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Palm Island: Inselurlaub zum Mitnehmen

Während sich Ausflüge an den Strand oder auch nur in die örtliche Kneipe aktuell eher schwierig gestalten, bleibt uns zumindest etwas mehr Zeit zu spielen. Was aber, wenn wir allein zu Hause festsitzen, wo wir doch viel lieber unter Palmen am Meer liegen würden? Glücklicherweise haben Jan Mietling und Kosmos eine Lösung parat. Einen Ausflug auf die „Palm Island“… to go.

Inselausbau in Handarbeit

Doch halt: Die von uns besuchte Palmeninsel ist alles andere als einsam. Vielmehr zeigen die 16 Karten Fischer, Erzminen und sogar Ferienwohnungen. Die erstgenannten versorgen uns im Laufe der Partie mit Rohstoffen, letztere versprechen Punkte. Doch bevor wir beginnen, müssen wir die Insel erst einmal vorbereiten. Und dazu … mischen wir das Deck. Das war’s. Karten auf die Hand und los. Und damit meine ich: Den ganzen Stapel in die Hand nehmen, wo er auch den Rest der Partie bleibt. Von nun an drehen, wenden und verschieben wir die Karten in unserer Hand. Dafür dürfen wir stets eine der beiden vorderen Karten nutzen. Handelt es sich um einen Rohstoff, steht dieser uns zur Verfügung sobald wir die Karte um 90 Grad drehen. Oder wir geben gesammelte Rohstoffe aus, um Karten zu verbessern indem wir sie wenden. Auf einmal bringt der Holzfäller mehr Holz, der Werkzeugmacher wirft dazu noch Stein und Fisch ab.

Die Zeit ist knapp

Verwendete oder aufgewertete Karten rutschen im Stapel nach hinten und stehen uns damit erst später wieder zur Verfügung. Dazwischen kommt die Rundenkarte, quasi ein Timer der unsere Aktionen begrenzt. Gerade einmal acht Durchgänge haben wir, um vorgegebene Ziele zu erfüllen. In der Basisversion bedeutet das üblicherweise, dass wir eine bestimmte Zahl an Punkten erzielen müssen. Damit sich unsere Wohnhütten aber lohnen, müssen sie mehrfach aufgewertet werden. Und um dafür genügend Rohstoffe zu erhalten, reichen die normalen Minen und Fischer nicht aus. Von wegen Entschleunigung auf einer einsamen Insel. Geschicktes Vorgehen und das richtige Timing sind hier unerlässlich.

Herausforderungen

Ähnlich läuft auch das Spiel zu zweit. Hier müssen die Spieler über mehrere Runden gemeinsam Rohstoffe sammeln, um Katastrophen abzuwenden, die das Dorf bedrohen. Ohne gute Absprache ist ein Erfolg kaum möglich, weshalb „Palm Island“ durchaus auch zu zweit seinen Reiz entfaltet. Seine Stärke hat es aber in der Solovariante. Und damit das auch so bleibt, enthält das Spiel noch einen ganzen Haufen Herausforderungen. So müssen auf einmal nicht nur Punkte gesammelt, sondern auch bestimmte Gebäude gezielt aufgewertet werden. Oder wir müssen auf manche davon gleich ganz verzichten. Als Lohn winken besondere Karten, die anschließend das Deck erweitern, oder Aufwertungen zu Beginn der Partie. So lassen sich mit der Zeit auch die schwierigsten Aufgaben meistern.

Extrem kurzweiliges Solospiel

Es passiert wirklich sehr selten, dass mich ein Solo-Spiel auch nach dutzenden Partien immer noch in seinen Bann schlägt. Genau genommen ist das bislang nur „Freitag“ von Friedemann Friese gelungen. Bislang. Denn obwohl die grundlegenden Regeln von „Palm Island“ eigentlich sehr simpel sind, bietet das Spiel doch viele kleine aber spannende Entscheidungen und spielt sich extrem kurzweilig. Die begrenzte Zeit und die knappe Zahl an Ressourcen sinnvoll zu nutzen, ist auch nach mehreren Dutzend Partien eine interessante Aufgabe. Dabei zwingt die zufällige Reihenfolge der Karten einen stets, das eigene Vorgehen anzupassen. Dazu geht es eben nicht nur um einen Highscore, sondern auch um Herausforderungen. Und die haben den Namen echt verdient. Mehr als einmal saß ich nach der Partie fluchend vor den Karten, weil wieder 1 oder 2 Punkte gefehlt haben.

Etwas schwierig ist zu Beginn tatsächlich das Handling. Klar, die Karten passen alle problemlos in die Hand. Sind aber ein paar davon ausgeklappt, gehört schon etwas Übung dazu, um alles im Griff zu haben. Das war es aber auch schon mit den Kritikpunkten. „Palm Island“ ist seit seinem Erscheinen ein gern gesehener Begleiter, selbst unfreiwillige Aufenthalte in der eigenen Wohnung lassen sich mit einem Ausflug auf die Palmeninsel sehr viel kurzweiliger gestalten.

Tim Koch