Marco Kujat gewinnt SdJ-Förderpreis

Marco Kujat gewinnt den Förderpreis des Vereins Spiel des Jahres, der am 05. Juni 2016 im Rahmen des Spieleautorentreffens in Göttingen zum 21. Mal für Nachwuchsautoren vergeben wurde. Der 27-jährige Dortmunder setzte sich mit dem strategischen Aufbauspiel JANGAL und dem Kartenspiel WOLFPACK gegen starke Konkurrenz durch. Neben ihm waren eine Autorin aus Kiel sowie drei Autoren aus Leipzig, Koblenz und ebenfalls aus Dortmund nominiert. Die drei Juroren, Sophia Wagner, Preisträgerin von 2015, Jens-Peter Schliemann für die Spiele-Autoren-Zunft und Jochen Corts für den Verein Spiel des Jahres, überzeugten die breite Aufstellung, die Ideen nah an der Realität und die hervorragend geschriebenen Regeln. Der Förderpreis ist mit 3.000 Euro zur Absolvierung von vier einwöchigen Praktika dotiert.

Kujat kommt aus Dortmund. Spiele haben ihn sein ganzes Leben lang begleitet und geprägt. Seit 2003 bastelt er an Varianten und eigenen Erweiterungen, seit Herbst 2015 an eigenen Spielideen. Die Mathematik spielt außerdem für ihn eine wichtige Rolle. Den Bachelor für Wirtschaftsmathematik hat er schon erworben, nun arbeitet er an höheren akademischen Weihen an der TU in Dortmund.
Das Feuer des Spieleerfindens hat ihn aber extrem angesteckt. In seiner Bewerbung schreibt er, dass er inzwischen einen Eifer entwickelt habe, der ihn abends vor dem Schlafen immer wieder aufspringen lasse, um neue Ideen festzuhalten. Sein größter Traum: dass irgendwann ein von ihm erdachtes Spiel in die Wohnzimmer vieler Menschen gelangen könne.

Marco Kujat
Die Jury geht davon aus, dass ihm dies schon mit dem kleinen raffinierten Kartenspiel WOLFPACK gelingen könne. Es geht um die Jagd von drei bis sieben Wolfsrudeln, die versuchen, Beutetiere voneinander zu trennen, um sie umzingeln zu können. JANGAL, sein zweites Spiel, ist ein strategisches Aufbauspiel, in der in Umkehrung der üblichen Expansion sich die Natur zurückholt, was ihr einst gehörte.
Die Juroren waren der Überzeugung, dass Marco Kujat besonders weit aufgestellt sei, dass er unterschiedliche Komponenten im Blick habe und geschickt arrangieren könne und dass es ihm hervorragend gelinge, Spielthemen einzufangen. In Hinblick auf seine Regelgestaltung könnten manche Verlage bei ihm in die Lehre gehen.
Mit der Auszeichnung geht nun aber erst einmal Kujat selbst in die Lehre. Auf ihnen warten vier einwöchige Praktika bei der Firma Ravensburger, beim Deutschen Spielearchiv in Nürnberg, bei der Spieleburg in Göttingen und bei dem Spielautoren Jens-Peter Schliemann.

Neben Marco Kujat waren nominiert:

Rocky Bogdanski
Der 27-jährige Rocky Bogdanski ist seit frühester Kindheit leidenschaftlicher Spieler und Sammler von Gesellschaftsspielen, wobei er als Croupier in der Nähe einer Burgruine im Süden Dortmunds auch beruflich im Spielmetier agiert. Perspektivisch arbeitet er aber an einem Lehrerstudium mit dem Schwerpunktfach Deutsch.
Seit 2014 entwickelt er mit seinem Cousin Kai Wetzel Spiele, wobei die Hauptlast, was die Spielideen, die Regelkonzeption und die Entwicklung des Spielmaterials angeht, hauptsächlich bei ihm liegt. Von den beiden Spielen, die er ins Rennen schickt, sind er und seine Spieletester überzeugt. Beim Spielmaterial geht er mit der Zeit, er ist der erste nominierte Autor, der auf einen3D-Drucker zurückgreift. Auch über seine Regelkompetenz hat er von Redakteuren schon äußerst positive Rückmeldung erhalten.
Ein Blick auf das fetzige Würfelspiel TOHUWABOHU lohnt besonders. Mit unterschiedlichen Startbedingungen treten drei bis sechs Indianerstämme im Kampf um den Häuptlingsposten in der „Nacht der Federn“ gegeneinander an.

Michael Kallauch

Der Koblenzer Michael Kallauch ist 40 Jahre alt, er hat bisher zwei seiner Hobbys zum Beruf gemacht und wartet nun ab, wie es mit der dritten Leidenschaft weitergeht. Wie viele Spieleautoren liebt er die Mathematik, zusätzlich auch die Musik. Was lag daher näher, als die Begeisterung für beide Fächer an Schüler weiterzugeben? Inzwischen ist er nicht nur Lehrer, sondern auch in der Lehrerausbildung angekommen. Kallauch unterrichtet Referendare als Fachleiter für Mathematik am Studienseminar in Koblenz.
Vom Spielen ist er generell fasziniert. Er liebt alles, vom Experten- über das Kennerspiel bis hin zu den Kinderspielen, für die er mit der sechsjährigen Maja und vierjährigen Emma auch die passenden Spielpartnerinnen in Koblenz hat. Seine Spielesammlung umfasst über 1500 Spiele. Mit so vielen Anregungen zu Hause blieb das Bedürfnis nach eigenen Spielerfindungen nicht aus. Seit 15 Jahren treibt es ihn schon an. Anfangs anlassbezogen mit Ideen zu Geburtstagen und Feiern, inzwischen systematisch mit Ideenbüchern und vielen Prototypen. Im Herbst 2015 hat ihn nun seine Familie gedrängt, diese Schatztruhe für die Öffentlichkeit zu öffnen.
Vorerst beschränkt er sich auf Ideen im Kinderspielbereich. Ihm ist dabei besonders wichtig, dass auch in diesem Sektor altersunabhängig bestmögliche Chancengleichheit und Spielspaß ermöglicht werden. Das versucht er gekonnt mit dem Hör- und Rollen-Spiel GOONIES und dem kooperativen Würfelspiel DIE TROLLKINDER AUS DEM FINSTERWALD umzusetzen.

Angelika Roth

Angelika Roth ist die einzige Bewerberin in diesem Jahr. Sie lebt im Norden der Republik, in Kiel. Dort arbeitet sie als Mediengestalterin. Seit Herbst 2015 macht sie am Abendgymnasium ihr Abitur nach.
Auch ihre Jugend ist spielerisch geprägt. In der frühen Phase blieb es aber bei der Ausarbeitung von Regelvarianten zu bekannten Spielen. Ihre erste Spielentwicklung stammt aus ihrem letzten Ausbildungsjahr zur Mediengestalterin in Bitburg. Da hatte sie die Idee zu einer SCRABBLE-Variante, die sich am Periodensystem orientiert. Ihr erster Erfolg, denn damit gelang ihr die Bewerbung bei einer Kieler Firma so eindrucksvoll, dass sie gleich eingestellt wurde. Dort durfte sie dann neben der üblichen Produktentwicklung und dem Designen von T-Shirts auch an weiteren Ausarbeitungen von Brettspielen arbeiten.
Daraus sind Spiele entstanden wie das oben erwähnte Wortlegespiel N-ER-DY, in dem die Spieler in die Rolle bekannter Wissenschaftler wie Marie Curie, Alfred Nobel und Niels Bohr schlüpfen. Beim GLAUBENSKRIEG führen die Beteiligten Pseudoreligionen wie das fliegende Spaghetti-Monster oder das unsichtbare rosafarbene Einhorn in eine Auseinandersetzung um die religiöse Vorherrschaft.

Abel Stolz
Für den Leipziger Autor Abel Stolz war das Autorentreffen fast ein Heimspiel. Der 33jährige ist gebürtiger Göttinger. Stolz gehört zu der starken Mathematiker-Riege der diesjährigen Bewerber. Sein Diplom hat er 2009 noch in Göttingen erworben, danach ein Promotionsstudium in Leipzig abgeschlossen. An der dortigen Universität war er auch wissenschaftlicher Mitarbeiter und an der Fachschule für Technik und Wirtschaft Dozent. Im Augenblick ist er freiberuflich für Google tätig.
Spiele entwickelt er seit 2002, wobei er unter besonderem japanischen Einfluss steht. GO fasziniert ihn schon lange, und er übt das Spiel auch professionell aus. Seit 2009 leitet er die Göttinger GO-Bundesligamannschaften. 2011 hat er in Korea einen mathematisch-philosophischen Artikel zu GO-artigen Spielen veröffentlicht. Auch sein erster Auftritt in Göttingen 2004 war mit dem Bluffspiel GISEI japanisch geprägt.
Seit 2012 kümmert er sich wieder intensiv um die Entwicklung von Spielideen.  Dabei bezieht er seine Inspirationen, wie er selbst sagt, aus allen möglichen Alltagssituationen. Alles, was uns im Leben vor Schwierigkeiten stelle, was den Verstand fordere, habe das Potential mit dem richtigen Mechanismus spielerisch simuliert zu werden.
Nicht unbedingt am heutigen Alltag orientiert, aber am historischen ist seine komplexe Steinzeit-Simulation JÄGER UND HÄNDLER. Ist es da noch Jagen, Sammeln und erster Tauschhandel wird der Warenkreislauf in dem Spiel LYBECK komplexer. Heuschreckenplagen und Piraten machen den Pfeffersäcken in der alten Hansestadt das Leben schwer.