Kommentar der Jury-Koordinatorin zum Kinderspiele-Jahrgang 2016

Sabine KoppelbergDas „Kinderspiel des Jahres“ wird in diesem Jahr 16 Jahre alt und blickt mit jugendlichem Stolz auf 15 wunderbare Preisträger und unzählige empfehlenswerte Gesellschaftsspiele für Kinder zurück. Das ist nur möglich, weil die Autorinnen und Autoren Jahr für Jahr neue faszinierende Spielideen entwickeln und die Hersteller diese mit viel Liebe in den Karton bringen. Mittlerweile gibt es kaum noch einen namhaften Verlag, der nicht auch ein Kinderspiel im Portfolio hat. Das jährliche Angebot an Spielen für Kinder ist immens und für Familien kaum zu überblicken. Eltern und Pädagogen eine unabhängige Orientierung zu bieten, dafür stehen die Empfehlungen der Jury „Kinderspiel des Jahres“ auch im 16. Jahr.

Knapp 150 neue Kinderspiele haben wir im Spielejahrgang 2016 unter die Lupe genommen und unzählige Male mit Kindern in Familien, Kindertagesstätten und Schulen gespielt. Rund 100 der Spiele fallen in unsere Kernzielgruppe, nämlich Spiele für Kinder zwischen vier und sechs Jahren.
In 2016 bereiten uns die Spieleerfinder im wahrsten Sinne ein tierisches Vergnügen. Ob flattrige Fledermäuse, flotte Grashüpfer, geschwätzige Löwen oder Feuer speiende Drachen – wieder einmal setzen die Hersteller auf die Lieblinge der Kinder und haben Tiere in allen erdenklichen Variationen in den Spielkartons verstaut. Neben Geschicklichkeits-, Taktik- Lauf- und Würfelspielen haben wir es auch diesmal überwiegend mit Merkspielen zu tun. Dies ist kein Wunder, denn Spielelemente rund um das Merken schaffen Chancengleichheit zwischen den Generationen, oft haben Kinder hier sogar die Nase vorn.

Zu den wichtigen Kriterien bei der Beurteilung von Kinderspielen gehören für unsere achtköpfige Fachjury gut verständliche, klar strukturierte Regeln, stabiles, kindgerechtes Material und eine ansprechende Gestaltung des Spiels. Darüber hinaus achten wir neben einer möglichst originelle Spielidee auf lang anhaltenden Spielspaß. Am liebsten wäre uns nämlich, wenn unsere empfohlenen Spiele zu Klassikern würden, die sozusagen mitwachsen und die Kinder und ältere Mitspieler immer wieder gerne mit Begeisterung hervorholen.

In puncto Spielspaß konnten diesmal überwiegend die klassischen Brettspiele ohne viel Schnickschnack überzeugen. Einige viel versprechende, innovative Spielideen mit faszinierendem Aufbau oder witzigen Gimmicks haben es dagegen nicht auf die Empfehlungsliste geschafft. Die angegebene Zielgruppe war hier oft massiv überfordert, vor allem mit den motorischen Anforderungen oder einer viel zu langen Spieldauer. Deshalb appellieren wir auch diesmal wieder an die Verlage: Bitte lassen Sie bei der Altersangabe mehr Sorgfalt walten! Testen Sie ihre Spielideen vorab intensiv mit der entsprechenden Altersgruppe! Wenn ein Verlag ein Spiel für Kinder ab fünf Jahren empfiehlt, sollte es auch für gerade fünf Jahre alt gewordene Kinder spielbar sein. Ganz abgesehen davon, dass motivierte Eltern heutzutage oftmals davon ausgehen, dass solch ein Spiel auch locker für ihren pfiffigen, vierjährigen Nachwuchs geeignet sei.

Trotzdem haben wir auch in 2016 wieder zehn Spiele gefunden, die wir Kindern, Eltern und Pädagogen ans Herz legen und empfehlen möchten. Dabei hat die Jury wie immer verschiedene Altersklassen und Spiele-Typen berücksichtigt: groß- und kleinformatige, variantenreiche Merkspiele, witzige Geschicklichkeitsspiele und ein kleines, feines Kartenspiel für Kinder zwischen vier und sieben Jahren.

Drei dieser zehn empfohlenen Spiele haben die Chance, die begehrte Auszeichnung „Kinderspiel des Jahres 2016“ zu erhalten.
Mit „Leo muss zum Friseur“ schickt der Verlag Abacusspiele ein kooperatives Merkspiel für listige Löwenbändiger ab 6 Jahren ins Rennen - eine Art „T.I.M.E Stories“ für Kinder. Ein Scheitern der Spieler in der ersten Runde ist durchaus erwünscht, denn ihr bis dahin gesammeltes Wissen geht nicht verloren und kann in den folgenden Runden vom Team clever genutzt werden.
Der zweite Kandidat setzt ebenfalls auf eine gute Zusammenarbeit der Spieler: „Mmm!“ aus dem Hause Pegasus Spiele ist ein kooperatives Würfelspiel, bei dem Kinder ab fünf Jahren immer wieder gemeinsam entscheiden müssen, wie sie ihre Würfel Zug um Zug am effektivsten einsetzen.
Das dritte Spiel im Bunde heißt „Stone Age Junior“ – ein forderndes Taktikspiel für planvolle Sammler ab fünf Jahren. Damit schafft es der für anspruchsvolle Erwachsenenspiele bekannte Verlag Hans im Glück mit einem Kinderspiel aufs Treppchen.

Wie in den vergangenen Jahren möchte ich abschließend betonen: Sämtliche drei Spiele haben schon jetzt gewonnen. Sie haben sich bereits in die Herzen vieler Kinder und Familien gespielt. Die endgültige Entscheidung, welches Spiel am Ende die Nase vorn hat, ist noch nicht gefällt. Die geheime Wahl erfolgt erst kurz vor der Preisverleihung am 20. Juni 2016 in Hamburg. Bis dahin werden wir alle drei Kandidaten noch einmal intensiv und vielfach mit Kindern und Familien spielen.

Sabine Koppelberg
Koordinatorin der Jury „Kinderspiel des Jahres“