Gefördert: Ev. Kindertagesstätte Martini in Bielefeld
Die Martini-Kirchengemeinde ist mit ihren mehr als 2.300 Mitgliedern eine lebendige und aktive Gemeinde mit vielen von den Gemeindegliedern geteilten Gemeinsamkeiten, die sich immer wieder auf den Weg macht, Gott zu suchen und sich von seiner Geistkraft inspirieren zu lassen.
Ein wichtiges Arbeitsfeld ist insbesondere die Arbeit mit jungen Familien, Kinder und Jugendlichen. Wesentlicher Baustein ist hier die Kita Martini.
Die Ev.- Luth. Martini- Kirchengemeinde betrachtet ein werteorientiertes demokratisches Handeln als Grundlage für die Umsetzung einer inklusiv- ausgerichteten Pädagogik. Durch unsere Arbeit wollen wir einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit und Teilhabemöglichkeit für alle Kinder leisten. Seit über 100 Jahren gehört Kindergartenarbeit zu den wichtigen Aufgaben der Gemeinde. So verfügen wir über eine lange Tradition und große Erfahrung in der Arbeit mit Kindern im Vorschulalter. Vieles hat sich in diesen 100 Jahren geändert an Orten, Konzeptionen, Ausstattung, Methoden. Der Kindergarten heißt „Kindertagesstätte“, die Kindergärtner:innen, Erzieher:innen und die gesellschaftliche Aufgabe hat sich von der Betreuung zur Bildungsaufgabe gewandelt.
In all dem Wandel sorgt die biblische Überlieferung für Orientierung. Die prägende Geschichte für die Arbeit mit Kindern steht im Markus-Evangelium, Kapitel 10: Jesus segnet die Kinder: Leute aus dem Dorf brachten Kinder zu Jesus, damit er sie berühre. Aber die Jüngerinnen und Jünger herrschten sie an. Als Jesus das sah, wurde er wütend und sagte zu ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran, denn sie gehören zu Gottes Reich. Ja, ich sage euch: Nur wer Gottes Reich wie ein Kind aufnimmt, wird dort hineingelangen. Und er nahm die Kinder in die Arme, segnete sie und legte die Hände auf sie.“ (Bibel in gerechter Sprache).
Die Geschichte beschreibt vieles von dem, was Erwachsene und Kinder in der Zeit der Kindertagesstätte erleben. Eltern bringen ihre Kinder in einen neuen Bezugsrahmen, in der Hoffnung auf positive Einflüsse und Entwicklung. Dabei gilt es manche Hürde und Herausforderung zu meistern. Wünschenswert sind Bezugspersonen, die sich konkret und bewusst für die Kinder und ihre persönlichen Bedürfnisse einsetzen. Erzieher:innen und Eltern gestalten gemeinsam einen segensreichen Schutzraum für Begegnungen, Lernerfahrungen und positive Erlebnisse. Dazu gehört auch der Umgang mit Konflikten und Grenzen. Jesus lenkt den Blick besonders auf die eigene Würde und Besonderheit der Menschen im Kindesalter. Sie sind nicht nur als gleichwertig, sondern sogar als beispielhaft für erwachsene Verhaltensweisen anzuerkennen. Gottes Reich ist in dieser Geschichte ein geschützter und liebevoll gestalteter Ort, wo Menschen Gott und einander ohne Vorurteile und Berührungsängste begegnen können. Fröhlichkeit, Neugier, Freundlichkeit und ganz spontane Reaktionen machen das abstrakte Bild von einem „Reich Gottes“ zugänglich und attraktiv. Kinder und Erwachsene brauchen einander und können voneinander lernen. Die Grundhaltung des Kindes ist die des Vertrauens. Dieses Vertrauen zu erhalten, zu pflegen und es als wertvollen Maßstab anzusehen ist das Ziel einer christlich geprägten Arbeit mit Kindern. Aufgaben der Kindertagesstätte ist es also etwas von der Unmittelbarkeit des Kindlichen zu bewahren und die direkte Vitalität der Kinder aufzunehmen und wertzuschätzen.

Das Projekt „Spielen von Jung bis Alt“ hatte das Ziel, die Bindung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen (Eltern, Großeltern oder anderen wichtigen Bezugsmenschen) zu stärken. Durch gemeinsame Spielzeit sollte bewusst „Quality Time“ geschaffen werden, in der Interaktion, Kommunikation und gemeinsames Erleben im Vordergrund stehen.
Zudem sollte das Projekt den generationsübergreifenden Austausch fördern und Familien dazu ermutigen, Spiele als festen Bestandteil ihres Alltags zu nutzen.
Darüber hinaus verfolgt das Projekt einen inklusiven und fördernden Ansatz: Spiele verbinden Menschen unabhängig von Alter, Herkunft und Geschlecht. Bereits im Kindergartenalter zeigen Kinder großes Interesse an Gesellschaftsspielen, von denen sie in vielfältiger Weise profitieren. So fördern Spiele unter anderem die Konzentrationsfähigkeit, das Regelverständnis, die Feinmotorik, die sozialen Kompetenzen, die Problemlösungsfähigkeiten sowie das Einfühlungsvermögen.
Auch ältere Menschen profitieren von diesen positiven Effekten. Insbesondere die kognitive Aktivierung trägt dazu bei, geistig fit zu bleiben. Gleichzeitig ermöglicht das gemeinsame Spielen Begegnung und Austausch zwischen den Generationen und kann so Einsamkeit entgegenwirken.
Ein weiteres Ziel des Projektes ist die sprachliche Förderung: Kinder und Erwachsene mit noch nicht gefestigten Deutschkenntnissen können niedrigschwellig teilnehmen. Durch Beobachtung, Wiederholung und aktives Mitspielen werden Sprachfähigkeiten spielerisch erweitert, gefestigt und im Alltag angewendet.
Das Projekt wurde in zwei Phasen umgesetzt.
In jeder Phase fanden vier Termine statt, jeweils dienstags am Nachmittag für eine Stunde.
In der ersten Projektphase war eine Anmeldung auch für einzelne Kinder möglich. Dies erwies sich jedoch als weniger passend für das Projektziel, da der Fokus auf der gemeinsamen Zeit zwischen Kind und Bezugsperson lag. Daher wurde das Konzept in der zweiten Phase angepasst, sodass ausschließlich Tandems aus Kind und Bezugsperson (Elternteil, Großeltern oder Lieblingsmensch) teilnehmen konnten.
Ein besonderer Bestandteil des Projektes war die Einbindung der Familien.
Nach jedem Termin wurde eine Familie gebeten, ein Spiel mit nach Hause zu nehmen. Dieses wurde dort vorbereitet und in der darauffolgenden Woche den anderen Teilnehmenden vorgestellt.
Die Möglichkeit, Spiele für eine Woche mit nach Hause zu nehmen, wurde intensiv genutzt und stellte einen wichtigen Bestandteil des Projektes dar. Dadurch konnten die Spiele im familiären Umfeld mehrfach ausprobiert und vertieft werden.
Insbesondere in der ersten Projektphase (November/Dezember 2025) ergab sich daraus ein zusätzlicher Mehrwert: Die Spiele dienten vielen Familien auch als Ideen für Weihnachtsgeschenke, da sie vor dem Kauf gemeinsam getestet werden konnten.
Das Projekt konnte seine Ziele in mehreren Bereichen erfolgreich erreichen:
- Die gemeinsame Spielzeit ermöglichte intensive Interaktionen zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen. Viele Tandems nutzten die Zeit bewusst für gemeinsames Erleben ohne Ablenkung.
- Die Aufgabe, Spiele mit nach Hause zu nehmen und vorzustellen, förderte die Eigenverantwortung und das Engagement der Teilnehmenden. Die Familien identifizierten sich stärker mit dem Projekt.
- Da die vorbereitenden Familien die Spiele bereits kannten, konnten sie diese sicher erklären. Dadurch entfiel langes Lesen von Spielanleitungen und alle Teilnehmenden konnten schnell ins Spielgeschehen einsteigen.
- Durch wiederholtes Spielen wurden Regeln schneller verstanden und vertieft. Kinder wie Erwachsene entwickelten mehr Sicherheit und Freude im Umgang mit verschiedenen Spielen.
- Es entstand eine offene und unterstützende Atmosphäre, in der sich die Teilnehmenden gegenseitig halfen und voneinander lernten.
Trotz der positiven Erfahrungen zeigten sich auch einige Herausforderungen:
- Im ersten Projektteil nahm kaum bzw. nur eine Person außerhalb des direkten KiTa-Umfelds teil. Der gewünschte Übergang in die breitere Gemeinde konnte somit nicht erreicht werden.
- Eine stärkere Durchmischung der Teilnehmenden (z. B. mehr externe Familien oder andere Generationen) blieb aus.
- Jugendliche konnten nicht für das Projekt gewonnen werden. Ein möglicher Grund hierfür war der gewählte Termin am frühen Dienstagnachmittag, der für diese Zielgruppe unattraktiv bzw. schwer wahrnehmbar ist.
- Es konnten keine Familien mit Migrationshintergrund für das Projekt gewonnen werden. Dies zeigt, dass die Ansprache und Zugänge zu dieser Zielgruppe in zukünftigen Durchläufen gezielt verbessert werden sollten.
Eine Wiederaufnahme des Projektes ist für Januar/Februar 2027 geplant. Dieser Zeitraum bietet sich besonders an, da erfahrungsgemäß viele Spiele als Weihnachtsgeschenke angeschafft werden und Familien Interesse haben, diese gemeinsam auszuprobieren.
Zudem finden in dieser Zeit vergleichsweise wenige Veranstaltungen statt, wodurch die Teilnahmebereitschaft potenziell erhöht werden kann. Das Projekt kann somit gezielt an bestehende Bedarfe anknüpfen und eine attraktive Möglichkeit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung bieten.
Ergänzend ist geplant, das Thema „Mein Lieblingsspiel“ stärker in den Fokus zu rücken. Teilnehmende Kinder und ihre Bezugspersonen sollen die Möglichkeit erhalten, ihr persönliches Lieblingsspiel mitzubringen und vorzustellen. Dies fördert die Identifikation mit dem Projekt sowie den Austausch innerhalb der Gruppe.
Die Zielgruppe soll weiterhin bei Kindern ab 3 Jahren (3+) liegen, um eine niedrigschwellige Teilnahme zu ermöglichen und möglichst viele Familien anzusprechen.
Das Projekt „Spielen von Jung bis Alt“ war insgesamt erfolgreich und hat insbesondere innerhalb der teilnehmenden Familien einen wertvollen Beitrag zur Beziehungsstärkung geleistet.
Gleichzeitig zeigt sich, dass für zukünftige Durchgänge insbesondere die Ansprache neuer Zielgruppen, eine stärkere Öffnung in die Gemeinde, sowie eine zeitliche Anpassung der Termine wichtig sind, um eine größere Vielfalt an Teilnehmenden zu erreichen und den generationsübergreifenden Austausch weiter auszubauen.
Mit Blick auf die geplante Fortsetzung im Jahr 2027 bietet das Thema „Mein Lieblingsspiel“ eine vielversprechende Weiterentwicklung des Projektes. Durch das aktive Einbringen eigener Spiele können Teilnehmende noch stärker beteiligt werden, was die Identifikation mit dem Angebot sowie den Austausch innerhalb der Gruppe zusätzlich stärkt. Gleichzeitig eröffnet dieses Konzept neue Möglichkeiten, unterschiedliche Spielkulturen, Erfahrungen und Interessen sichtbar zu machen und das Projekt noch lebendiger und vielfältiger zu gestalten.
Alexa Broszeit
