Spieleautoren-Stipendium 2015/16

Bericht Teil 3: Praktikum im Deutschen SPIELEmuseum, Chemnitz

Sophia Wagner

Von Sophia Wagner

Das Deutsche SPIELEmuseum wurde 1986 in Hamburg gegründet und hat seit 1995 seinen Sitz im Technologie- und Gewerbepark solaris in Chemnitz. Anlässlich des Umzugs entstand dort der erste private Museumsneubau Ostdeutschlands. Der gemeinnützige Verein Deutsches SPIELEmuseum e.V. ist Träger des Museums und hat sich der Förderung des Kulturguts Spiel verschrieben. Die gemeinnützige solaris-Stiftung stellt dem Museumsbetrieb die zugrunde liegende und über 35.000 Spiele umfassende Sammlung sowie die Immobilie zur Verfügung.

Mein Praktikum im Deutschen SPIELEmuseum begann mit einer Führung durch die Räumlichkeiten. Das eigentliche Museum befindet sich im Obergeschoss. Hier werden neben historischen Spielen aus allen Teilen der Welt auch Spiele im Rahmen wechselnder Sonderausstellungen vorgestellt. Zur Zeit meines Praktikums befand sich der Bereich der Sonderausstellung im Umbruch. Die Sonderausstellung „Der Blick ins Lexikon – 155 Jahre Holzbaukästen aus Blumenau“ wurde abgebaut und weicht der ab Mai 2016 zu erlebenden Exposition „Unterwegs im SPIEL – unterwegs in der Welt“ zum Thema Mobilität und Reisen im Spiel.

Spiele von Michael Schacht

In der Mitte des großen Dauerausstellungsraums befinden sich Schaukästen in den Formen Herz, Karo, Pik und Kreuz. Hier im Bild werden der Spieleautor Michael Schacht und seine Werke näher beleuchtet.

AusstellungAusstellung

Die Dauerausstellung „Historische SPIELE“ ist nach Brian Sutton-Smith’s vier Spielprinzipien gegliedert: a) Spiele der Fähigkeiten und Fertigkeiten, b) Glücksspiele, c) Strategiespiele sowie d) gemischte Spiele, die sich aus einer Mischung der ersten drei Spielprinzipien ergeben.

Zum ersten Spielprinzip werden beispielsweise Baukästen und Blockpuzzles gezeigt, während sich im Bereich der Glücksspiele Lotterien, Würfelspiele und Laufspiele, wie etwa das weit verbreitete „Gänsespiel“, befinden.

Auch die Ursprünge des Spiels „Mensch ärgere dich nicht“ werden beleuchtet. Auf einem Teppich ist der Spielplan des indischen Spiels „Pachisi“ abgebildet, das sich in vereinfachter Form ab dem 17. Jahrhundert in Europa unter dem Namen „Ludo“ verbreitete. In Deutschland entstand daraus „Mensch ärgere dich nicht“, das unter vielen verschiedenen Namen und mit unterschiedlichsten Spielbrettern ausgestellt ist.

Im Bereich der Strategiespiele befinden sich unter anderem Spiele wie „Schach“ und „Go“, bei den gemischten Spielen ist wohl „Monopoly“ das bekannteste. Im Museum lässt sich auch ein Reprint des „Monopoly“-Vorgängers „The Landlord’s Game“ von Elizabeth Magie betrachten, dessen eigentliche Intention interessanterweise darin bestand, vor den Gefahren einer monopolistischen Verteilung von Landbesitz zu warnen. Einen weiteren Sammlungsschwerpunkt bilden zudem Spiele aus der ehemaligen DDR.

Im Obergeschoss gibt es noch weitere Räume, die für Seminare, Workshops oder andere Veranstaltungen genutzt werden können inklusive einer so genannten „T-Wall“, einem interaktiven Trainingsgerät für Reaktionsfähigkeit, Kondition, Beweglichkeit – und nicht zuletzt für den Spaßfaktor.
Im Untergeschoss befindet sich neben den Mitarbeiterräumen und dem Eingangsbereich des Museums mit Kasse, Shop und Getränketheke der Spieleraum, der von gefüllten Spieleregalen gesäumt ist. Von Klassikern bis hin zu aktuellen Spielen, von Kinderspielen bis zu Expertenspielen findet sich hier alles. Sogar einen Tischkicker und eine Playstation gibt es.

Die Spiele können auf im Raum verteilten Tischen gespielt werden. So wird das SPIELEmuseum gerne von Schulklassen genutzt, die nach einer Führung durchs Museum zusammen spielen, sich besser kennen lernen und den Zusammenhalt stärken.

Für mehrere solcher Gruppen bereitete ich Spiele vor, die ich den Kindern erklärte. Erwähnenswert in dem Zusammenhang ist auch das in zweiter Auflage durchgeführte Projekt „Wir SPIELEN immer“, das benachteiligten Kindern auf Workshopbasis kulturelle Bildung näher bringt.

Einmal im Monat findet eine lange SPIELEnacht statt, bei der auch Vielspieler bis weit in die Nacht hinein spielen. Hier konnte ich ein paar meiner Prototypen vorstellen und Feedback bekommen. Besonders ein lustiges Kartenspiel, in dem man versucht, während einer Kneipenschlägerei möglichst wenig Schaden zu erleiden, kam sehr gut an. Aber auch „Goblin Gold Rush“, eins der beiden Spiele, mit dem ich mich zum Spieleautorenstipendium beworben hatte, gefiel den Testspielern.

Das Deutsche SPIELEmuseum ist auf vielen externen Veranstaltungen und Messen vertreten. Eine Auswahl an Spielen wird für den jeweiligen Zweck zusammengestellt. Beispielsweise werden für die aktuelle Sonderausstellung des benachbarten Sächsischen Industriemuseums Spiele mit Fahrrad-Bezug herausgesucht, und auch bei der beliebten Chemnitzer Lesenacht ist das Deutsche SPIELEmuseum mit einem Stand vertreten, an dem gespielt werden kann.

Aus seinem reichen Fundus schickt es zudem im Rahmen von Wanderausstellungen Spiele zu bestimmten Themenbereichen auf die Reise. Auch international sehr erfolgreich ist hier die Spiel- und Mitmach-Ausstellung „LernSpielWelten“ mit Lernspielen in- und ausländischer Verlage für alle Generationen. Als einer der Initiatoren von „Stadt.Land.SPIELt!“ ist das Deutsche SPIELEmuseum in Chemnitz zudem verantwortlich für die jährlich im September bundesweit stattfindenden Tage des Gesellschaftsspiels.

Viel Platz zum Spielen

Das Archiv des SPIELEmuseums ist im benachbarten und weithin sichtbaren „Solaristurm“ untergebracht. Bei einem Besuch dort konnte ich mir einen Eindruck davon verschaffen, wie viele Spiele hier bereits gesammelt und archiviert sind. In mehreren Räumen stapeln sich Kisten in Regalen, in denen Spiele nach unterschiedlichsten Kriterien zusammengefasst sind, beispielsweise zum Thema Essen und Trinken. Es stapeln sich aber auch neu ankommende Spiele, die noch dokumentiert und in das Archiv einsortiert werden müssen.

Das Deutsche SPIELEmuseum profitiert von privaten Sachspenden, oftmals Spiele aus Dachbodenfunden, und ist auf die Unterstützung von Verlagen angewiesen, von denen viele fördernde Mitglieder des Vereins sind. Das ständig wachsende Archiv sowie die kontinuierlich steigende Besucherzahl des Museums mit der längsten Verweildauer überhaupt zeigen, dass viele die Idee des Deutschen SPIELEmuseums gern unterstützen.

Teil 1: Praktikum in der Spieleburg Göttingen
Teil 2: Praktikum bei Ravensburger