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Zombie Kidz Evolution – ein Kinderspiel?

An diesem Spiel werden sich einige reiben: Die Spieler müssen eine Schule gegen eine Invasion von Zombies verteidigen. Ist das ein Thema für ein Kinderspiel? Und ist „Zombie Kidz Evolution“ (von Annick Lobet, erschienen bei Scorpion Masqué) überhaupt ein Kinderspiel? Eine kurze Antwort gibt es darauf nicht.

Auch ich habe gestutzt, als ich das Thema auf einem Spiel ab sieben Jahren gesehen habe. Als ich Kind war, durfte ich keine Spielzeugwaffen haben. Meine Eltern hielten mich lange fern von „Transformers“, „He-Man“ und ähnlich gewalttätigen Konsorten. Ein wenig von dieser Einstellung habe ich auf die Erziehung meiner Kinder übertragen: keine Waffen, keine Computerspiele, in denen gekämpft wird.

Und nun also ein Zombie-Brettspiel? Als ich die Zombies in der Grundschule zum Testen dabei hatte, pendelten die Reaktionen zwischen enthusiastisch und vorsichtig. Eine Drittklässlerin runzelte die Stirn („Die löffeln einem doch das Gehirn raus.“), die Jungs in der ersten Klasse waren sofort begeistert („Zombies finde ich cool!“), offenbarten aber auf Nachfrage beruhigende Unwissenheit.

Vom Thema abgesehen tut „Zombie Kidz Evolution“ viel dafür, Kinder nicht zu verschrecken. Die comichaft gezeichneten Untoten sind leicht als ehemalige Lehrerin oder Hausmeister zu erkennen. Die Kinder „kämpfen“ mit allem, was sie so in ihrem Kinderzimmer finden können: Wasserpistole, Armbrust, pinkes Laserschwert … Und wichtig: Die Gruppe tötet keine Zombies, sie verscheucht sie nur – und schließt dann hinter ihnen zu.

Knifflige Aufgabe

Das diskussionswürdige Thema tritt beim Spielen schnell in den Hintergrund. Denn die Aufgabe ist zwar einfach erklärt und schnell verinnerlicht, aber nichtsdestotrotz knifflig. Häufig haben ungeübte Kinder die Gefahr des schnell versiegenden Vorrats von maximal acht Zombies unterschätzt. Denn wer hier unvorbereitet ein Hoftor abschließt, der hat schnell ein Problem: einen Raum, in dem drei Zombies liegen und nicht mehr entfernt werden können.

Zombie Kidz Evolution

Doch selbst wenn es schief gehen sollte: Aus Niederlagen lernen die Kinder nicht nur, sie werden sogar trotzdem belohnt mit einem Sticker (für Siege gibt es unter Umständen zwei). Die Aufkleber in die Anleitung zu kleben, macht nicht nur Spaß, er beeinflusst nach gewisser Zeit auch das Spiel. Denn „Zombie Kidz Evolution“ ist ein sogenanntes Legacy-Spiel, das heißt, es verändert sich, je häufiger die Kinder es spielen.

Noch ein Kinderspiel?

Nach einer bestimmten Zahl von Stickern darf der erste von zwölf Umschlägen geöffnet werden. Wer je selbst einmal Panini-Bilder oder „Pokémon“-Karten gesammelt hat, der weiß um den Reiz dieses Systems. Die Umschläge enthalten neben reinen Status-Aufklebern, die auf die Belohnungszentrum abzielen, auch handfeste neue Regeln. Ohne zu viel verraten zu wollen: Diese Regeln beeinflussen das Spiel und die Fähigkeiten der Charaktere und Zombies jeweils nur punktuell. In ihrer Gesamtheit verändern sie den Ablauf aber später – nach etwa 20 Partien – massiv.

Zombie Kidz Evolution

Ist „Zombie Kidz Evolution“ also noch ein Kinderspiel? Mein Eindruck ist, dass die spielerische Reife der Siebenjährigen nicht in der Geschwindigkeit wächst, wie sich die Regeln verändern, oder besser gesagt: verkomplizieren. Schon mitspielende Erwachsene vergessen oder missinterpretieren manche Sonderfähigkeit, Kinder neigen selbstredend noch stärker dazu. Dass Siebenjährige eine Partie mit diesen Sonderfähigkeiten ohne Regelfehler absolvieren, habe ich noch nicht beobachtet. Doch ist das wirklich schlimm? Ich finde nicht! Es ist vielmehr großartig, sie voll konzentriert beim Schmieden von Plänen zu beobachten, die mal mehr, mal weniger Erfolg versprechend sind. Und wer sich doch überfordert fühlt, kann jederzeit mit weniger oder sogar ganz ohne Zusatzregeln spielen – das haben die Macher ganz stark gelöst!

Die anfängliche Faszination mag vom Thema herrühren. Doch das Spiel schafft es, diese Faszination über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Kein anderes Kinderspiel haben mein inzwischen siebenjähriger Sohn und ich so häufig gespielt wie „Zombie Kidz Evolution“. Zur Wahrheit gehört aber auch: Meine zehnjährige Tochter mag es überhaupt nicht.

Hauke Petersen

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