„Alles fließt“, meinte Heraklit. Vor allem der Spielfluss sollte fließen, gerade wenn das Spiel „Am Goldenen Fluss“ (Keith Piggott bei Kosmos) heißt. Und damit der fließt, müssen in dem Spiel die Waren über den Fluss geschippert werden.
Panta rhei also? Oder steigt man in diesen Fluss doch lieber kein zweites Mal? Um das herauszufinden, haben die Mitglieder der Jury Spiel des Jahres haben das Spiel in ihren jeweiligen Medien besprochen.
„Runde für Runde hängt alles an einem Würfelwurf“, so Stefan Gohlisch über das Spiel. „Dessen Seiten zeigen sowohl die bekannten Ziffern von 1 bis 6 als auch Symbole der Regionen entlang des Flusses. Drei Aktionen stehen zur Auswahl: Entweder wir fahren entsprechend viele Felder mit unseren Booten den Fluss entlang und nutzen den Bonus des Zielorts. Oder wir bauen am Ufer der passenden Region Gebäude, die in späteren Runden andere Boni generieren. Oder wir beliefern Kunden in den Regionen (was durch Karten symbolisiert wird und Ressourcen erfordert) und mehren dadurch unseren Einfluss. Ebenfalls spätestens nach der ersten Partie weiß man, wie fundamental wichtig das für die Endabrechnung ist.“

Für Gohlisch gibt es „Am Goldenen Fluss“ „viel zu tun“. Viele unterschiedliche Mechanismen griffen ineinander, „und doch ist alles so gut sortiert und so klar illustriert, dass es sich spätestens nach der ersten Partie so weit erschließt, dass man kaum noch zur Anleitung greifen muss.“ Das Spiel sei ein „Wohlfühl-Kennerspiel“, meint Gohlisch. „Immer ist etwas zu tun, was sich gewinnbringend anfühlt“. Das Spiel fühle sich gut an. Mit dem 85 mal 56 Zentimeter großen Spielplan – und goldgeprägtem Fluss – bringe es „Tischpräsenz“ mit. Er bezeichnet es als „ein Highlight unter den Spielneuheiten des Herbstes“.1
„Wir sind wirklich gut reingekommen“, erzählt Michaela Poignée. Sie lobt die sehr gut gemachte Anleitung und die beiliegende Zugübersicht mit der gut gemachten Symbolik. Wir haben kaum etwas nachlesen müssen.“ In „Am Goldenen Fluss“ gefallen ihr die „eingänglichen Aktionen“. Es hänge viel davon ab, welche Kunden man auf die Hand bekomme. Die Punktevergabe und die unterschiedlichen Mechanismen seien „gut austariert“. „Gefühlt ist das Spiel zu schnell vorbei, was natürlich ein guter Effekt ist. Dadurch ist das Spiel kurzweilig und es fühlt sich nicht langwierig an, weil man immer etwas zu tun hat“, sagt Poignée. Sie habe „viele schöne Spielelemente“ erlebt. „Mir macht das Spiel richtig viel Spaß, in jeder Spielerkonstellation.“ Nur die Spielerboards seien etwas zu dünn, hier hätte sie sich hochwertigeres Material gewünscht.2

Für Udo Bartsch kommt „Am Goldenen Fluss“ „schnell in Gang“. Er beschreibt es als ein „positives“ Spiel. „Jeder Zug bringt mir einen sichtbaren Fortschritt, indem ich entweder Einnahmen generiere oder irgendwas erwerbe. Und auch die Züge der Gegner:innen können mir helfen, sofern meine Gebäude angesteuert werden.“ Das Spiel sei „sehr schön ausgestattet und gestaltet“. Doch Bartsch hat auch Kritikpunkte: „Obwohl es angenehm ist, ständig Erträge zu bekommen und obwohl die drei Aktionsmöglichkeiten gut harmonieren und zusammenspielen, haben sich die Partien für mich selten spannend, sondern eher linear angefühlt.“ Ihm fehlen „Höhepunkte und knifflige Situationen“. Die „Entscheidungen liegen teilweise auf der Hand. Alle Partien verlaufen gleichförmig, und vor allem zu viert habe ich ‚Am Goldenen Fluss‘ auch immer als zu kurz empfunden, als dass sich alle vorhandenen Elemente hätten entfalten können“.3
„Ich war beim ersten Spielen ziemlich begeistert“, sagt Tobias Franke. „Was das Spiel von mir will, was das Spiel mit mir macht, passt nicht ganz zusammen mit dem Würfelwurf, den ich habe“, kritisiert er das Zufallselement. „Am Goldenen Fluss“ biete zwar „genügend andere Möglichkeiten, Punkte zu machen, aber rein subjektiv fühlt sich das für mich nicht richtig an“, sagt Franke. „Ich habe immer das Gefühl: Nicht ich entscheide mich, wie ich das Spiel spielen will, sondern die ersten Würfelwürfe entscheiden für mich. Da fühle ich mich zu sehr an die Hand genommen.“ Zwar könne man Würfel manipulieren, aber auch nur begrenzt. Ähnliches gelte auch für die unterschiedlichen Kunden: „Die, die ich anfangs auf der Hand habe, geben mir vor, in welche Richtung ich spielen muss. Aber da müssen natürlich auch die Würfel wieder mitspielen.“ Dennoch bemerkt Franke, dass die dadurch entstehenden Probleme – nämlich die begrenzten Zugmöglichkeiten – redaktionell gelöst wurden und dass die Spielmechanik teilweise gegensteuert. Zu viert sei das Spiel allerdings „eher zu schnell“ vorbei. Zu zweit wiederum dauere es ihm zu lange. „Den Sweet Spot würde ich bei drei Personen sehen“, sagt Franke. Es seien viele unterschiedliche Spielweisen möglich. Erst nach einigen Partien habe er „die Tiefe des Spiels wahrgenommen“, berichtet er. „Mein großes Problem ist, dass es mich zu wenig emotionalisiert.“ In „Am goldenen Fluss“ fehle Franke die Kontrolle über das Spiel, obwohl es „wunderschön“ aussehe und einen „hohen Aufforderungscharakter“ habe.4
