber so sind Pärchen, die wortlos kommunizieren können eben manchmal. Die tragen auch die gleichen Jack-Wolfskin-Jacken.

Abstraktion als Multitasking: Tzaar

Schach und Dame sind die großen Klassiker der abstrakten Spielekonzepte: Keine Geschichte, einfache Regeln und pure Taktik, die komplexe Spielzüge erlaubt. „Tzaar“ von Kris Burm schlägt in dieselbe Kerbe. In dem Spiel von der Empfehlungsliste 2008 gibt es sechzig Spielsteine in drei verschiedenen Sorten, die vom Gegner geschlagen werden oder zu schützenden Türmen gestapelt werden können. Auf dem Spielfeld passiert viel, an allen Ecken und Enden brennt es – aber nur ein Zug ist jeweils erlaubt. Ziel des Spiels ist es, alle Steine einer Sorte des Gegners zu schlagen oder ihn in einen Zug zu zu zwingen, in dem er nicht mehr schlagen kann. Das perfekte Spiel für einen abstrakten Abend mit einem gemütlichen Glas Wein und viel Kopfzerbrechen.

Finte um Finte: Kamisado

Kamisado“ von Peter Burley ist noch so ein Spiel, bei dem es eher abstrakt zugeht – perfekt also für alle, die sich gerne in langen Taktiküberlegungen verlieren. Schwarze und weiße Spielsteine gibt es, das Ziel ist, einen dieser Spielsteine auf die Grundlinie des Gegners zu ziehen. Der Clou bei dem Spiel von der Empfehlungsliste 2010: Auf den Spielsteinen sind chinesische Schriftzeichen abgebildet, die Feldern des Spielbrettes entsprechen. Der Spieler muss einen der Spielsteine wählen, die dem Schriftzeichen auf dem Feld entsprechen, auf dem der Zug des Gegners endete. „Kamisado“ ist schnell gelernt – erlaubt aber verwirrende und bisweilen gemeine Aktionen. Das perfekte Spieledate für alle, die nicht nachtragend sind.

„Innigst geliebte Majestät…“: Love Letter

Eine dritte Person in eine Zweierbeziehung zu holen ist, nun ja, im besten Fall eher heikel. Aber was soll man schon machen, wenn beide in die Prinzessin verliebt sind? In „Love Letter“ von Seiji Kanai ist die Antwort einfach: Der Angebeteten Liebesbriefe zukommen lassen. Mit Handkarten können dabei bestimmte Personen am Hof bestimmte Aktionen ausführen, der Priester beispielsweise erlaubt den Blick in die Karten des Mitspielers, der Baron fordert zum Duell heraus. Zwar ist das Spiel von der Empfehlungsliste 2014 für bis zu vier Spieler geeignet, aber auch für zwei Spieler, die um die schöne Prinzessin konkurrieren ist „Love Letter“ ein spannendes und fast schon literarisches Intrigenspiel bei Hofe.

Halle: Größer denken

Mit zahlreichen Kooperationspartnern – darunter auch der Förderung im Rahmen von „Spielend für Toleranz“ – richtete der Verein Würfelpech e.V. Sachsen-Anhalts größte Spieleveranstaltung aus. Mit Unterstützung der Stadt Halle, der Stadtbibliothek sowie zahlreichen Spieleverlagen und Vereinen schaffte es „Halle spielt!“ 2018, im zweiten Jahr seines Bestehens, auf gute 1000 Teilnehmende zu kommen – zur dritten Veranstaltung im September 2019 kamen schon 2000 Menschen auf dem Hallmarkt und in der angrenzenden Stadtbibliothek zusammen.  Im Vorfeld der Veranstaltung 2018 sagte Judith Marquardt, die Kulturbeigeordente der Stadt Halle, der Mitteldeutschen Zeitung: „Wir wollen das Kulturgut Spiele stärken.“

Das Organisationsteam mit Teresa Fritsch (3. v rechts) und Judith Marquardt (2. von rechts)

2019 sorgten 44 Helfer und Helferinnen dafür, dass die Spiele auch zügig gespielt werden konnten. „Auch in diesem Jahr nahmen die Besucher die Veranstaltung positiv auf und lobten besonders die engagierten und freundlichen Spieleerklärer. So konnten sich die Besucher einfach hinsetzen und hatten jemanden, der mit ihnen das Spiel spielte, ohne sich selbst erst mit den Regeln auseinander setzen zu müssen“ resümiert der zweite Vorstand von Würfelpech e.V., Teresa Fritsch.

Haufenweise Helferinnen und Helfer in Halle

Besonderes Augenmerk wurde im Jahr 2019 auf die Erweiterung des Programmes für Kinder gelegt. Auch auf Geflüchtete wurde bei der Erstellung des Programmes geachtet: „Unter dem Motto ‚Spielend für Toleranz‘ wurden extra sprachneutrale Spiele in das  Angebot aufgenommen und es waren Dolmetscher vor Ort, um auch Flüchtlingen die Teilnahme an der Veranstaltung zu ermöglichen“, schreibt Fritsch. Von Kindern über Kenner bis hin zu Senioren: „Das Ergebnis war ein bunter Tag aus lachenden Menschen und staunenden Gesichtern – sowohl bei den Besuchern als auch den Helfern“, schreibt Fritsch. “Halle Spielt!“ soll auch 2020 wieder stattfinden.

Klask!

Zombie Kidz Evolution – ein Kinderspiel?

An diesem Spiel werden sich einige reiben: Die Spieler müssen eine Schule gegen eine Invasion von Zombies verteidigen. Ist das ein Thema für ein Kinderspiel? Und ist „Zombie Kidz Evolution“ (von Annick Lobet, erschienen bei Scorpion Masqué) überhaupt ein Kinderspiel? Eine kurze Antwort gibt es darauf nicht.

Auch ich habe gestutzt, als ich das Thema auf einem Spiel ab sieben Jahren gesehen habe. Als ich Kind war, durfte ich keine Spielzeugwaffen haben. Meine Eltern hielten mich lange fern von „Transformers“, „He-Man“ und ähnlich gewalttätigen Konsorten. Ein wenig von dieser Einstellung habe ich auf die Erziehung meiner Kinder übertragen: keine Waffen, keine Computerspiele, in denen gekämpft wird.

Und nun also ein Zombie-Brettspiel? Als ich die Zombies in der Grundschule zum Testen dabei hatte, pendelten die Reaktionen zwischen enthusiastisch und vorsichtig. Eine Drittklässlerin runzelte die Stirn („Die löffeln einem doch das Gehirn raus.“), die Jungs in der ersten Klasse waren sofort begeistert („Zombies finde ich cool!“), offenbarten aber auf Nachfrage beruhigende Unwissenheit.

Vom Thema abgesehen tut „Zombie Kidz Evolution“ viel dafür, Kinder nicht zu verschrecken. Die comichaft gezeichneten Untoten sind leicht als ehemalige Lehrerin oder Hausmeister zu erkennen. Die Kinder „kämpfen“ mit allem, was sie so in ihrem Kinderzimmer finden können: Wasserpistole, Armbrust, pinkes Laserschwert … Und wichtig: Die Gruppe tötet keine Zombies, sie verscheucht sie nur – und schließt dann hinter ihnen zu.

Knifflige Aufgabe

Das diskussionswürdige Thema tritt beim Spielen schnell in den Hintergrund. Denn die Aufgabe ist zwar einfach erklärt und schnell verinnerlicht, aber nichtsdestotrotz knifflig. Häufig haben ungeübte Kinder die Gefahr des schnell versiegenden Vorrats von maximal acht Zombies unterschätzt. Denn wer hier unvorbereitet ein Hoftor abschließt, der hat schnell ein Problem: einen Raum, in dem drei Zombies liegen und nicht mehr entfernt werden können.

Zombie Kidz Evolution

Doch selbst wenn es schief gehen sollte: Aus Niederlagen lernen die Kinder nicht nur, sie werden sogar trotzdem belohnt mit einem Sticker (für Siege gibt es unter Umständen zwei). Die Aufkleber in die Anleitung zu kleben, macht nicht nur Spaß, er beeinflusst nach gewisser Zeit auch das Spiel. Denn „Zombie Kidz Evolution“ ist ein sogenanntes Legacy-Spiel, das heißt, es verändert sich, je häufiger die Kinder es spielen.

Noch ein Kinderspiel?

Nach einer bestimmten Zahl von Stickern darf der erste von zwölf Umschlägen geöffnet werden. Wer je selbst einmal Panini-Bilder oder „Pokémon“-Karten gesammelt hat, der weiß um den Reiz dieses Systems. Die Umschläge enthalten neben reinen Status-Aufklebern, die auf die Belohnungszentrum abzielen, auch handfeste neue Regeln. Ohne zu viel verraten zu wollen: Diese Regeln beeinflussen das Spiel und die Fähigkeiten der Charaktere und Zombies jeweils nur punktuell. In ihrer Gesamtheit verändern sie den Ablauf aber später – nach etwa 20 Partien – massiv.

Zombie Kidz Evolution

Ist „Zombie Kidz Evolution“ also noch ein Kinderspiel? Mein Eindruck ist, dass die spielerische Reife der Siebenjährigen nicht in der Geschwindigkeit wächst, wie sich die Regeln verändern, oder besser gesagt: verkomplizieren. Schon mitspielende Erwachsene vergessen oder missinterpretieren manche Sonderfähigkeit, Kinder neigen selbstredend noch stärker dazu. Dass Siebenjährige eine Partie mit diesen Sonderfähigkeiten ohne Regelfehler absolvieren, habe ich noch nicht beobachtet. Doch ist das wirklich schlimm? Ich finde nicht! Es ist vielmehr großartig, sie voll konzentriert beim Schmieden von Plänen zu beobachten, die mal mehr, mal weniger Erfolg versprechend sind. Und wer sich doch überfordert fühlt, kann jederzeit mit weniger oder sogar ganz ohne Zusatzregeln spielen – das haben die Macher ganz stark gelöst!

Die anfängliche Faszination mag vom Thema herrühren. Doch das Spiel schafft es, diese Faszination über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Kein anderes Kinderspiel haben mein inzwischen siebenjähriger Sohn und ich so häufig gespielt wie „Zombie Kidz Evolution“. Zur Wahrheit gehört aber auch: Meine zehnjährige Tochter mag es überhaupt nicht.

Hauke Petersen

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