Gefördert: Menschen in Veränderung

Menschen in Veränderung – Wie Spiele bei der persönlichen Entwicklung helfen können

Bericht für das Projekt „Spieletag 2015“

Uwe verzieht keine Miene. Wenn sein Bluff durchgeht, gewinnt er das Spiel. Sein Gegenüber mustert ihn, sucht in Uwes Gesicht nach einem Hinweis. Er findet nichts, zweifelt, stockt. Und entscheidet sich dann falsch. Erleichtert streckt Uwe die Fäuste in die Luft, sein Team jubelt. „Sowas hab´ ich lange nicht mehr erlebt“, schwärmt Uwe später, „dabei habe ich Brettspiele früher immer geliebt“.

Sucht und Spiele

Uwe leidet unter Alkoholabhängigkeit. Durch die Sucht hat er sich über Jahre immer weiter zurückgezogen, sich von Freunden und Familie isoliert. Hobbies und Freizeitaktivitäten hatte er aufgrund des Alkholkonsums komplett vernachlässigt. Jetzt sucht er neue Wege und hat dazu eine stationäre Behandlung in den Kliniken Wied angetreten.

Die Kliniken Wied sind als Fachklinik für Abhängigkeitsstörungen seit 1974 in der medizinischen Rehabilitation tätig und zählen zu den bundesweit etablierten Schwerpunkteinrichtungen für die Behandlung von Menschen mit Abhängigkeitsstörungen. Sie bieten 214 stationäre Behandlungsplätze für Erwachsene, welche unter Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit leiden.

Ein Aspekt der multimodalen Behandlung ist die strukturierte Freizeitgestaltung und der Aufbau eines stabilisierenden sozialen Umfelds. Brettspiele können an dieser Stelle zu einem wichtigen Mosaikstein eines abstinenten Lebens werden. Um Patienten an Brettspiele heranzuführen, wurde ein Spieletag in den Kliniken Wied veranstaltet.

Die Vorbereitung

Schon bei der Vorbereitung wurden die Patienten stark mit eingebunden. Am Spieletag sollte es Stationen geben, an denen Brettspiele von Patienten vorgestellt und erklärt werden. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgerufen, bei dem der kreativste und attraktivste Spieletisch prämiert wurde. Viele Patienten zeigten sich begeistert und motiviert.

Schon bald wurde in der Holzwerkstatt geschraubt, in der Textilwerkstatt Kostüme genäht, im Patientenbüro Plakate entworfen. Dabei waren Teamarbeit, Verantwortungsübernahme und Problemlösefähigkeiten gefragt. So konnte die Vorbereitung des Spieletages als Teil des therapeutischen Prozesses begleitet und eingebettet werden.

Der Spieletag

Am Spieletag überboten sich die Spielestationen der Patienten: Am Spieletisch „Carcassone“ saß man auf rustikal gezimmerten Holzstühlen, beim „Kakerlakenpoker“ wurde man von Menschen in Insektenkostümen begrüßt, am „Activity“-Tisch konnte man nicht vorbei gehen, ohne in eine Runde „Pantomime und Begriffen raten“ verwickelt zu werden.

Die gute Stimmung spiegelte sich in den Feedbackfragebögen wider: Über 95% der Patienten zeigten sich mit der Gesamtorganisation, der Stimmung und der Spieleauswahl zufrieden; 75% gaben an, dass der Spieletag sie angeregt hätte, in Zukunft mehr Brettspiele zu spielen. Das geht nun zum einen in den klinikinternen Cafés, welche von Patienten für Patienten betrieben werden und wo Brettspiele ausgeliehen werden können. Zum anderen wurden über 30 Spiele in einer Tombola verlost, damit nach der Behandlung zu Hause mit Freunden und Familie weiter gespielt werden kann.

Gerade wurde Uwes Name ausgerufen, er gehört zu den glücklichen Tombola-Gewinnern. „Okay, nicht gerade mein Lieblingsspiel“, gibt er unumwunden zu, „ aber meine Kinder fahren da voll drauf ab. Zeit, ´ne alte Familientradition wieder aufleben zu lassen.“

Informationen zu den Fotos:

Aus Gründen von Datenschutz und Diskretionswünschen der beteiligten Patienten bitten wir um Verständnis, dass die Bilder nur kleine Ausschnitte des Spieletages abbilden können.

Dipl.-Psych. Matthias Strie, Bezugstherapeut, Kliniken Wied

Deutsch