Die Jury für das Spiel und Kennerspiel des Jahres sowie die Kinderspieljury konnten aus einer Rekordzahl von 571 Neuerscheinungen 22 herausragende Spiele auswählen. Gesellschaftsspiele können ein Event sein: Bei Titeln wie „Hot Streak“, bei dem wir gemeinsam Maskottchen anfeuern, „Dito!“, wo wir die Wortassoziationen der anderen erahnen, der Teamherausforderung „Take Time“ oder dem Geschichtenerzählspiel „Wilmot’s Warehouse“ ist das der Fall. Letzteres bedient sich der Videospielästhetik seines digitalen Vorbilds. Auch in „Toy Battle“ (erinnert an „Clash Royale“), „Tag Team“, „Cozy Sticker Ville“, „Grundstein von Metropolis“ und selbst dem Kinderspiel „Die Insel der Mookies“ erkennt man solche Anleihen. „Boss Fighters QR“ und „Toriki“ gehen einen Schritt weiter: Das analoge Spielerlebnis ist hier mit einer App verknüpft, sodass immer ein Smartphone oder Tablet auf dem Tisch liegt.
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Mehr InformationenIst diese Digitalisierung ein Trend? Nein, denn auch in diesem Jahrgang besitzt der allergrößte Teil der Neuerscheinungen keine App. Außerdem gab es Spiele mit App auch schon in den Vorjahren: „Werwörter“ und „Detectives“ wurden sogar mit einer Nominierung ausgezeichnet. Für die Jurymitglieder ist entscheidend, dass die App das analoge Geschehen auf dem Tisch unterstützt und nicht dominiert. Solche Innovationen können außerdem neue Zielgruppen für das Brettspiel begeistern.
Die Kinderspiel-Highlights bestechen durch ihr besonderes Material. Bei „Kleiner Stinker“ finden wir eine Hundefigur in der Schachtel, bei „Paleolino“ rollen Rohstoffe einen Berg herunter und die anderen Titel beeindrucken durch Spiegeleffekte oder besonders gestaltete Spielkarten und -anleitungen.
Spielen ist eine kulturelle Errungenschaft – allein das macht gute Brett- und Kartenspiele zu einem Kulturgut. Wenn sie zudem Themen mit gesellschaftlicher Relevanz behandeln, entsteht ein zusätzlicher Wert. Bei „Cozy Sticker Ville“ geht es um moralische Fragestellungen und „Moon Colony Bloodbath“ problematisiert die Folgen blinder Fortschrittsglaubens. Unabhängig davon, ob man mit jeder einzelnen Antwort oder Konsequenz übereinstimmt, bleiben diese Spiele in Erinnerung, da sie zu Diskussionen und Überlegungen zu relevanten Themen anregen.
Spielerisch haben uns sehr viele der diesjährigen Neuerscheinungen begeistern können. Es gab jedoch auch Titel mit teils eklatanten Mängeln. Das ist zwar jedes Jahr der Fall, aber diesmal war es besonders ärgerlich. Noch nie waren so viele Spiele aus dem besten Zehntel des Jahrgangs von Mängeln betroffen wie:
- Lückenhafte, uneindeutige und widersprüchliche Spielregeln.
- Fehlende Regelübersichten als Hilfe für die Spielenden, obwohl sie nötig gewesen wären.
- Eklatant falsche Altersangaben auf den Schachteln.
- Zwar liegen die für den Ablauf unabdingbaren Elemente auf Deutsch vor, ergänzende Elemente jedoch nur auf Englisch.
- Spielmaterial, das bei schlechtem Licht oder nach kaum mehr als zehn Partien nicht mehr wie gewünscht funktioniert.
Trotz dieser Unzulänglichkeiten haben es einzelne Titel auf die Jurylisten geschafft, da die Mängel im Verhältnis zum überragenden Spielreiz nicht so sehr ins Gewicht fallen. Es gab aber wohl mehr als ein Werk, das wegen eines solchen Mangels die Mehrheit in der Juryabstimmung verfehlt hat.
Genau lässt sich das nicht quantifizieren, da jedes Jurymitglied seine individuellen Erfahrungen in die Waagschale wirft. Die Jury betreibt schließlich keine Tests, bei denen man mit dem Klemmbrett Kriterien abhaken und anschließend einen scheinbar objektiven Punktewert als Ergebnis erhalten würde. Im Mittelpunkt steht immer die Frage nach dem Spielreiz und danach, was das Spiel mit den Menschen macht. Und dahingehend sind sich alle Jurymitglieder einig: Alle nominierten und empfohlenen Spiele garantieren, dass man mit ihnen in vielen Partien Freude hat.
