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Videos zum Tag der Brettspielkritik 2024

75 Spielekritiker:innen waren im März zum dritten Tag der Brettspielkritik gekommen, der in Mannheim stattfand. Einige der Diskussionen und Vorträge sind als Video festgehalten worden, so dass auch diejenigen Spielekritiker:innen, die nicht in Mannheim sein konnten, einen Einblick in die Themen und Diskussionen erhalten können.
Bericht zum Tag der Brettspielkritik: Vom eigenen Text über den Brettspielrand hinaus ➜
Podcastfolge zum Tag der Brettspielkritik ➜

Videos: Jasmin und Marko Bauer / Abgewürfelt

„Wir müssen Expert:innen der Brettspielkritik werden“: Begrüßung und Keynote

„Wer über Spiele kritisch spricht, muss sich dabei auch bewusst sein, dass er wie ein Journalist rezipiert wird – und ganz egal, ob man sich selbst als solcher versteht oder nicht“, leitete Spiel des Jahres-Geschäftsführer Guido Heinecke die Veranstaltung in seiner Einführungsrede ein.
Gleichzeitig plädierte Heinecke für mehr Diskurs unter Brettspielkritiker:innen: „Wer echten Spielejournalismus betreiben will, der soll wissen, was die Kollegen sagen und urteilen – und darf auch die intramediale Kontrollfunktion, die jedem Medienschaffenden zusteht, ein Stück weit ausüben.“
In seiner Keynote ergänzte Efka Bladukas, der den renommierten englischen YouTube-Kanal „No Pun Included“ betreibt: „Wir müssen Expert:innen der Brettspielkritik werden.“ Er plädierte dafür, das Brettspiel als Kulturgut zu sehen – und in der Brettspielkritik auch zu erkunden, wo und wie das Spiel kulturell einzuordnen sei.

Brettspiel in Bild und Ton

Video zur Podiumsdiskussion ➜

Sowohl YouTuber Christian Köhne als auch die Podcaster und Jurymitglieder Niko Wagner und Stephan Kessler plädierten für mehr Mut zum Experiment: „Das ist auch meine Bühne, auf der ich Dinge ausprobieren darf“, so Köhne. Wagner meinte, ein Podcast könne – statt einer trockenen Spieleerklärung mit Bewertung – „dem Publikum die Emotion und das Erlebnis näher bringen“.

Brettspielkritik heute

Video zur Podiumsdiskussion ➜

Maren Hoffmann sagte in der Podiumsdiskussion, die Zugänglichkeit dürfe trotz allem nicht leiden. Eine gute Spielrezension sei „wie ein Jump ’n’ Run-Spiel“, und so ermutigte sie: „Man muss den Leser immer auf die nächste Ebene mitnehmen.“ Hoffmann sieht jedenfalls ein „Goldenes Zeitalter der Brettspielkritik“ heraufziehen: „Die Kritiken werden uns aus den Händen gerissen“, sagte sie. Grund sei in Zeiten der multiplen Krisen das Bedürfnis der Menschen nach Eskapismus und Handlungsfähigkeit. Andreas Becker, Chefredakteur der Spielbox, ist da nicht so optimistisch: Die Verkaufszählen gingen zwar nach oben, aber man müsse abwarten, ob sich dieser Trend verfestigt.

Was macht das Spiel mit den Menschen?

Video zur Podiumsdiskussion➜

Diversität, Kolonialismus, Spiel und Realität sowie Spiel und Theater standen auf dem Programm. „Meine Mission: Spielen für alle“, sagte Wiebke Waburg, Professorin für Pädagogik an der Universität Koblenz, in ihrer Diskussionsrunde zum Thema Diversität in Spielen. Unterschiedliche Perspektiven müssten als bereichernd und nicht als defizitär angesehen werden. „Die Gesellschaft verändert sich, aber es ist noch viel zu tun“, ergänzte sie im Podiumsgespräch. Ähnlicher Ansicht war auch André Maack, Game Development Manager bei Ravensburger: „Da sind noch viele Hausaufgaben zu machen. Für alle Verlage“, sagte er.
Spiele spiegelten immer auch einen Zeitgeist, erklärte Valentin Köberlein, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz, und habe auch immer etwas mit der „gelebten Realität außerhalb des Spiels“ zu tun. Spielkritik könne deshalb auch Gesellschaftskritik sein.
Das Spiel habe auch Berührungspunkte mit dem Theater, erklärte Sarah Klöfer, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz: „Die Gemeinsamkeit von Spiel und Theater ist, dass sie flüchtig sind.“

Gesellschaft, Spiel und Realität

Video zum Gesprächsforum➜

Spiele spiegelten immer auch einen Zeitgeist, erklärte Valentin Köberlein, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz, und habe auch immer etwas mit der „gelebten Realität außerhalb des Spiels“ zu tun. Spielkritik könne deshalb auch Gesellschaftskritik sein.

Das „goldene Zeitalter der Brettspielkritik“: Abschlussdiskussion

„Brettspiele sind ein Kulturgut, so wie Bücher, Filme, Videogames, Musik- und Theaterstücke“, sagte der Spiel-des-Jahres-Vorsitzende Harald Schrapers am Anfang des Abschlusspodiums. „Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Das Brettspiel hat ein ganz besonders Alleinstellungsmerkmal: es ist in den meisten Fällen ein Gemeinschaftserlebnis, physisch erlebbar, denn alle sitzen am selben Tisch.“ Lino Wirag erklärte in seinem Impulsvortrag: „Wir haben uns noch nicht daran gewöhnt, dass Brettspiele gelesen werden können“, erklärte er. „Und mit Lesen meine ich: Interpretation.“
Ähnlich sah es in der Diskussion auch die Theaterkritikerin Katrin Ullmann: „Die Interpretation ist die wichtigste Zutat an einer Theaterkritik“, sagte sie.
Heiko Klinge, Gamestar-Chefredakteur und Computerspielkritiker, mahnt hier allerdings zur Vorsicht: „Unser Job ist es in erster Linie, den Leuten dabei zu helfen, ihre wertvolle Freizeit zu gestalten“, riet er. Allerdings: „Es ist nicht zuträglich, wenn man nur auf die Zahlen schaut.“
Einen optimistischen Schluss gab Maren Hoffmann den auf Einladung des Spiel des Jahres e.V. in den Delta Park Mannheim gekommenenen Teilnehmenden mit: „Ihr seid die Speerspitze des goldenen Zeitalters der Brettspielkritik!“

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