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Auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres: Hans im Glück

Das Glück, das ist ein flüchtiges Ding. Es lässt sich kaum fassen; zu schnell entgleitet es einem, wenn man danach giert. Das Glück bei „Hans im Glück“ ist, sagt die Tochter, „dass man es so schnell gewinnen kann“. Und sie meint das keinesfalls philosophisch, sondern ganz pragmatisch: Dieses kleine, feine Kinderspiel von Peter Wichmann (erschienen bei Haba) ist ein Ausbund an Prägnanz, an jener Kürze, in der bekanntlich die Würze liegt, an maximaler Reduktion – ganz so, wie es sich für den namensgebenden Meister des Minimalismus gehört.

Wir erinnern uns: an das Märchen von Hans, der nach sieben Jahren Dienst mit seinem Lohn, einem Goldklumpen, zu seiner Mutter aufbricht. Und der auf dem langen Weg durch einen Tauschhandel nach dem nächsten von allen Lasten erleichtert wird. Das schwere Gold tauscht er gegen ein Pferd, das gegen eine Kuh, die gegen eine Gans und diese schließlich gegen einen Wetzstein, der am Ende – so ein Glück aber auch – in einen Brunnen plumpst.

Kuh und Stein lässt Wichmann vermutlich aus dramaturgischen Gründen weg. Dem glücklichen Gewinner winkt als Zeichen ein vierblättriges Kleeblatt aus Holz. Gold, Pferd, Schwein und Gans aber gibt es, als Pappscheiben. Und der Tauschhandel wird über einen einfachen Würfelmechanismus abgewickelt. Ein roter Würfel besagt, wie viele Scheiben einer Sorte man hergeben muss, ein blauer, wie viele man dafür von der nächstbesseren Sorte bekommt. Nur sind die Augenzahlen höchst ungleich verteilt. Der beste Tauschkurs beträgt 2:3, der ungünstigste 5:1.

Nicht nur Glück im Spiel

Alle Spieler*innen starten mit sechs Goldklumpen-Plättchen. Wer dran ist, würfelt und tauscht. Oder aber verzichtet auf den Tausch und nimmt zwei Goldklumpen aus dem Vorrat; manchmal bleibt einem auch nichts Anderes übrig. Wer seine Gänse ins Kleeblatt tauschen kann, gewinnt und darf sich glücklich schätzen.

Denn hier ist wirklich ganz viel Glück im Spiel (nämlich auch im Sinne des Zufalls) – aber eben nicht nur. Wie gut oder schlecht so ein Tauschkurs ist, hängt von vielen Faktoren ab: dem bisherigen Spielgeschehen zum Beispiel, dem eigenen Vorrat an den verschiedenen Plättchen, der Auslage der Konkurrenz…

Kinder bekommen sehr schnell ein Gespür dafür, dass manches Wagnis im Zweifel doch nur Gier ist. Man kann sich schrecklich schnell verzocken, wenn man zu nassforsch tauscht. Die Grenzen zwischen „Hurra!!!“ und „Gemein!!!“ sind fließend. Dem Spaß macht das keinen Abbruch; in dieser Hinsicht ist „Hans im Glück“ ein wenig das „L.a.m.a.“ dieses Kinderspiel-Jahrgangs – welches sich, aber das nur nebenher, auch schon gut mit Sechsjährigen spielen lässt. Der Unterschied: Bei „L.a.m.a.“ kann (und muss) man sich mitunter heftig über die Mitspielenden ärgern. Bei „Hans im Glück“ kann man sich nur selber reinreiten. Oder es auf die Würfel schieben. Das macht es ein bisschen weniger frustrierend.

Es lässt sich übrigens auch gut mit mehr als den empfohlenen zwei bis vier Personen spielen. Ab sechs Spielenden werden allerdings manchmal die Plättchen knapp. Egal: Wo ein Wille ist, findet sich auch das Glück.

Denn Glück und Unglück, das ist eine Sache der Haltung, lehrt das Märchen, lehrt auch dieses Spiel. Es lässt sich auch wunderbar noch einmal kurz morgens vor dem Schulweg einschieben – und erfüllte diesen Zweck in diesem Spielerhaushalt die vergangenen Monate so oft wie kein anderes Spiel. Weil es sich eben so schnell gewinnen lässt. Und wenn man verliert? „Dann spielt man es einfach noch einmal“, sagt die Tochter, während der Vater noch einmal über das Märchen sinniert.

„So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne“, jubiliert dort gegen Ende Hans, aller materiellen Sorgen befreit. Und auch der Vater träumt sorglos, sieht vor dem geistigen Auge die Tochter, wie sie „mit leichtem Herzen und frei von aller Last“ Richtung Schule springt. Und wenn er nicht gestorben ist, träumt er das noch heute.

Stefan Gohlisch

Mehr über „Hans im Glück“ gibt es hier.

Folge 4: Hinter den Kulissen

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Die Preisverleihung der Preise für das Kennerspiel des Jahres und das Spiel des Jahres sind Höhepunkte des Spielejahres – aber was genau passiert eigentlich vor und nach der Preisverleihung? Was passiert bei der finalen Jurysitzung? Wie wird abgestimmt? Wie geht es den Autoren und Autorinnen der ausgezeichneten Spiele während der Preisverleihung und wie geht es für sie danach weiter? Und vor allem: Wie funktioniert das überhaupt, so eine Veranstaltung im verflixten Jahr 2020?

Video-Schaltung zum Autor von „Der Kartograph“, Jordy Adan

In dieser Folge unseres Podcast begeben wir uns ein hinter die Kulissen der diesjährigen Preisverleihung um einige dieser Fragen zu beantworten. Mit dabei: Harald Schrapers, Vorsitzender des Vereins Spiel des Jahres, Manuel Fritsch, Jurymitglied und Moderator der Preisverleihung, Thomas Sing, Erfinder des Kennerspiels des Jahres „Die Crew“ und Daniela und Christian Stöhr, Erfinder des Spiels des Jahres „Pictures“.

Öffentliche Spieletreffs in Zeiten von Corona

Vielerorts ist es schon länger wieder möglich, sich auch außerhalb der Familie und dem engeren Freundeskreis zu Spielerunden zu treffen. Auch öffentliche Spieletreffs öffnen teilweise wieder, so dass das Hobby Spielen nicht mehr nur privat möglich ist.

Örtliche Regelungen

Dennoch wütet Covid 19 weltweit weiter. Deshalb gelten auch für öffentliche Treffs oder größere Spielerunden die jeweils örtlichen Regeln zur Infektionseindämmung, die sich zwischen den Bundesländern und teils auch den Kommunen unterscheiden. Während der Aufenthalt in Gaststätten recht großzügig gehandhabt wird – vielerorts dürfen bis zu zehn haushaltsfremde Personen an einem Tisch ohne Maske miteinander spielen – gibt es für Spieletreffs beispielsweise in Gemeindezentren andere Regularien.

Spielspaß mit Vorsicht

Bei Brett- und Kartenspielen kann der Kontakt recht intensiv sein. Man sitzt an einem Tisch ohne Abstand, es wird geredet und gelacht, es werden Plättchen, Würfel, Spielgeld und Karten herumgereicht, und manche Spiele dauern ziemlich lange. Spielen im Freien, was in Zeiten von Corona die beste Lösung wäre, ist leider oft nicht möglich, weil viele Spielmaterialien bei Wind und Wetter nicht sinnvoll zu gebrauchen sind.
Deshalb haben einige Spieletreffs und Organisationen damit begonnen, sich Gedanken über die Infektionseindämmung in Spielerunden zu machen, die über die geltenden Verordnungen hinausgehen. Ein Beispiel sind die ➜ Corona-Regeln des Ali-Baba-Spielclubs in Köln. Neben Selbstverständlichkeiten wie einer Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz zumindest beim Umhergehen im Raum, Kontaktnachverfolgung und Desinfektion der Hände umfasst das auch Hinweise, wie groß einzelne Spielerunden sein und wie oft Spiele ausgeliehen werden können.

Auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres: Zombie Kidz Evolution

Der Typ mit der Stirnglatze zieht genauso zuverlässig seine Runden wie der Hausmeister mit seinem Wischmop, die Sportlehrerin mit der im Mund festgetackerten Trillerpfeife und der Matrone mit dem Bücherstapel und erhobenem Zeigefinger. Hirnlos in der Schule, wieder und wieder. Kein Wunder, dass sich ein paar Schüler dagegen auflehnen – gegen die Zombie-Invasion im Klassenzimmer. Denn die untoten Wiedergänger sind nun wirklich überall – dank und durch „Zombie Kidz Evolution“ (Annick Lobet bei Scorpion Masqué) nun auch im Kinderspiel.

Das ist nur folgerichtig. Denn Zombies sind genauso ins kindliche popkulturelle Bewusstsein vorgedrungen wie Marvels Superhelden oder die Stormtrooper aus „Star Wars“. Nicht ungewöhnlich, dass ein Kindergartenkind nachmittags berichtet, es habe mit Kumpels und Kumpelinnen Zombie gespielt. Die dazugehörigen Filme dürften (und sollten!) sie noch nicht gesehen haben; die Figuren aber sind so bekannt wie früher Gespenster, Hexen und schwarzer Mann, insbesondere bei Grundschülern, an die sich dieses Spiel in der Alterseinstufung ab sechs Jahren richtet.

Kooperative Zombiejagd

Die kooperative Zombiejagd holt sich auch richtig ab: Das beginnt mit der fröhlich-frechen Grafik, für die sich der frankokanadische Verlag Scorpion Masqué entschieden hat und die hierzulande selten ist, und hört bei den so zugänglichen wie ausbaufähigen Regeln nicht auf: Der Spielplan zeigt in Draufsicht ein Schulgebäude mit vier farblich codierten Räumen und vier Höfen. Wer dran ist, wirft erst einmal den Farbwürfel und platziert einen neuen Zombie in den entsprechenden Raum, bewegt sich oder lässt es bleiben, entfernt an Ort und Stelle zwei Zombies. Begegnen sich zwei Spielerfiguren im Hof, wird dessen Tor versperrt. Sind alle Tore verschlossen, ist die Partie gewonnen. Wird das Gebäude von zu vielen Zombies geflutet, hat das Team verloren.

So weit, so gut, so an das Kinderspiel des Jahres 2014, „Geister, Geister, Schatzsuchmeister“. Das ist im Prinzip taktisch flexibler. Die Stärken der „Zombie Kidz“ liegen woanders, und die liegen im Namenszusatz „Evolution“ verborgen: Autorin Annick Lobet flirtet mit dem Genre der „Legacy-Spiele“, ohne eines vorzulegen. Ähnlich wie bei zum Beispiel „Pandemic Legacy“ kommen immer wieder neue Regeln hinzu, ändern sich die Fähigkeiten von Helden und Gegnern. Aber: Es wird kein erzählerischer Bogen geschlagen. Die Entscheidungen der Spieler haben keinen Einfluss darauf, was wie geschieht, sondern nur darauf, wie schnell das geschieht.

Legacy-Fleißsternchen

Für jede gespielte Partie gibt es einen Sticker ins Regelheft, für jede gewonnene einen weiteren. Alle paar Kleberchen darf ein Umschlag geöffnet werden: für neue Aufgaben, für neue Regeln, für neue Belohnungen. Das genügt vollkommen, um auf die meisten Kinder einen ungeheuren Sog auszuüben: Sie freuen sich über jeden Sticker wie über ein Fleißsternchen ins Hausaufgabenheft. Manche sogar mehr.

Schwächen? Ja, gibt es auch. Nicht jedes Kind ist so lange vom grundsätzlichen Regelgerüst gefesselt, dass es alle Möglichkeiten sehen wird. Manche ärgern sich, wenn nicht ihre Lieblingsfigur als erstes eine schicke neue Sonderfähigkeit bekommt. Und: Umso mehr Regeln dazukommen, desto unübersichtlicher wird „Zombie Kidz Evolution“ auch, aber nicht unbedingt besser. Aber: Die meisten Kinder stehen drauf, wie der Zombie aufs Frischfleisch.

Zombies in der Popkultur werden im Feuilleton ja gerne mal zur Kritik an Konsum- und/oder Obrigkeitsgläubigkeit hochgejazzt. Ein solcher intellektueller Überbau fehlt den „Zombie Kidz“. Dennoch lässt sich etwas lernen, und zwar nicht nur, dass man hirnlos durch die Schulzeit wanken sollte. Denn Kinder brauchen Monster, damit sie sich ihren Ängsten stellen und sie verarbeiten können. Sie brauchen Abwechslung. Und sie brauchen Spiele, um mit Sieg und Niederlage umgehen zu lernen. Das alles bietet „Zombie Kidz Evolution“. Wozu lebende Tote doch gut sein können.

Stefan Gohlisch

Mehr zu „Zombie Kidz Evolution“ gibt es hier.

Auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres: Spicy

Würziges Bluffspiel: „Spicy“ (von Zoltán Győri bei Heidelbär Games / Gémklub) ist ein Kartenspiel, bei dem es um Pfeffer, Chili und Wasabi geht – und um die richtige Schärfe. Grund genug für Harald Schrapers, sich als Spielkritik-Showkoch zu betätigen und eine fein abgeschmeckte Video-Einschätzung zu bieten.

Mehr Informationen zu „Spicy“ gibt es hier.

Jury Spiel des Jahres: Abschied von Martin Klein

Der Spiel des Jahres e.V. muss mit großem Bedauern vermelden, dass Martin Klein den Verein Ende September verlassen wird. Seit 2014 gehört Klein der Jury für die Wahl des Spiels des Jahres und des Kennerspiels des Jahres an, von 2018 bis 2020 war er stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Darüber hinaus engagierte sich Martin Klein bei vielen zeitintensiven Auslandsaktivitäten. Er vertrat das Spiel des Jahres sowohl beim Spielprojekt mit der Bundeswehr als auch auf Messen in den USA.

Seine Kritiken veröffentlicht Martin Klein überwiegend in Videoform auf seinem YouTube-Kanal Spielerleben. Schon als 29-Jähriger, also ungewöhnlich jung, wurde er in die Jury berufen. Obwohl damals erst seit vier Jahren als Spieleblogger aktiv, hatte er sich als Kritiker rasch einen Namen gemacht. Kleins Rezensionen stehen für klare, begründete Kritik, analytische Tiefe und ein präzises Urteil. Er rezensiert als Spieler mit Herz, der sich von tollen Spielerlebnissen begeistern lässt, umgekehrt aber auch keinen Hehl daraus macht, wenn Spiele ihn emotional unberührt lassen, langweilen oder sogar richtig ärgern. Die unbedingte Ehrlichkeit ohne Ehrfurcht vor Namen oder Meriten macht ihn unter den deutschsprachigen Kritikern zu einer herausragenden Instanz.

Nicht nur von Spielen verlangt Martin Klein viel. Er legt auch hohe moralische Maßstäbe an sich selbst, sein eigenes Tun und sein Wirken als Kritiker. Dazu gehört, eine Aufgabe hundertprozentig zu machen – oder eben gar nicht. Martin Kleins Prioritäten haben sich in den vergangenen Jahren verlagert, er kann nicht mehr seine volle Zeit für die sehr aufwändige Jurorenarbeit investieren und gibt sein Amt deshalb auf.

Martin Klein wird dem Verein fehlen. Seine ethische Geisteshaltung, seine Leidenschaft in Diskussionen, seine wertvollen Beiträge und präzisen Analysen. Auch seine Gradlinigkeit, unbequeme Auseinandersetzungen um der Sache willen nicht zu scheuen. Und erst recht sein kluger Witz, seine Originalität und Selbstironie. Martin Klein war ein toller Kollege. Die Jurymitglieder danken ihm für die Jahre, die er dem Verein geschenkt hat.

Auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres: Color Brain

„Color Brain“ (von Tristan Williams bei Game Factory) steht auf der Spiel-des-Jahres-Empfehlungsliste. Vielleicht ein wenig überraschend, weil die Punktewertung nicht unbedingt das Weiße vom Ei ist. Aber das kuntereinfarbige Ratespiel, bei dem ausschließlich nach Farben gefragt wird, hat andere Qualitäten. Und um die soll es hier gehen. Keine Graumalerei, hier schauen wir ausschließlich durch die pöppelrote Brille.

Außergewöhnlich an „Color Brain“ ist: Jeder hat die richtige Antwort oder – Plural – die richtigen Antworten auf der Hand. Als Farbkarten. Man muss nur die passenden auswählen. Beispiel: Aus welchen vier Farben besteht die brasilianische Flagge? Wer jetzt seine purpurnen Zellen anstrengt, wird die grüne, die weiße, die gelbe und die blaue Karte verdeckt vor sich ablegen. Ernsthaft jetzt! Haben alle eine Entscheidung getroffen, werden die Karten aufgedeckt. Wer ins Smaragdgrüne getroffen hat, erhält so viele Punkte wie Spieler beim Aufdecken der Lösung ihr feuerrotes Wunder erlebt haben. Nächste Frage, bitte!

Oftmals werden nur ein oder zwei Farben gesucht, mitunter aber auch acht. Etwa: Welche Farben haben die Kugeln beim Snooker? Die Zahl der gesuchten Farben steht immer auf der Fragenkarte. Niemandem müssen orangefarbene Haare wachsen, nur weil ihm auf eine offene Frage keine Antwort einfällt. Noch nie war das Raten so einfach wie hier. Und wer gar keine Ahnung hat, nutzt den Farbkopierer. Diese Karte erlaubt es einmal in einer Partie, die Farbe einer von einem Mitspieler ausgespielten Karte zu kopieren. So wird einem die Lösung mitunter auf dem Bronzetablett serviert.

Zum Generationenspiel wird „Color Brain“ durch die Auswahl der Fragen. Mal muss man die Farben des „Fortnite“-Logos wissen, mal den Sänger des Schlagers „Schön ist es auf der Welt zu sein“ kennen. Mal die Farben der Symbole auf einem Playstation-Controller benennen, mal die zwei Farben der Schlumpf-Kleidung erinnern – inklusive Papa Schlumpf. Die Themen sind uni gemixt, die insgesamt 300 Fragen teils einfach, manchmal knifflig und immer wieder kreativ ausgedacht. Wer eine gute Allgemeinbildung mit trashigen Einflüssen hat, wird hier schnell eine blaugelbgemischte Welle erwischen. Los geht’s!

Wer sich schon einmal warm spielen möchte, kann sich an den folgenden (nicht im Spiel enthaltenen) Fragen für Spielekenner versuchen, bei denen sich unsere nominierten Titel wie ein anthrazitener Faden durchziehen.

Welche Farbe hat oder welche Farben haben …

… der Siegerpöppel Kinderspiel des Jahres (4 Farben gesucht)?
… die kleinen Holzklötzchen in „Pictures“, dem Spiel des Jahres 2020 (8 Farben gesucht)?
… Spielscheiben in „Nova Luna“ (4 Farben gesucht)?
… die Gebäude in „My City“ (4 Grundfarben)?
… die Funkplättchen in „Die Crew“ (4 Farben gesucht)?
… das Verlagslogo bei „Der Kartograph“ (3 Farben gesucht)?
… die Ressourcenmarker in „The King’s Dilemma“ (2 Farben gesucht)?

Karsten Grosser

Mehr über „Color Brain“ gibt es hier.

Auf der Empfehlungsliste zum Kinderspiel des Jahres 2020: Go Slow!

„Go Slow!“ Mit diesem Ausruf werden Kinder der Zielgruppe nur äußerst selten etwas anfangen können. Doch das ist bei diesem ungewöhnlichen Wettrennen auch nicht schlimm. Sobald das Spielziel erklärt ist und einmal spielerisch erreicht wurde, versteht es meist jedes Kind, obwohl es ein Wettrennen der anderen Art ist. Denn dieses Mal gewinnt die langsamste Schnecke und dieser Fakt hebt „Go Slow!“ deutlich von vielen anderen Rennspielen ab.

Modulares Gemüsebeet

Wir haben eine Rennstrecke, die sich über mehrere Gemüsebeetabschnitte erstreckt, die wir jedes Mal anders zusammenstellen können. Robuste niedliche Holzschnecke in vier Farben bestreiten das Wettrennen. Jeder Mitspieler hat immer zwei Handkarten, von denen er eine ausspielen muss. Dabei handelt es sich entweder um eine der sechs Gemüsesorten (Tomate, Gurke, Paprika, Zwiebel, Möhre, Erbse) oder eine Sonderkarte mit der Schnecke. Es gibt drei Arten von Sonderkarten: Sind Zahlen und Punkte rot, wird die letzte Schnecke vorwärts geschoben, bei schwarzen Kennzeichnungen bewege ich meine eigene Schnecke – um 1 bis 3 Felder. Die letzte und auch heiß begehrte Schneckenkarte ist die schlafende Schnecke, mit der ich dann einfach aussetzen darf. Spiele ich hingegen eine Gemüsekarte, muss ich meine Figur auf das nächste freie Feld dieser Gemüsesorte ziehen und überspringe dabei fremde Schnecken. Gibt es kein passendes Gemüsefeld mehr, verlasse ich die Rennstrecke und bin aus dem Wettkampf ausgeschieden. Die Schnecke, der es gelingt, am längsten im Gemüsebeet zu verweilen, ist die langsamste und wird somit zum Gewinner bei „Go Slow!“ gekürt.

Karten für’s Schneckentempo

Die sehr farbig aufgemachte Spielschachtel mit den drei lustigen Schnecken fällt Kindern schnell ins Auge. Auch wenn der Spieltitel nicht gemerkt wird, wissen Kids genau, dass sie „das Spiel mit den tollen Schnecken“ noch einmal spielen wollen. Denn das kann „Go Slow!“ gut – Kinder begeistern und in Erinnerung bleiben. Wenn die wenigen Spielregeln erst einmal verstanden sind, spielt sich das Spiel flüssig und teilweise auch sehr flott, so dass Wiederholungsrunden nahezu automatisch anfallen. Das Spielziel finden die jungen Mitspieler anfangs komisch bis lustig und oft hatte ich das Gefühl, dass es erst einer Spielrunde bedarf, um es wirklich zu verstehen. Denn in der Lebenswelt der Kleinen wird Langsamkeit meist nicht belohnt, eher das Gegenteil ist der Fall …

Die Gemüsesorten sind gut gewählt und klar dargestellt. Auch die Bedeutung der drei Schneckenkarten wird nach wenigen Runden verinnerlicht, anfangs sollte eventuell ein Erwachsener ein bisschen unterstützen. Aber das finde ich völlig in Ordnung für ein Kinderspiel ab vier Jahren, und meistens spielen ja auch Erwachsene mit. Die Auswahl aus nur zwei Handkarten erscheint anfangs wenig, aber ist für Kinder gut zu halten und zu überblicken. Der Glücksanteil, zur richtigen Zeit die richtigen Karten auf der Hand zu haben, ist bei „Go Slow!“ sehr groß. Daher kann es durchaus auch passieren, dass man nur zu schnell voranschreiten kann und rasch ausscheidet. Aber das wird überwiegend nicht so schlimm empfunden, da es Spaß macht, das restliche Rennen zu beobachten und eventuell auch ein bisschen Schadenfreude zu empfinden. Außerdem dauert eine Runde nur kurz, so dass man flott bei der Revancherunde wieder im Rennen ist.

Die Tomate lockt

Das Material hat bisher alle Spielrunden gut bestanden und es ist liebevoll gestaltet. Denn sogar auf den Unterseiten der Gemüsebeetstrecken kann man Ameisen und Co. entdecken, an den Seiten sowieso — aber die sind beim Spielen auch im Blickfeld. Die Schnecken sind griffige, freundlich lächelnde Holzfiguren und auch die Karten besitzen eine ausreichende Dicke.

Das alles zusammen mit der lustigen Spielidee macht „Go Slow!“ zu einem tollen Kinderspiel, das ich aufgrund seiner Kurzweiligkeit und der Begeisterung der Kids immer gerne mitspiele.

Stefanie Marckwardt

Mehr Informationen zu Go Slow! gibt es hier.

Gute Nacht!

Information und Orientierung: Die Broschüre für 2020

Auch 2020 hat der Verein Spiel des Jahres wieder eine kostenlose Broschüre mit Informationen zu den ausgezeichneten und empfohlenen Spielen des Jahrgangs zusammengestellt. „Wer gemeinsam spielt, erlebt gemeinsam“, heißt es in dem Vorwort. „Während der durch die Corona-Pandemie notwendigen Kontaktverbote sind Familien zusammengerückt und haben häufiger denn je ein Spiel auf den Tisch gebracht oder das Brettspiel neu entdeckt. Auch wenn die große Vielfalt digitaler Angebote aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist – ein gutes Gesellschaftsspiel kann, was sonst kein Medium schafft: es bringt Menschen zusammen an einen Tisch, die die Spielkarten und Figuren selbst in die Hand nehmen, die Emotionen, Bluff und Freude unvermittelt mitbekommen.“

Mit der Broschüre macht der Spiel des Jahres e.V. deutlich, dass es für jeden Haushalt, jedes Alter und jede Spielerfahrung das richtige Spiel gibt. 25 Titel haben die Jury für das Spiel und Kennerspiel sowie die Jury für das Kinderspiel des Jahres aus mehr als 400 Neuerscheinungen ausgesucht. „Vom niedlichen Spiel, das schon Vierjährige begeistert, bis hin zum anspruchsvollen Kennerspiel für Leute, die sich größere Herausforderungen wünschen, ist alles dabei“, ist im Vorwort zu lesen. „,Pictures‘, ,Speedy Roll‘ und ,Die Crew‘ ragen aus dieser Auswahl hervor und haben den renommierten ,Pöppel‘ als Spiel, Kinderspiel und Kennerspiel des Jahres gewonnen.“ Die Jury möchte mit der Broschüre den Blick aber gerade auch auf die nominierten und empfohlenen Spiele richten. „Für zwei Personen oder größere Runden, kooperativ oder gegeneinander, lustig oder strategisch, kurz oder eine Kampagne, die über viele Partien andauert – unter den besten Titeln des Jahres findet sich eine beeindruckende Vielfalt.“

In dem 40-seitigen Heft werden die Spiele in Text und Bild präsentiert. Es finden sich auch hilfreiche Informationen zu den Spielen wie Angaben zur Länge, Schwierigkeit des Einstiegs sowie zum empfohlenen Einstiegsalter.

Kompakte Information und Orientierung

Darüber hinaus enthält die Broschüre Informationen zur Jury der Preise Spiel des Jahres, Kennerspiel des Jahres und Kinderspiel des Jahres sowie Informationen zum Förderprogramm des Vereins und der Initiative „Spielend für Toleranz“.

Die Broschüre kann von Fachhändler*innen und Spieleveranstalter*innen in den benötigten Stückzahlen direkt beim Spiel des Jahres e.V. angefragt werden. Außerdem steht sie zum Download bereit:
Ausgezeichnete Spiele 2020 ➜

Pictures: das Spiel des Jahres