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Kritikenrundschau: Punktesalat – gespielt wird, was auf den Tisch kommt

Salat ist ja grundsätzlich gesund. Auch, wenn bei der Zubereitung manchmal in die Schüssel kommt, was sich noch so im Kühlschrank finden lässt. So oder so ähnlich ist das Spielprinzip bei „Punktesalat“ (Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich bei AEG und Pegasus Spiele). Unsere Jurymitglieder haben sich in ihren jeweiligen Medien und Küchen umgeschaut – und herausgefunden, ob bei „Punktesalat“ alles Käse ist oder doch eher frisch und knackig.

„Das Prinzip ist einfach“, erklärt Karsten Grosser das Spiel. „Entweder nehme ich in meinem Zug aus dem Markt zwei der sechs Gemüsekarten oder eine der drei Wertungskarten und lege sie in meine Auslage. Ziel ist es natürlich, miteinander harmonierende Karten zu sammeln. Habe ich die Wertungskarte, die zum Beispiel Kombinationen von Tomaten und Möhren belohnt, bunkere ich Tomaten und Möhren. Am Ende ergibt sich aus all meinen persönlich gesammelten Wertungskarten die Gesamtpunktzahl meiner Gemüsekarten.“

Bei Punktesalat ergäbe sich eher so etwas wie ein „Chaossalat“ schreibt Grosser. „Immer wieder agieren wir situativ und versuchen, das beste aus der Lage zu machen. Wir freuen uns, wenn neu erscheinende Wertungskarten perfekt zur eigenen Auslage passt. Wir ärgern uns, wenn das Angebot nur alle anderen schmeckt. Die Veränderungen in der Auslage sind wie Überraschungspakete am laufenden Band. Die Taktik bei Punktesalat besteht deshalb aus Zufall, Glück und Zocken.“ Ein wenig Planung sei zwar möglich – dennoch gefällt Grosser das Spiel nicht ganz so gut: „Das hilft dann aber nicht mehr, wenn man als Letzter den meist eher ungenießbaren Rest des Marktes in den eigenen Salat geben muss“, schreibt er. „Ein unnötiger Beigeschmack eines ansonsten bekömmlichen Punktesalats.“ Zwei von fünf Punkten vergibt Grosser für das Spiel.¹

Stefan Gohlisch zeigt sich deutlich begeisterter vom „Punktesalat“: In den USA sei das Spiel vom Geheimtipp zum Beststeller avanciert, schreibt er, und die deutsche Version zeige, woran das liegt: „Schnell, schlüssig, spaßig: ‚Punktesalat‘ ist eines jener Spiele, die bei einem Minimum an Regeln ein Maximum an Spaß bereiten.“ Man müsse schnell denken und schnell reagieren. Bei Gohlisch erreicht das Spiel eine Wertung von fünf von fünf Sternen.²

Vorderseite: Punkte für jedes Salat-Möhren-Zwiebel-Set, Rückseite: gesunder Rotkohl.

Manuel Fritsch spricht in seinem Podcast mit Martina Fuchs über „Punktesalat“. Er findet, dass der Reiz an dem Spiel die große Zahl der sehr unterschiedlichen Wertungs- beziehungsweise Bestellungskarten sei. „Es gibt über 100 verschiedene Bestellungskarten, mit denen der Salat zu Punkten gemacht werden kann. Da kann man sich nicht im Vorfeld eine Strategie zurechtlegen, da muss man sehr flexibel gucken“, sagt er. Es sei schnell gespielt und erklärt, böte aber einen hohen Wiederspielreiz, auch wenn es glückslastig sei. Besonders hebt er die klare Gestaltung hervor: „Man kann es auch gut mit Kindern spielen, die noch nicht lesen können.“
Martina Fuchs schließt sich dem gerne an. Interessant sei, dass die Rückseite der Gemüsekarten die Wertungskarten zeige. „Das heißt ich kann, wenn ich eine Gemüsekarte nehme, jemandem eine Wertungskarte wegnehmen, weil die dann als Gemüse ausgelegt wird.“ „Punktesalat“ hätte sie überrascht: „Das hat viel mehr Tiefe als ich gedacht habe. Es wird nicht langweilig.“³

Auch Christoph Schlewinski und Julia Zerlik haben sich über die Zubereitung eines Punktesalats ausgetauscht. Positiv attestiert Schlewinski, dass das Spiele eine „wahnsinnig niedrige Einstiegsschwelle“ hat. Ihm fällt auf, dass das Spielerlebnis sich mit der Anzahl der Spielenden ändert: „Je mehr mitspielen, desto weniger Handlungsspielraum hat man und desto größer wird das Glückselement.“ Zu sechst sei das Spiel kaum taktisch planbar. Zu viert sei das noch eher möglich. Dennoch: „Mir gefällt das richtig gut“, so Schlewinskis Urteil.
Julia Zerlik gefällt vor allem die Variabilität des Spieles. Es sei „eigentlich total simpel“. Ein großer Spielreiz läge darin, dass jede Punktekarte einzigartig sei und damit keine zwei Spiele gleich. „Es spielt sich flott und sehr eingängig. Ein schönes, rundes Spiel“, findet sie.

Auch in Folge 3 unseres „Spielerischen Quartett“ war „Punktesalat“ Thema. Das Spiel hatte Martina Fuchs mit in die Runde gebracht, auch weil der Interaktionsfaktor sehr hoch sei. „Es ist ein Spiel, gegen das man nichts sagen kann“, merkt Harald Schrapers in der Diskussion an. „Es ist eine schöne Sache.“ Ganz besonders hervorheben möchte er es nicht – würde aber immer gerne mitspielen.

¹ Spielekenner: Punktesalat
² Neue Presse vom 7.1.2020
³ Insert Moin: Le Brett – die besten Brettspiele im November 2020 (kostenpflichtig)
Spiel doch mal…: Frisch vom Tisch Vol. 34