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Magdeburg: Toleranz am internationalen Kindertag

„Als wir von der Aktion ‚Spielend für Toleranz‘ hörten, war uns sofort klar, dass wir uns beteiligen möchten. Auch wir wollen damit ein Zeichen gegen jede Art von Ausgrenzung setzen und uns für ein respektvolles Miteinander engagieren“, bekennen die Organisatoren der Stadtbibliothek Magdeburg, die größte öffentliche Bibliothek in Sachsen-Anhalt. Die erste Veranstaltung der Initiative fand dort am 1. Juni 2019 statt, mit einem besonderen Fokus auf leicht verständlichen und sprachneutralen Spielen. „Das Angebot wurde rege genutzt, wir freuten uns über gut 100 Besucher, hauptsächlich Familien“, so die Veranstalter.

Puzzlen für Toleranz

Gut 400 Besucher*innen waren hingegen am 7. September 2019 anwesend. „Bei diesem Veranstaltungshighlight durften an über 30 Spielstationen auf 4 Etagen nach Herzenslust Spiele ausprobiert werden. Außerdem wurden verschiedene Turniere und eine Puzzle-Challenge angeboten. Gerade der Puzzlewettbewerb passte super zum Motto, da alle Mitpuzzler gemeinsam das Ziel hatten, Magdeburg zur schnellsten Puzzlestadt zu machen“, schreiben die Veranstalter. Auch wenn dieser Titel letztendlich (mit knappem Vorsprung) an Rostock ging, bewerten die Verantwortlichen in der Stadtbiliothek Magdeburg die Veranstaltungen als Erfolg: „Vereint in ihrer Leidenschaft für das Spiel, kamen ganz unterschiedliche Personen ins Gespräch und später dann auch ins Spielen. Ganz im Sinne unseres Mottos.“

Die Qual der Wahl in Magdeburg

Auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020: Little Town

Hier stolz im Bild: geballte Arbeitskraft. Meine Figuren! Spielen wir zu viert, besitze ich drei.

Bin ich am Zug, setze ich eine meiner Figuren auf ein freies Feld des Spielplans. Von jeder benachbarten Landschaft erhält sie nun einen Rohstoff, mit jedem benachbarten Gebäude darf sie interagieren.

In diesem Fall bedeutet das: Meine Figur erhält ein Holz vom benachbarten Baum, einen Fisch aus dem Teich, drei Münzen beim Schreiber, ein Getreide vom Getreidefeld. Und sie tauscht in der Lagerhalle zwei Stein gegen fünf Punkte ein. Gut gemacht, kleine Figur!
Allerdings gehören Getreidefeld und Lagerhalle meinen Gegenspielern. Sobald ich diese Häuser nutze, muss ich den Besitzern eine Münze zahlen.

Am Ende des Tages, wenn alle Figuren eingesetzt sind, nehme ich sie wieder zurück, aber sie sind hungrig. Für jede Figur muss ich einen Fisch oder ein Getreide bezahlen. Kann ich das nicht, zählt das Minuspunkte. Nicht schön, aber auch mal verkraftbar. Zum Glück dürfen die Figuren nicht kündigen.

Anfangs ist der Spielplan noch leer. Nach und nach bauen wir Gebäude. Das kostet unterschiedliche Mengen Holz und Stein, bringt aber große Vorteile. Vorteil A: Es zählt Punkte. Vorteil B: Die Häuser erweitern die Handlungsmöglichkeiten. Zwar auch für meine Mitspieler. Aber wenigstens bekomme ich ihr Geld.

In jeder Partie sind andere Häuser im Spiel. Der Spielplan wird deshalb jedes Mal anders aussehen. Vielleicht so? Oder so? Oder so?

„Little Town“ ist ein sehr taktisches Spiel. Zug für Zug kommt es darauf an, für die eigenen Figuren die besten und lukrativsten Plätze zu erspähen und den Gegnern diese Plätze zu versperren. Es geht darum, Rohstoffe klug und rentabel einzusetzen, um aus den wenigen Zügen, die man hat, möglichst viel herauszuholen. Obwohl „Little Town“ niedlich aussieht und nur wenige Regeln hat, besitzt es viel Spieltiefe.

Das interessanteste und spielerisch originellste Element ist die komplette Freiheit bei der Bebauung des Spielplans. „Little Town“ zu spielen fühlt sich an wie die Besiedlung eines neuen Landes voller Möglichkeiten. Was wir daraus machen, ob wir auf Kooperation oder Eigennutz setzen, ob die Gebäude einander zuarbeiten oder widersprechen, ob viel oder wenig Nahrung da ist, liegt in unserer Hand.
Bestimmte Gebäude werden sich als Schlüsselgebäude erweisen, bestimmte Orte als Schlüsselorte. Aber es sind nicht immer dieselben.

Udo Bartsch

Mehr Informationen zu „Little Town“ gibt es hier.

Mühlhausen: Schöne Spielenachmittage

Auch das Jugendprojekt Boje in Mühlhausen unterstützt die Initiative „Spielend für Toleranz“. Das Angebot des dortigen Evangelischen Kirchenkreises beinhaltet neben einer Kletterwand, einem Bolzplatz und einer großen Anzahl anderer Projekte auch Beratungen, Workshops und Trainings für Jugendliche.

Spielehits für Toleranz

Mit dazu gehören auch zahlreiche Spiele, die ausgeliehen werden können – oder an Spielenachmittagen gemeinsam erlernt und gespielt. „Viele Kinder, die uns besuchen“, schreibt die Projektleiterin Judith Vockrodt-Reich, „kommen aus Familien mit Migrationshintergrund aber auch aus armen Familien deutscher Herkunft.“ Das Spielepaket der der Initiative „Spielend für Toleranz“ sei für diese Zielgruppe ideal: „Schöne Spiele, die einfach zu erlernen waren und auch ohne eine gemeinsame Sprache funktionierten.“

Looping Louie“: Immer wieder beliebt

Eingeweiht wurde das Spielepaket im Jugendprojekt Boje im April 2019 im Rahmen mehrerer Aktionstage, „die zum Ziel hatten, über Brettspiele einen niedrigschwelligen Zugang zu unseren Besuchern zu finden, mit Ihnen Spaß zu haben, Kontakte zu intensivieren, die deutsche Sprache zu festigen und Vorurteile abzubauen“, so Vockrodt-Reich. Die Aktionstage hätten einige schöne Spielenachmittage ergeben, so die Projektleiterin und würden nach wie vor gerne ausgeliehen und verwendet: „Bis heute werden die Spiele aus dem Paket gern gespielt und sind intensiv in Benutzung“, schreibt sie.

Auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020: Kitchen Rush

Julia Zerlik, Jurymitglied der Jury Spiel des Jahres, führt durch das Spiel „Kitchen Rush“.  Und nebenbei auch durch ihre Küche.

„Kitchen Rush“ ist ein Spiel von Dávid Turczi und Vangelis Bagiartakis und im Verlag Pegasus Spiele erschienen. Das Spiel steht auf der Empfehlungsliste der Jury des Kritikerpreises Spiel des Jahres für das Jahr 2020.

Mehr Informationen zu dem Spiel gibt es hier.

Folge 3: Kinder und Kenner

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Uwe Rosenberg ist sicherlich ein Ausnahmespieleautor – auch in diesem Jahr ist wieder eines seiner Spiele zum Spiel des Jahres nominiert – „Nova Luna“. So befasst sich unser Podcast in gleich zwei Folgen mit dem Schaffensprozess und den Ideen, die hinter den Spielen Rosenbergs stecken. In der ersten Folge des Gespräches mit Rosenberg ging es ums Spiele erfinden – in dieser zweiten Folge geht es um das Spielen selbst:

Wer ist man, wenn man spielt? Welche Spiele passen zu welcher Stimmung? Und: Wieviel Komplexität kann man Kindern und Erwachsenen überhaupt zumuten? Darüber sprechen wir nicht nur mit dem Spieleautor – denn der hat sich für das Gespräch auch noch Besuch eingeladen.

Uwe Rosenberg beim Vorabend der Preisverleihung 2015

Selbstverständlich kommen in dieser Folge auch wieder Mitglieder der Jury Spiel des Jahres zu Wort. Mit dabei: Manuel Fritsch, Bernhard Löhlein und Christoph Schlewinksi.

SHOWNOTES
Mehr zu „Nova Luna“ (Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel, Nominierung Spiel des Jahres 2020)
Mehr zu „Agricola“ (Uwe Rosenberg, Sonderpreis Komplexes Spiel 2008)
Mehr zu „Ora et Labora“ (Uwe Rosenberg, Auf der Empfehlungsliste 2012)
Martin Klein über „Caverna“ (Uwe Rosenberg, 2017)

Chemnitz: Spielspaß im Museum

Spiele gehören nicht ins Museum – sie wollen gespielt werden. Oder man macht es wie das Deutsche Spielemuseum in Chemnitz. Denn zwar gibt es dort eine Ausstellung zur Geschichte der Spiele mit Exponaten aus 400 Jahren Spielgeschichte. Aber nicht nur. Denn auch aktuelle Spiele bietet das Spielemuseum Chemnitz an – zum Ausprobieren. Darunter auch die Spiele aus dem Spielepaket der Initiative „Spielend für Toleranz“.

Museumsleiter Eberhard Neumann (rechts) bei der Veranstaltung “Unter uns – Integration durch Mitgestaltung”

Die Spiele können direkt im Museum während der Öffnungszeiten und bei bei regelmäßigen Veranstaltungen wie interkulturellen Frauennachmittagen gespielt werden. Auch Integrationsklassen, Kinderhorte oder Kindergärten nutzen das Angebot. „Im Rahmen des bei uns stattfindenden Integrationsprojektes ‚Unter uns – Integration durch Mitgestaltung‘ haben MitspielerInnen aus der ganzen Welt miteinander und voneinander gelernt, gelebt und vor allem gespielt. Durchschnittlich nahmen an diesen monatlichen Veranstaltungen 25 BesucherInnen aus ca. 7 Nationalitäten teil“, schreiben die Veranstalter.

Sehen, staunen, spielen – mit „Icecool“ und „Klask“ für Toleranz

Das Deutsche Spielemuseum bringt den Spielspaß aber auch nach außerhalb des Museums – etwa als Event in Sächische Museum für Archäologie oder als Kooperationspartner der Integrationsmesse Chemnitz. Dort setzte sich auch die sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping mit an den Spieltisch.

Qwirkle mit der Staatsministerin Petra Köpping (2. v. links)

Raunheim: Spieletag der DLRG-Jugend

Rund zehn Veranstaltungen pro Jahr gibt es in der DLRG-Jugend im hessischen Raunheim für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 16 Jahren. Das Angebot erstreckt sich von Besuchen in Freizeitparks über Faschingsfeiern bis hin zu verschiedenen Workshops. Im September 2019 fand auch, mit Unterstützung der Initiative „Spielend für Toleranz“, ein Spieletag statt.

„Im vergangenen Jahr ist uns immer häufiger aufgefallen, dass die Kinder kein großes Programm, wie Freizeitparkbesuche oder Faschingspartys brauchen, sondern die gemeinsame Spielzeit genießen und auch gerne mal ein Outdoorspiele wie Wikingerschach spielen“, schreiben die Veranstalter. Hintergrund war auch der Wunsch des Ortsvereins, die Kinder und Jugendlichen als Nachwuchs stärker an den Verein zu binden: „Zum einen bieten wir den Kindern die Möglichkeit, ihrem Alltag zu entfliehen und gemeinsam Spaß zu haben. Zum anderen soll der Spieletag den Kontakt zwischen den Erwachsen, die schon in der Einsatzabteilung oder Jugendarbeit aktiv sind, und jenen, die demnächst in das Alter kommen, stärken – und die Hemmschwelle senken, im Verein weiterhin tätig zu sein“, schreiben die Veranstalter.

Die DLRG-Jugend spielt „Zug um Zug“ und „Drecksau“ für Toleranz

Spiele wurden dabei nicht nur von der Initiative „Spielend für Toleranz“ zur Verfügung gestellt. Zusätzlich kamen Spiele aus privaten Sammlungen von zuhause zum Einsatz. So gab es ausreichend Platz und Spiele für 35 Personen – sowie Getränke, Süßigkeiten, Kuchen und Laugenstangen.

„Die Spiele durften einfach aus dem Schrank genommen werden. Wenn sich jemand gefunden hat, der das Spiel kennt, wurde es erklärt, es waren aber auch keine Hemmungen vorhanden, die Spielanleitungen zu nutzen“, schreiben die Veranstalter.

Moderner Klassiker: „Looping Louie“

Die Veranstalter bewerten den Spieletag als Erfolg: „Im Laufe des Tages kamen immer wieder Kinder, zum Teil auch mit Ihren Eltern, um ein paar Runden zu spielen. Andere blieben den ganzen Tag, ein Teil sind nur zum Mittagessen nach Hause gegangen, dann aber wieder zurückgekommen, teils auch mit einem weiteren Freund oder den Geschwistern und Eltern.“ Am Ende, schreiben wie Veranstalter, hatten alle Beteiligten beim Spieletag der DLRG-Jugend in Raunheim einen „wunderschönen, unkomplizierten Tag, der von vielen Menschen angenommen und mitgestaltet wurde.“

Kinderspiel des Jahres 2020: „Ich liebe Brettspiele“

Zum zwanzigsten Mal wurde an Montag der Kritikerpreis Kinderspiel des Jahres vergeben. 2020 gewann der schon 2018 für „Emojito“ nominierte litauische Spieleautor Urtis Šulinskas für das Geschicklichkeitsspiel „Speedy Roll“ (Lifestyle Boardgames/Piatnik). Darin rollen die Spieler und Spielerinnen einen Filzigel und sammeln damit Gegenstände vom Waldboden auf.

Die Auszeichnung konnte 2020 nicht wie üblich vor Publikum übergeben werden. Stattdessen wurde die feierliche Verleihung als Livestream auf Youtube und Facebook sowie auf der Internetpräsenz des Vereins Spiel des Jahres gezeigt. Durch die Verleihung führte der Koordinator der Kinderspieljury, Christoph Schlewinski. In seiner Rede betonte er, dass es ein unterschätztes Privileg sei, mit Kindern zu spielen:

„Mit Kinder zu spielen heißt, mit Menschen zu spielen, die keinen Filter haben. Jede Emotion ist echt, alles muss sofort heraus.“

Es müsse, sagte er, mehr mit Kindern gespielt werden.

„Hat man es geschafft, in ihnen die Leidenschaft fürs Spielen zu wecken, werden aus ihnen spielende Jugendliche und aus denen spielende Erwachsene. Und ich persönlich wünsche mir für die Zukunft eine Welt, in der viel mehr Menschen auf ihr inneres Kind hören, anstatt auf Parolen schreiende Demagogen.“

Kinderspiel-Koordinator Christoph Schlewinski live auf Sendung

Im Livestream schaltete Schlewinksi vor der Verkündung der Juryentscheidung live zu Verlagen sowie zu den Autoren der nominierten Spiele „Foto Fish“, „Wir sind die Roboter“ und „Speedy Roll“ nach Deutschland, Russland, Österreich und Litauen. So sagte Urtis Šulinskas, „Speedy Roll“ sei sowohl von Kindergeschichten als auch Igeln in seinem Garten inspiriert worden. „Allerdings habe ich nie einen mit einem Apfel auf dem Rücken gesehen“, sagte er.

„In Litauen ist der Preis ‚Kinderspiel des Jahres‘ vor allem in der Spielecommunity bekannt, aber auch Familien kennen den Preis. Er ist bekannt und wird geschätzt.“

Der litauische Autor Urtis Šulinskas mit seinem Spiel „Speedy Roll“.

„Wir haben das Spiel von Anfang an geliebt“, sagte der aus Moskau zugeschaltete Alexander Peshkov, Geschäftsführer des Verlages Lifestyle Boardgames, nach Bekanntgabe des Gewinners. Autor Urtis Šulinskas freute sich:

„Es ist eine große Ehre, in diesem Beruf zu arbeiten und auf diese Art wertgeschätzt zu werden. Ich liebe Brettspiele und was sie Kindern beibringen können, und der Preis festigt diese Gefühle noch.“