
In vielen Spielen bauen wir bis zum Ende der Partie blühende Zivilisationen auf. In „Moon Colony Bloodbath” tun wir das nur am Anfang: Wir errichten Minen und Schutzräume, bauen Obst an und eröffnen Hotels – aber dann geht unweigerlich alles schief, was nur schiefgehen kann. Unsere eigenen Roboter wenden sich gegen uns, und immer weiter wird die Bevölkerung unserer Kolonien dezimiert. Das Blutbad im Titel bleibt im Spiel abstrakt: Am Ende gewinnt, wer überhaupt noch Leute hat. Der Reiz besteht in der Planung: Ein zentraler Kartenstapel wird immer wieder durchgespielt, alle Effekte betreffen dabei alle Spielenden gleichzeitig. Wer sich auf Unfälle, Hunger und ausufernde Bürokratie mit Kartenauslage und Ressourcenmanagement gut vorbereitet, hat die Nase am Ende das entscheidende Bisschen vorn.
Begründung der Jury:
Ein redaktionell ausgezeichnet gearbeitetes Spiel, bei dem es keine Wartezeit gibt, weil alle gleichzeitig am Zug sind. Es birgt eine überraschende gesellschaftskritische Tiefe: Wir steuern sehenden Auges in den Abgrund und setzen ruchlos auf eigene Vorteile. Trotzdem stirbt die Hoffnung zuletzt.

