Fast überwältigt wirkt der indonesische Spieleautor Martin Ang, als er sich bedankt. Sein Spiel „Dito!“ ist zum Spiel des Jahres 2026 gewählt worden, und ein wenig macht ihn das sprachlos. Aber Fragen, so sagt er, seien auch der Kern des Spiels.

„Spiele bringen uns zusammen, und was wir immer wieder merken: Sie bringen uns auch über die Grenzen des deutschsprachigen Raumes zusammen“, sagt Harald Schrapers, der Vorsitzende des Vereins Spiel des Jahres. „Wir sind stolz darauf, dass erstmalig ein Spiel des Jahres aus dem globalen Süden den Blick auf die Spielewelt erweitert“, kommentiert er den Sieg des indonesischen Spieleautors Martin Ang. Mehr als 570 Spiele habe die Jury Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres gesichtet. Innerhalb von drei Jahren sei die Zahl der deutschsprachigen Neuerscheinungen um 50 Prozent gestiegen. „Wir wollen mit Spielen ein Zeichen setzen gegen Hass und Hetze“, weist er auf die „Spielend für Toleranz“-Initiative hin, die der Verein mit inzwischen 370 Spielepaketen unterstützt.

Den Umschlag mit dem Spiel des Jahres öffnet die ehemalige Fußballerin Kerstin Garefrekes, die zweimal Welt- und zweimal Europameisterin mit dem deutschen Nationalteam wurde. Sie ist Co-Trainerin der U23-Frauenteams des DFB und nimmt gerne Spiele zu den Lehrgängen mit. „Wenn man den Spielerinnen sagt, da ist ein Spieleabend, kommen sie mit strahlenden Gesichtern in den Konferenzraum und wissen gar nicht, dass das eine Teambuilding-Maßnahme ist“, sagt Garefrekes.

Den Preis für das Kennerspiel des Jahres verkündet Carol Rapp, die Geschäftsführerin der SPIEL Essen, der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele. „Das ist so ein schönes Gefühl zu sehen, wie Donnerstagsmorgen die Türe aufgehen und einfach Magie passiert“, sagt sie über die Messe. Den Preis für das Kennerspiel des Jahres 2026 gewinnt das Spiel „Rebirth“ von Reiner Knizia, der damit als erster Spieleautor sowohl einen Preis für das Spiel des Jahres („Keltis“, 2008), das Kinderspiel des Jahres („Wer war’s?“, 2008) als auch das Kennerspiel des Jahres gewinnen kann. „Ich bin nicht der große Storyteller“, so Knizia. „Ich versuche ein Spiel auf das Wenigste zu reduzieren. Wenn man nichts mehr wegnehmen kann, dann passt’s.“

Das Kinderspiel des Jahres wird von Joshua Mohn und Johannes Gorn verkündet. Die beiden Schüler sind in der Klasse der Kinderspieljury-Beirätin Kristina Hartleb, Lehrerin an einer Grundschule Halle/Saale. Gewonnen hat den Preis das Spiel „Die Insel der Mookies“ des Franzosen Florian Sirieix. „Ich habe das Spiel für mein Kind gemacht, um ein Fünf-Minuten-Spiel zu machen. Er hat danach gefragt, und ich hatte keins“, sagt Sirieix. Er habe nie gedacht, dass das Spiel es soweit schaffen könne.

Gedacht wird in einem Video dem verstorbenen Spieleautor und Künstler Reinhold Wittig. Fünfmal waren seien Spiele auf der Spiel-des-Jahres-Auswahlliste, fünfmal gewannen sie den Sonderpreis Schönes Spiel. Man könne gar nicht anders, als weitermachen und spielen, so Moderatorin Maren Hoffmann im Anschluss an das Video. „In unseren kleinen Welten lässt uns das Spielen große Welten erahnen“, betont sie im Rahmen der Preisverleihung.
