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First Contact: UWOs für die UFOs

Wenn Aliens auf Menschen treffen, ist die Kommunikation naturgemäß schwierig. In „First Contact“ (Damir Khousnatdinov bei Huch) müssen beide erst eine gemeinsame Sprache erlernen. Wie klappt es mit der intergalaktischen Völkerverständigung? Damit hat sich Udo Bartsch beschäftigt.

Aliens sind im Alten Ägypten gelandet, wollen schnell Geschenke abgreifen und dann gleich weiter. Gespielt wird in einer kuriosen Konstellation: Auf beiden Seiten kann nur je eine*r gewinnen: Das Alien gewinnt, das zuerst seine Präsente hat – und derjenige Mensch, der die meisten Wünsche erfüllen konnte.
Das Problem bei der geschenkebasierten Völkerverständigung: Es fehlt ein Wörterbuch. Eine Partie „First Contact“ ersetzt dies. Das Spiel ist wie ein Schnellkurs in Alien–Ägyptisch/Ägyptisch–Alien. In einem 5×5-Raster liegen 25 zufällige Bildkarten. Hinter ihrem Sichtschirm können die Aliens von einer Codekarte ablesen, auf welchen ihre den Menschen Unbekannten Wunschobjekte (UWOs) abgebildet sind.

Eine Spielrunde läuft so: Reihum sind die Ägypter*innen an der Reihe und markieren eine oder mehrere der Karten, die ein gemeinsames Merkmal haben. Beispielsweise Papagei und Biene, um den Code für „fliegen“ herauszufinden. Die Aliens malen nach gemeinsamer Beratung auf einer Tafel ihr Schriftzeichen für „fliegen“ … aber vielleicht auch für „lebendig“, weil sie den Hinweis leider anders verstanden haben. Jeder Mensch zieht nun daraus seine Schlüsse. Vielleicht die richtigen, vielleicht die falschen, denn man spricht sich mit seinen Mitmenschen nicht ab.

Anschließend sind reihum die Aliens an der Reihe und versuchen mit Schriftzeichen den Menschen verständlich zu machen, was sie sich wünschen. Jeder Mensch wählt daraufhin geheim eine der Bildkarten. Läuft es gut, bekommt das Alien tatsächlich das Gewünschte. Läuft es noch besser, bekommt das Alien gleich mehrere Wunschgegenstände. So geht es reihum immer weiter, bis ein Alien seine Mission erfüllt hat.

Stilles Kommunikationsspiel

„First Contact“ ist ein Kommunikationsspiel, bei dem aber wenig gesprochen wird. Nur die Aliens müssen sich mal beraten, ansonsten sind die Spieler*innen still und warten, dass es weitergeht.
Die Menschen-Phase ist überdies auch gar nicht so spannend, weil für den Menschen am Zug wenig herausspringt. Wenn es geklappt hat, weiß er nun das Schriftzeichen für „fliegen“ – aber die anderen Menschen auch. Und vielleicht haben sie ein ganz anderes Schriftzeichen erfahren. Wer weiß?
Missverständnisse können lustig sein und die verblüfften Gesichter der Aliens, wenn sie ihre Geschenke bekommen und leider alles falsch ist, sind tatsächlich lustig. Doch „First Contact“ braucht lange, um Komik zu erzeugen, und selbst dann ist sie eher ein zufälliges Unfallprodukt – wenn sich nämlich bei dem Versuch kreativer und phantasievoller Zeichenkombinationen wenig zielführende Missverständnisse ergeben.

Tolle Geschichte, wenig dahinter

Auch die klar spannendere Alien-Phase überzeugt mich spielerisch nicht. Denn „First Contact“ hält nicht sein Versprechen ein, dass wir gemeinsam eine Sprache erlernen. Als Alien muss ich hoffen, dass die Menschen in ihrer Fragerunde zufällig meine Geschenkkarten verwenden. Es wäre also günstig für mich, Papagei oder Biene gehörten zu meinen Wünschen. Sofort nutze ich das zugehörige Schriftzeichen, um meinen Wunsch anzuzeigen. Und siehe da: Es ist egal, ob es nun „fliegen“ oder „lebendig“ bedeutet. Entscheidend ist nur, dass es mit diesen beiden Bildkarten verknüpft war.
Läuft es optimal, gehören Papagei und Biene sogar beide zu meinen Geschenkwünschen. Dann kann ich in einer Runde – falls nicht zufällig alle Menschen dasselbe schenken – mit einem bewusst unscharf formulierten Wunsch gleich zwei Präsente einsacken. Zwar sagt die Anleitung, dass ich nur ein Wunschobjekt beschreiben darf. Aber damit kann meiner Auffassung nach lediglich gemeint sein, dass alle aufgemalten Schriftzeichen zu einem Geschenk müssen und nicht die ersten zwei Zeichen beispielsweise Statue bedeuten sollen und die drei folgenden Baumstamm. Alles Weitere kann man sowieso nicht kontrollieren.

„First Contact“ hat eine überragende Spielgeschichte, setzt sie aber nicht gelungen um. Das Spiel betreibt großen Aufwand und verbraucht viel Zeit, um ein paar Begriffe mit Schriftzeichen zu verbinden. Bis das Handwerkszeug für eine planvollere Kommunikation beisammen ist, ist „First Contact“ vorbei.
In jeder Partie stehen dieselben 25 Begriffe zur Auswahl und es zeigt sich, dass häufig dieselben („Mensch“, „Pflanze“ etc.) zuerst abgefragt werden, während andere erst später oder gar nicht an die Reihe kommen. Die Aliens sind auf passende Vorlagen angewiesen. Eine originelle oder kreative Verwendung der Schriftzeichen führt seltener zum Erfolg als bewusste oder unbewusste Unschärfe.

Udo Bartsch

FIRST CONTACT von Damir Khousnatdinov für 2 bis 7 Spieler*innen, Huch.

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