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Kritikenrundschau: Juicy Fruits – Fruchteis auf der Südseeinsel

Sonne, Strand, ein paar Früchte und ein leckeres Eis: „Juicy Fruits“ (von „Pictures“-Mitautor Christian Stöhr, erschienen bei Deep Print Games / Pegasus Spiele) klingt saftig nach Urlaub. Unsere Jurymitglieder haben sich in ihren jeweiligen Medien auf die fruchtreichen Südseeinseln begeben und sich die Sache – wahrscheinlich mit einem köstlichen Fruchtsmoothie in der Hand – mal angeschaut.

„Jeder Spieler hat vor sich eine eigene Südseeinsel“, erklärt Bernhard Löhlein das Spiel. „Da schiebe ich die Ernteplättchen hin und her. Je weiter, umso mehr Bananen oder Orangen bekomme ich dafür. Allerdings: Der Platz ist knapp bemessen. Den verschaffe ich mir, wenn ich Boote losschicke. So werden weitere Felder frei. Und mehr Felder bedeuten mehr Früchte. Diese Früchte kann ich auch auf dem Markt umtauschen. Zum Beispiel in ein Gewerbe. Das gibt viele Punkte, versperrt mir auf der Insel aber wertvollen Platz.“

Ein „raffiniertes Wettrennen“ findet Löhlein das Spiel. „Ich muss von Anfang an im Blick haben: Was ist auf dem Markt erhältlich, welche Früchte benötige ich zum Verschiffen“, sagt er. Gute Planung sei wichtig: „Wer nur so vor sich hin sammelt, wird am Ende leer ausgehen. Und das kann für manche frustrierend sein. Da tröstet höchstens noch das schöne Holzmaterial.“¹

Auch Manuel Fritsch und Christoph Schlewinski betätigen sich als Erntehelfer unter Palmen.
Fritsch findet das Spiel „reizvoll“: „Dass es mehrere Wege zum Sieg gibt, das ist eher untypisch für ein Familienspiel. Man kann sich überlegen: Möchte ich erst mein Feld größer machen, indem ich die Schiffe beliefere? Möchte ich lieber auf den Eiswagen gehen und dafür meine Früchte einsetzen? Gehe ich auf die Erntekörbe, die mir zwar mein Feld enger machen, aber dafür habe ich mehr Auswahl? Das gefällt mir total gut.“

Schlewinski kann sich dem anschließen und ergänzt noch: „Was mir auch gut gefällt, ist, dass das Spielende dadurch eingeleitet wird, dass die Sonderplättchen gekauft werden und die Eissorten leer gemacht werden. Je mehr Plättchen gekauft werden oder je mehr Eis unters Volk gejubelt wird, desto näher rückt das Spielende.“

Gerade aber das Eis – das mit dem Sonderplättchen „Eiswagen“ verkauft werden kann und viele Siegpunkte bringt – kritisieren die beiden. Fritsch hält das Plättchen für „unbalanciert“, die Eiswagen seien in „Juicy Fruits“ die „Siegmacher“: „Wenn du als einziger beispielsweise blaue Eiswägen bauen kannst, dann gehören dir die Punkte, das kann keiner mehr verhindern“, sagt Fritsch. „Das finde ich schade, denn ich würde es gerne öfter spielen, aber es kommt deswegen nicht mehr auf den Tisch.“ Schlewinski stimmt dem zu: „Das kannst du gar nicht mehr aufholen, wenn du keinen Eiswagen hast“, sagt er, findet aber ansonsten „sehr viele Sachen interessant“ an „Juicy Fruits“, nicht zuletzt das schöne Holzmaterial.²

Julia Zerlik stimmt in ihrer Videorezension versöhnlichere Töne an. Sie findet „Juicy Fruits“ ein „richtig gelungenes Familienspiel, weil es von der Mechanik sehr einfach ist. Gleichzeitig hat es eine sehr hohe Spieltiefe. Ich muss mir gut überlegen: Auf was will ich sparen?“ Lieber Schiffe bewegen, lieber Spezialplättchen kaufen, die auch jeweils ihre Vor- und Nachteile hätten? „Was mir sehr gut gefällt“, ergänzt Zerlik, „ist, wie dieses Spiel endet. Denn es ist ein Aufeinander lauern. Man kann das so ein bisschen timen.“ Das ginge bei vier Spielern natürlich etwas schlechter als bei zwei Spielern. Für sie ist dieses Timing das Spannende an dem Spiel: „Eine gute Balance zu finden und gleichzeitig das Spielende nicht aus dem Blick zu verlieren, das ist, was dem Spiel Tiefe gibt, obwohl der Mechanismus wirklich sehr simpel ist. Das macht ein tolles Familienspiel aus“, sagt sie. Positiv erwähnt sie auch die beiliegende Erweiterung „Saftfabrik“, die zwar das Spiel nicht großartig verändere, ihm aber dennoch ein wenig mehr Tiefe verleihe.

Gerade aber der Mechanismus, der das Spielende einläutet ist für Zerlik auch ein kleiner Kritikpunkt an dem Spiel: „Der Startspieler hat in meinen Augen einen Nachteil“, sagt sie. Welche Ressourcen noch ausgegeben werden können, wer noch wie viele Punkte machen kann: Für den Startspieler sei das schwieriger abzuschätzen als für den letzten Spieler. „Der letzte Spieler hat es oft in der Hand, wer gewinnt“, sagt Zerlik. Das sei aber nur ein kleiner Wermutstropfen, ansonsten findet sie „Juicy Fruits“ ein „richtig schönes Spiel.“³

¹ Radio IN, Spiel der Woche vom 4.21.2021
² Insert Moin: Le Brett vom 5.7. 2021 (kostenpflichtig)
³ Spiel doch mal…: Juicy Fruits