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Draftosaurus – auf der Empfehlungsliste 2020

Urzeitriesen, handlich verpackt: In „Draftosaurus“ (Antoine Bauza, Corentin Lebrat, Ludovic Maublanc und Théo Rivière bei Ankama/Board Game Box) werden alle Spielenden zur Leitung ihres eigenen, supermodernen Freizeitparks. Einer von der Art, wie wir sie aus Filmen wie „Jurassic Park“ kennen. Jurymitglied Bernhard Löhlein erzählt stimmungsvoll von diesem Spiel, das auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020 steht.

Auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020: Draftosaurus

Urzeitriesen, handlich verpackt: In „Draftosaurus“ (Antoine Bauza, Corentin Lebrat, Ludovic Maublanc und Théo Rivière bei Ankama/Board Game Box) werden alle Spielenden zur Leitung ihres eigenen, supermodernen Freizeitparks. Einer von der Art, wie wir sie aus Filmen wie „Jurassic Park“ kennen. Jurymitglied Bernhard Löhlein erzählt stimmungsvoll von diesem Spiel, das auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020 steht.

Mehr Informationen zu dem Spiel gibt es hier.

Sandra Lemberger scheidet aus, zwei neue Jurorinnen kommen

Martina Fuchs (42) aus Köln ist neues Mitglied des Vereins Spiel des Jahres. Sie arbeitet als pädagogische Fachkraft an einer Grundschule und hat mehrere Spieletreffs ins Leben gerufen. In ihrem Podcast „Fux und Bär“ spricht sie über Spiele. Sie verstärkt ab 1. August die Jury für das Spiel und das Kennerspiel des Jahres.

Die Beiratstätigkeit für das Kinderspiel des Jahres wurde erneut öffentlich ausgeschrieben. Aus über 50 Bewerbungen wählte der Spiel des Jahres e.V. Indra Dikhoff aus dem niedersächsischen Hänigsen aus. Die 41-Jährige ist seit 16 Jahren Erzieherin in einem Hort an einer Grundschule. Sie wird ab August die Arbeit der Spielekritikerinnen und -kritiker in der Kinderspiel-Jury unterstützen.

Es ist nicht ihre Sache, als Person im Mittelpunkt zu stehen, doch heute muss es sein: Sandra Lemberger scheidet zum 31. Juli 2020 nach insgesamt fast 13 Jahren aus dem Verein aus. Im Oktober 2007 stieg Sandra Lemberger als Beirätin in die Jury Kinderspiel des Jahres ein, 2010 wurde sie Vereinsmitglied und Jurorin für das Spiel des Jahres und das Kennerspiel des Jahres. Gemeinsam und schweren Herzens verabschiedet der Verein sie nun.

In ihren Kritiken, die sie hauptsächlich im Online-Spielemagazin Hall9000 veröffentlicht, wird eines schnell deutlich: Sandra Lemberger liebt Spiele. Ihre Leidenschaft fürs analoge Spiel hat sie zur Rezensentin werden lassen, nicht etwa um sich zur Richterin aufzuschwingen und sich über die Spiele zu erheben. Sie möchte mithelfen, das wunderbare Hobby Spiel zu verbreiten und möglichst viele Menschen die für sie passenden Spiele finden zu lassen. Ihr Engagement beschränkt sich nicht auf das Schreiben. Sandra Lemberger half auch mit auf Spielefesten und -veranstaltungen, trat als Referentin auf, sie spielte ehrenamtlich mit Gefängnisinsassen.

Getreu ihrer Philosophie hat sich Lemberger nie auf ein enges Genre festgelegt. Am meisten Spaß macht letztlich das, was den Mitspielern am meisten Spaß macht. Das kann in der einen Gruppe ein Expertenspiel sein, in der anderen ein Kinderspiel. Sandra Lemberger beherrscht die Kunst, zielgruppenorientiert zu denken und zu bewerten. Mit dieser Eigenschaft wird sie nicht nur den Spielen besonders gerecht, sondern brachte stets bereichernde Erfahrungen und Argumente in die Jury-Diskussionen ein.

Der Verein wird Sandra Lembergers Humor und ihren Frohsinn, ihren stets wertschätzenden Umgang und ihren ausgleichenden Charakter sehr vermissen. Es hat einfach Spaß gemacht, gemeinsam mit ihr in der Jury zu sein. In vielen Diskussionen war sie inmitten vieler Stimmen der Vernunft die – wenn man es recht bedenkt – noch vernünftigere Stimme des Herzens. Spiel des Jahres hat Sandra Lemberger viel zu verdanken.

Auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres 2020: Zoo Run

Das ideale Spiel für angehende Tierschutzaktivisten: In „Zoo Run“ (von Florian Sirieix, erschienen bei Loki) arbeiten die Kinder zusammen, um eine Horde Zootiere aus einem Gehege zu befreien. Dafür müssen sie drei Karten so nebeneinanderlegen, dass möglichst viele Tiere komplettiert werden. Alle spielen im Team gegen den Zoowärter, der zu Beginn noch direkt vor seinem Haus steht. Bevor dieser das Gehege erreicht, müssen je nach Spieleranzahl zwischen drei und acht Plättchen jeder Tierart befreit werden. Dazu erhält jeder Spieler drei Karten. An deren Rand sind die Tiere abgebildet, allerdings jeweils nur entweder Vorder- oder Hinterteil. Durch geschicktes Kombinieren der Karten müssen die Kinder versuchen, so viele Tiere zusammenzusetzen wie möglich. Für jedes vollständige Tier darf ein Plättchen vom Spielplan genommen, also ein Tier befreit werden. Eine Variante für Kinder ab sechs Jahren nutzt die Rückseite für ein tierisches Rennen. Hier spielt jeder für sich und mit vier Karten.

Achtung, der Zoowärter nähert sich

Elekröte und Panma

Eigentlich müsste man meinen, dass die beste Lösung bei nur drei Karten auf der Hand liegt. Doch die Aufgabe ist für Vierjährige durchaus kniffelig, aber dennoch machbar. Zur Not helfen eben die Mitspieler, denn man hat ja ein gemeinsames Ziel. Das Schöne: Mindestens ein vollständiges Tier kann man auch mit schlecht zusammen passenden Karten immer erpuzzeln. Und wenn es nicht mehr werden, machen die halbierten Tiere den kreativen Kindern viel Spaß. Dann wird halt kurzerhand die Elekröte erfunden, oder das Panma.

Guck mal, Mama: ein LuPan!

„Zoo Run“ ist eigentlich hochgradig mathematisch, kaschiert diesen Umstand aber mit einem herrlichen Setting. Das Puzzeln mit nur drei Karten ist zudem ein frischer Ansatz, der bei nahezu allen Kindern nachhaltig zündet. Sie fiebern mit den Tieren und freuen sich, wenn sie es am Ende geschafft haben. Denn ein perfekter Sieg ist wirklich schwer zu erreichen. Doch die gestaffelte Schlusswertung lobt schon bei noch drei verbleibenden Tieren.

Die Rennvariante ist noch einmal deutlich anpruchsvoller (deshalb auch zu Recht erst ab sechs Jahren empfohlen), krankt aber vor allem bei voller Besetzung an dem sehr kleinen Spielplan.

Hauke Petersen

Mehr zu „Zoo Run“ gibt es hier.

Auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres 2020: Puzzle Memo

„Puzzle Memo“ (von Günter Burkhardt, Drei Hasen in der Abendsonne) – der Spielname verrät uns schon, worum es in diesem Brettspiel für Kinder ab 5 geht. Es wird sowohl gepuzzelt, denn es soll ein farbenfroher und tierreicher Regenwald fertiggestellt werden. Und wenn ein Puzzleteil nicht passt, wird es verdeckt weggelegt und nach Möglichkeit gut gemerkt. Beim normalen Puzzeln passen immer viele Teile, bei „Puzzle Memo“ muss aber von unten beginnend nach oben gebaut werden.

Der Spielplan zeigt den Regenwald in Blautönen. Unterhalb des Spielplans werden die Puzzleplättchen verdeckt gemischt hingelegt. Jeder Mitspieler muss noch ein Spielhütchen vor das Startfeld der Laufbahn setzen, dann kann losgespielt werden. Wer dran ist, zieht ein verdecktes Plättchen und zeigt es allen. Passt es, dann wird es an der richtigen Stelle auf den Plan abgelegt und es darf ein weiteres Kärtchen genommen werden. Sobald man durch das Legen ein Tier vervollständigt hat, endet der Spielzug und man darf sofort je nach Größe des fertigen Tieres 1 bis 4 Schritte auf den Randfeldern laufen; eventuell hüpft man dabei auf Mitspieler beziehungsweise trägt diese mit sich herum.
Passt das Plättchen noch nicht, wird es oberhalb des Spielplans verdeckt abgelegt. Sobald auch oberhalb Plättchen liegen, darf man sich aussuchen, von wo man ein neues Plättchen aufdeckt.

Zusätzlich zu den Regenwaldplättchen befinden sich auch 5 Sonderplättchen im Spiel: Stopp – das Spinnennetz lähmt mich beendet den Zug. Die Glücksblume bringt Glück, denn ich darf noch einmal aufdecken. Beim Affen gibt es zwei Möglichkeiten: Hoppla – der Affe stolpert und ich muss mein Hütchen einen Schritt zurücksetzen. Hopp – der Affe an der Liane lässt mich, falls ich alleiniger Letzter bin, auf den Vordermann aufspringen. Diese Sonderplättchen dürfen im Gegensatz zu den Tierplättchen nach dem Aufdecken an eine andere Stelle verdeckt zurückgelegt werden.
Sobald alle Tiere auf den Plan gepuzzelt wurden, endet „Puzzle Memo“ und der oder die weitesten Hütchenbesitzer gewinnen.

Von Glücksspiel zum Merkspiel

„Puzzle Memo“ ist ein Kinderspiel der ruhigen Art. Alle Tiere, die entdeckt und gepuzzelt werden sollen, sind noch einmal schön in der Spielregel abgebildet und mit einer kurzen Zusatzinformation versehen – so erfährt man beispielsweise, dass der Riesentucan zu den Spechten gehört. Bei jüngeren Mitspielern sollte man in der Anfangspartie diese Seite aufschlagen, damit das Entdecken leichter fällt; bei weiteren Partien ist dies kaum nötig, da die meisten Kinder sich schnell die interessanten Bewohner einprägen können. In meinen Spielrunden waren die Kids fasziniert von dem Spiel. Ein teilweise langsamerer Start, der durch viele unpassend aufgedeckte Plättchen entstehen kann, wurde oft durch den vielen Kindern eigenen tollen Merksinn ausgeglichen.

Während ich selbst oft die Orientierung bei Memospielen verliere, können die jungen Mitspieler erstaunlich oft zielgerichtet nach später passenden Tieren greifen.Das ist natürlich äußerst hilfreich bei diesem Spiel. So wird aus einem anfänglichen Glücksspiel ein spannendes Merkspiel. Die Idee, dass sich die Spielhütchen stapeln und dann mittragen lassen, sorgt für Spannung. Durch das Hopp-Sonderplättchen kann auch jemand mit einem großen Rückstand schnell aufholen. Spielt man allerdings nur zu zweit, sollte man, wie in der Variante empfohlen, die Sonderplättchen lieber weglassen; ansonsten wird es für den besseren Merker deprimierend, wenn der andere immer wieder aufspringen kann. Durch geschickt gesetzte Stolperzweige zwischen den Lauffeldern wird man nämlich seinen „Tragegast“ auch wieder los und kann alleine voranschreiten.
Ohnehin nennt die Spielregel kleinere Varianten, damit man das Spiel kürzer oder einfacher machen kann. Für kreative Ideen liegen sogar noch drei Blankoplättchen dabei, die man selber gestalten kann.
Von daher bietet „Puzzle Memo“ viel Spielspaß – und zwar nicht nur den Merkmeistern unter den Spielern. Sondern auch den Glückspilzen.

Stefanie Marckwardt

Mehr Informationen zum Spiel gibt es hier.

„Die große Bandbreite an Spielen beeindruckt einmal mehr“

Auch wenn, wie der Vorsitzende des Vereins Spiel des Jahres, Harald Schrapers, in seiner Rede betonte, 2020 alles anders sei: „Wir haben uns entschieden, diese Preisverleihung nicht ausfallen zu lassen. Weil wir es dem Kulturgut Spiel schuldig sind.“ Dennoch fand die Preisverleihung in diesem Jahr in einem kleineren Rahmen als gewohnt statt. Dafür aber waren zahlreiche Autoren und Autorinnen der nominierten Spiele per Videokonferenz aus Brasilien, Italien, den Niederlanden und Deutschland zugeschaltet. „Die große Bandbreite an Spielen beeindruckt einmal mehr“, sagte Schrapers. Eine besondere Würdigung erfuhr mit einem Videoeinspieler von Jurymitglied Julia Zerlik der Spieleautor Klaus Teuber, dessen Spieleklassiker „Die Siedler von Catan“ in diesem Jahr 25. Jubiläum feiert.

➜ Bildergalerie von der Veranstaltung
➜ Aufzeichnung der Preisverleihung

Zahlreiche Autoren wurden online dazugeschaltet

Mit dem roten Pöppel aufgewachsen

2020 wurde das Kennerspiel des Jahres zum 10. Mal verliehen, der Preis Spiel des Jahres sogar zum 42. Mal. Durch die Veranstaltung führte Jurymitglied Manuel Fritsch, der den Sprecher Bernhard Löhlein vertrat. Der Kritikerpreis Spiel des Jahres sei genau so alt wie er: „Ich bin mit dem roten Pöppel aufgewachsen“, sagte er.

Harald Schrapers (links) und Manuel Fritsch (rechts) enthüllen „Die Crew“

Kommunikatives Stichspiel im Weltraum: „Die Crew“

Als Kennerspiel des Jahres 2020 wurde bei der Veranstaltung, die im nhow Conference Center an der Spree stattfand, „Die Crew“ (erschienen im Kosmos-Verlag) des Spieleautors Thomas Sing ausgezeichnet. Der zentrale Spielmechanismus ist der eines Stichspiels – allerdings als kooperatives Spiel gedacht, in dem nur eingeschränkt kommuniziert werden darf. „Für mich ist die Kommunikation das Herz des Spieles“, so Sing. Das Weltraumthema von „Die Crew“ hat eine reale Inspiration: „Das Spiel entstand, als der ISS-Kommandant Alexander Gerst in aller Munde war“, erzählt der Autor. In der Jurybegründung heißt es: „Kaum ein Spiel zuvor war in der Lage, den besonderen Charme von Stichspielen so auf den Punkt zu bringen.“

Thomas Sing und das Spiel „Die Crew“

Kreativ mit ungewöhnlichen Materialien: „Pictures“

Als Spiel des Jahres wurde „Pictures“ (erschienen im PD-Verlag) des Autorenpaares Daniela und Christian Stöhr ausgezeichnet. In dem kreativen Bastelspiel geht es darum, aus ungewöhnlichen Materialien wie Schnürsenkeln, Bauklötzen, Stöcken und Steinen Fotos nachzubauen. „Uns war klar“, sagt Daniela Stöhr, „dass die fünf Materialien perfekt zusammenpassen.“ In der Jurybegründung heißt es: „Jedes Set fordert die Spieler auf andere Art heraus, und so ist der Anreiz zum Experimentieren enorm.“

Peter Dörsam und Claudia Barmbold vom PD-Verlag, im Hintergrund zugeschaltet Christian und Daniela Stöhr

Analoge Spielerfahrung

Die ausgezeichneten und nominierten Spiele hat die Jury aus gut 330 Spielen ausgewählt und diese zum Teil auch virtuell gespielt. Dennoch betont Harald Schrapers: „Die physische Anwesenheit eines Spiels, eines analogen Spiels, lässt sich nicht virtuell eins zu eins ersetzen. Die Menschen wollen wirkliche Brettspiele mit wirklichen Menschen spielen. Zirka 25 Prozent Umsatzplus während des Shutdowns waren die logische Folge.“

Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres 2020 stehen fest

„Pictures“ von Daniela und Christian Stöhr aus dem PD-Verlag ist das Spiel des Jahres 2020.

Bauklötze, Schnürsenkel, Symbol-Karten und mehr. Die insgesamt fünf in „Pictures“ enthaltenen Material-Sets könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem dienen sie alle demselben Zweck: Mit ihnen sollen die Spieler Foto-Motive so darstellen, dass ihre Mitspieler diese in der großen Gesamtauslage wiederfinden können. Je nach Aufgabe und Material ist das gar nicht mal so einfach, sondern erfordert kreative Ideen und Abstraktionsvermögen. Außerdem muss der Überblick über die anderen Motive der Auslage gewahrt werden, damit man nicht versehentlich doppeldeutig werkelt. Wenn alle Spieler mit ihren Kreationen zufrieden sind, folgt das gegenseitige Erraten mit Punktevergabe. Anschließend wird durchgetauscht, sodass jeder Spieler jedes Material-Set einmal ausprobieren kann.

Begründung der Jury

Die Material-Sets in „Pictures“ wirken anfangs fast willkürlich zusammengewürfelt, sind in Wahrheit aber klug gewählt: Jedes Set fordert die Spieler auf andere Art heraus, und so ist der Anreiz zum Experimentieren enorm. Die Ergebnisse sind oft erstaunlich, weshalb die Raterunden schnell dem Besuch von Kunstausstellungen gleichen: Mit tollen Aha-Momenten und amüsierenden Rechtfertigungsversuchen des missverstandenen Künstler-Genies. Große Kreativität mit einfachsten Mitteln.

Daniela und Christian Stöhr mit ihrem Spiel „Pictures“

Nominiert waren außerdem „My City“ von Reiner Knizia (Kosmos) und „Nova Luna“ von Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel (Verlage: Edition Spielwiese und Pegasus Spiele).

Kennerspiel des Jahres: „Die Crew“

Die Auszeichnung zum Kennerspiel des Jahres erhielt „Die Crew“ von Thomas Sing aus dem Kosmos-Verlag.

Als Teil einer Raumschiff-Crew reisen die Spieler zum neunten Planeten am Rand des Sonnensystems. Dabei begegnen ihnen allerlei typische Probleme der Raumfahrt: Defekte Triebwerke oder Sauerstoffmangel dienen als thematische Aufhänger für ein kooperatives Stichspiel, das die Spieler in 50 immer kniffligeren Missionen herausfordert. Zu Beginn werden dazu Aufgaben verteilt: Welches Crew-Mitglied muss welche Karte in einem Stich gewinnen? Und muss dies in einer bestimmten Reihenfolge geschehen? Beim Absolvieren der Mission sind die Kommunikationsmittel der Spieler stark eingeschränkt: Informationen über die eigene Kartenhand dürfen allenfalls bruchstückhaft mitgeteilt werden. Nur mit Teamwork, Weitblick und Ideenreichtum können die Crew-Mitglieder deshalb das ferne Ziel erreichen.

Begründung der Jury

„Die Crew“ ist ein kooperatives Stichspiel und alleine damit schon etwas Besonderes. Doch der Reiz erschöpft sich nicht in diesem Alleinstellungsmerkmal. Kaum ein Spiel zuvor war in der Lage, den besonderen Charme von Stichspielen so auf den Punkt zu bringen. Ganz beiläufig werden die Sinne für die Feinheiten dieses Genres geschärft und die Spieler gleichzeitig auf originelle Weise herausgefordert. „Die Crew“ ist Missionar und Mentor zugleich. Eine wahrhaft großartige Reise!

Thomas Sing und das Spiel „Die Crew“

Nominiert waren außerdem „Der Kartograph“ von Jordy Adan (Pegasus Spiele) und „The King’s Dilemma“ von Hjalmar Hach, Lorenzo Silva und Carlo Burelli (Verlage: Horrible Guild und Heidelbär Games).

Durch die Veranstaltung führten der Vereinsvorsitzende Harald Schrapers und Jurymitglied Manuel Fritsch.

 

Folge 3: Kinder und Kenner

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Uwe Rosenberg ist sicherlich ein Ausnahmespieleautor – auch in diesem Jahr ist wieder eines seiner Spiele zum Spiel des Jahres nominiert – „Nova Luna“. So befasst sich unser Podcast in gleich zwei Folgen mit dem Schaffensprozess und den Ideen, die hinter den Spielen Rosenbergs stecken. In der ersten Folge des Gespräches mit Rosenberg ging es ums Spiele erfinden – in dieser zweiten Folge geht es um das Spielen selbst:

Wer ist man, wenn man spielt? Welche Spiele passen zu welcher Stimmung? Und: Wieviel Komplexität kann man Kindern und Erwachsenen überhaupt zumuten? Darüber sprechen wir nicht nur mit dem Spieleautor – denn der hat sich für das Gespräch auch noch Besuch eingeladen.

Uwe Rosenberg beim Vorabend der Preisverleihung 2015

Selbstverständlich kommen in dieser Folge auch wieder Mitglieder der Jury Spiel des Jahres zu Wort. Mit dabei: Manuel Fritsch, Bernhard Löhlein und Christoph Schlewinksi.

SHOWNOTES
Mehr zu „Nova Luna“ (Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel, Nominierung Spiel des Jahres 2020)
Mehr zu „Agricola“ (Uwe Rosenberg, Sonderpreis Komplexes Spiel 2008)
Mehr zu „Ora et Labora“ (Uwe Rosenberg, Auf der Empfehlungsliste 2012)
Martin Klein über „Caverna“ (Uwe Rosenberg, 2017)

Auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres 2020: Slide Quest

„Kooperativ“ ist ein Schlagwort, das schon seit einiger Zeit in der Brettspielwelt seinen festen Platz gefunden hat. Meistens handelt es sich bei den entsprechenden Vertretern um Spiele, bei denen gemeinsame Abenteuer bestanden oder Rätsel gelöst werden müssen. Selten geht es dabei um Geschicklichkeit. Und noch seltener um Geschwindigkeit UND Geschicklichkeit. Genau auf diesen beiden Elementen basiert die Spielidee von „Slide Quest“. Das Ziel des Spiels, einen Ritter an sein Ziel zu bringen. Und wie das Wort „Quest“ schon besagt, wird dieser Ritter auf eine abenteuerliche Suche geschickt, auf der er mehr als nur eine Aufgabe zu erfüllen hat.

Spielerisch ist das so umgesetzt, dass ein Spielplan auf vier im Schachtelboden liegenden Hebeln liegt. Auf die Spielfläche stellt man alle eingezeichneten 3D-Elemente, die Fallen (Wachen, Schurke, Dynamit) oder Hindernisse (Felsen und Torbögen) sein können, und natürlich wird der Ritter auf sein Startfeld gestellt. Auf Kommando spielen alle los, indem sie den Ritter über den Plan bugsieren. Dazu müssen sie immer den Hebel auf jener Seite des Spielplans anheben, die gegenüber der gewünschten Richtung liegt. Da der Ritter auf kleinen Rollen steht, funktioniert das recht gut – manchmal schon fast zu gut, denn er nimmt ganz schön Fahrt auf, wenn man die Hebel zu schnell anhebt. Fingerspitzengefühl ist also gefragt. Und die Aufmerksamkeit aller Beteiligten, denn wenn einer den Ritter doch plötzlich zu schnell losschickt, kann der gegenübersitzende Spieler gegensteuern, indem es seine Spielplanseite auch schnell anhebt. In jedem Fall ist es sinnvoll, der Empfehlung der Spielregel zu folgen, die empfiehlt, vor der ersten Partie ein wenig mit den Hebeln und dem rollenden Ritter zu üben.

Kniffliges Dynamit

Damit der Ritter sein Königreich, das von Bösewichten erobert wurde und im Chaos zu versinken droht, retten kann, muss er insgesamt 20 Questen auf ebenso vielen unterschiedlichen Spielplänen erfüllen. Dass diese von Mal zu Mal schwieriger werden, versteht sich von selbst. Während die Aufgabe des ersten Plans nur darin besteht, den Ritter entlang eines Weges vom Start zum Ziel zu bringen, kommen nach und nach immer mehr Gefahren und Hindernisse dazu, in denen erst Wachen und Schurken in Löchern versenkt werden müssen, ehe sich der Ritter dem Ziel nähern darf. In manchen von ihnen ist sogar die Reihenfolge vorgegeben, in der dies erledigt werden muss. Ganz knifflig sind die schmalen Dynamitstangen, die aufrecht stehend an bestimmte Orte geschoben werden müssen.

Für jüngere Kinder sind diese Aufgaben anspruchsvoll genug – es ist nicht notwendig, auch noch unter Zeitdruck zu arbeiten. Wer es jedoch schwieriger möchte, kann einerseits die Sanduhr stellen. Dazu ist in der Regel genau aufgelistet, wie viel Zeit man für die einzelnen Level maximal benötigen darf. Der Verlag bietet sogar eine passende (kostenlose) App dafür an – zwar nicht auf Deutsch, aber man versteht sie trotzdem. Andererseits lässt sich der Schwierigkeitsgrad noch durch die Anzahl der Leben regeln, die dem Ritter zur Verfügung stehen. Leben verliert der Ritter, wenn er selbst oder eine Dynamitstange umfällt oder in ein Loch stürzt – oder wenn er Wachen oder Schurken ins falsche Loch schubst.

Es kommt auf Geschicklichkeit an

„Slide Quest“ ist ein gut durchdachtes kooperatives Geschicklichkeitsspiel, das Jung und Alt gleichermaßen in seinen Bann ziehen kann und dem hinsichtlich Spielregel und Material nichts vorzuwerfen ist. Was aber nicht heißen soll, dass es jedermann zu begeistern weiß. Es kommt hier sehr auf Geschicklichkeit an – und damit kann der eine Spieler ja mehr gesegnet als der andere. Gehören die „guten“ Spieler eher der ungeduldigen Sorte an, kann schon mal das eine oder andere scharfe Wort fallen beziehungsweise ein Vorwurf kommen, wenn Leben oder gar eine Partie verloren werden. So manch einer verliert dann die Lust. Findet sich aber eine harmonische Gruppe, kann sie großen Spaß an der Erfüllung der Questen haben. So habe ich auch durchaus schon die eine oder andere Gruppe erlebt, die alle Questen auf einmal durchgespielt hat. Was aber nicht zwingend notwendig ist, denn es spricht nichts dagegen, die Abenteuer des namenlosen Ritters etappenweise zu bestehen.

Sandra Lemberger

Mehr Informationen zu Slide Quest gibt es hier.