Gefördert: Spielstarke Schule

Projektart: Langzeitförderung über drei Jahre

Ort: Anton-Rée-Grundschule in Hamburg-Allermöhe, Ganztagsschule, fünfzügig

Zeitraum: März 2015 bis 2017

 

Zwischenbericht 2016 


Ziel: 
Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenzen der Schüler durch den Einsatz von Gesellschaftsspielen in Unterricht. Status Quo: 
Die Klassensätze in den einzelnen Klassen kommen oft zum Einsatz. Mal nur eine schnelle Viertelstunde zur Auflockerung nach einer erfolgreichen Unterrichtseinheit, mal als Stundenprojekt. Auch Vertretungslehrer nutzen gerne die Spiele, um sinnvollen Unterrichtsersatz zu gestalten. Alle Kinder der Schule kennen nun Basis-Spielregeln wie „Im Uhrzeigersinn spielen“ oder „Wer die höchste Zahl würfelt, fängt an“. Die Aufteilung der Kinder in stabile, gut gemischte Gruppen á 3-4 Kinder funktioniert prima, die Schüler*innen wissen selbst sehr gut, in welcher Gruppe an welchem Platz sie sitzen. Die Gruppen werden in den Klassen via smartboard oder auf Pinwänden sichtbar gemacht. In einigen Klassen werden die Spielegruppen auch für andere Gruppenarbeiten benutzt, weil es „eingespielte“ Teams sind.
Einige Klassen spielen mittlerweile auch in immer neuen, gemischten Gruppen verschiedene Spiele. Eine größere Herauforderung, weil die Schüler*innen sich jetzt untereinander einigen müssen. Hier wird Kompromissbereitschaft geübt.


Spieletausch: 
Die Klassenspiele der jeweiligen Klassen wurden vor den Sommerferien an die jeweils nachfolgende Klasse weitergegeben. Einige Lehrer haben jahrgangsübergreifende Spiel-Erklär-Stunden organisiert. Die älteren Schüler*innen selbst erklären ihren Spielpaten die Spiele, deren Regeln sie ein Jahr geübt haben. Dieses Prozedere soll im kommenden Schuljahr institutionalisiert werden, einen festen Platz im Jahresplan bekommen und so verbindlich für alle Klassen gelten. 

 


Spieleauswahl: 
Zu den 250 in den Klassen vorhandenen Spielen wurden noch weitere Einzelspiele für die Klassen angeschafft. Diese Spiele stehen den Schülerinnen in der unterrichtsfreien Zeit am Nachmittag und auch in den Pausen zur Verfügung. Außerdem wurde der hälftige Bestand einer Spieliothek entgegengenommen. Im Sommer 2016 war dann der Neubau der Schule fertig, in dem auch ein Spieleraum eingerichtet wurde. 

 


Intensivtraining: 
Das Sommerhalbjahr wird genutzt, um Spielexpertin Christina Valentiner-Branth (CVB) intensiv in den ersten Klassen und in der Vorschule einzusetzen. Einen Vormittag in der Woche trainiert sie in den Klassen, wie mit der gesamten Klasse gespielt werden kann. Hier gibt es viele Kinder mit geringer oder ganz ohne Spielerfahrung. Die Motivation ist hoch, in jeder Spielstunde sind die Kinder mit Feuereifer dabei. In der Vorschule spielt CVB jeweils nur 20-30 Minuten mit je vier Kindern. So lernen diese Kinder sehr schnell und ohne Stress, wie sie sich beim Spielen selbst organisieren. Die Kinder, die in 2015 so in der Vorschule gespielt haben, sind jetzt – ein Jahr später -  die Vorspieler in den ersten Klassen.

Fazit: 
Gesellschaftsspiele gehört mittlerweile in der Anton-Rée-Schule zum Schulalltag. Klare Strukturen helfen, Spielstunden abzuhalten und in den Schulablauf zu integrieren. Die Motivation, Spiele im Unterricht einzusetzen ist hoch, findet doch hier Soziales Lernen in Reinform statt: Selbstorganisation, flexibles Denken, Frustrationskontrolle, alles Fähigkeiten, die Lernen überhaupt erst möglich machen. Nach wie vor als Herausforderung wird empfunden, eine Balance zwischen Spielen und dem restlichen Lehrplan zu finden. Die Schüler*innen selbst fordern mittlerweile das Spielen ein. Außerdem tragen die Kinder die Spielideen in ihre Familien, wünschen sich die Klassenspiele und auch andere Gesellschaftsspiele zum Geburtstag oder Weihnachten und spielen öfter mit ihren Eltern.  

Ausblick:
Für 2017 ist geplant, CVB bis zum Sommer weiter verstärkt in den ersten Klassen und der Vorschule einzusetzen. Außerdem soll ein Konzept für die Spieliothek entwickelt werden. Der Spieletausch soll ritualisiert werden und im Jahresplan einen Platz finden. Eine Umfrage unter den Lehrern könnte den Einsatz der Klassenspiele validieren. Außerdem wird gewünscht, dass CVB als Spieltherapeutin mit verhaltensauffälligen Kindern im Nachmittagsbereich arbeiten. 

Zwischenbericht 2015

Spielstarke Schule

Idee und Form:
Anschaffung von Klassensätzen von Gesellschaftsspielen für die gesamte Schule. In jeder Klasse ist ein Brett- und ein Kartenspiel in sechsfacher Ausführung vorhanden. So soll gewährleistet werden, dass alle Kinder gleichzeitig das gleiche Gesellschaftsspiel spielen. Dieses soll ermöglichen, dass jedes Kind spielen „muss“. Und so auch Kinder, die sonst eher Schwierigkeiten mit den Anforderungen des Gesellschaftsspiels haben, sich nicht entziehen können. Für die Klassenlehrer ergibt sich der Vorteil, dass nur die Spielregeln für je zwei Spiele pro Jahrgang gelernt werden müssen. Außerdem erhalten so alle Kinder, die die Klassen 1-4 an dieser Schule durchlaufen, die Gelegenheit, acht verschiedene Spiele zu erlernen.

Spielstarke Schule

Förderung:
Die Fördergelder des Vereins Spiel des Jahres e. V. werden für die Beratung und Unterstützung von Spieltherapeutin Christina Valentiner-Branth benötigt. Diese hat im Jahr 2015 die Spiele ausgewählt, Fortbildungsveranstaltungen für die Lehrer initiiert und einmal wöchentlich die Klassenlehrer bei der Einführung der neuen Spiele unterstützt.
 
Spieleauswahl:
Fast 250 Spiele werden angeschafft. Die acht ausgewählten Spiele sind eine gute Mischung aus neueren und älteren Karten-, Würfel- und Brettspielen mit einem hohen Aufforderungscharakter. Ein kooperatives Spiel ist dabei, eines mit dem Fokus auf Sprache, in einem geht es um Zahlen, auch ein Geschicklichkeitsspiel wurde ausgewählt. Bei der Spielauswahl wurde darauf geachtet, dass es Möglichkeiten gibt, jede Runde vorzeitig zu beenden, wenn die Stunde vorbei ist. Alle Spiele sehen wie „echte“ Brettspiele aus, „Lernspiele“ werden bewusst ausgeklammert.
 
Chronologie:
Im Frühjahr werden die Spiele nach einer zweistündigen Fortbildung für die Lehrer in die Klassen mitgenommen. Nach den Herbstferien werden die Spiele getauscht. Die jetzigen Zweitklässler erhalten die Spiele der jetzigen Drittklässler, die Drittklässler die der jetzt Viertklässler. In manchen Klassen übernimmt die jeweils höhere Patenklasse die Erklärung der Spiele: die 4a erklärt der 3a ihre neuen Klassenspiele und spielt mit ihnen.

Spielstarke Schule

Feedback einer internen Lehrerkonferenz:

  • Das Konzept „Klassensatz Spiele“ funktioniert gut, so kommen auch Kinder zum Spielen, die sich sonst eher entziehen.
  • Die Spiele sind gut ausgewählt, bieten leichte und schwere Varianten, je nach Niveau.
  • In den Pausen wird mehr gespielt.
  • Spiele wurden bei einem Eltern-Kind-Nachmittag gespielt, die Kinder haben ihren Eltern die Spielregeln erklärt.
  • Interesse bei Schülern wurde geweckt: Spiele wurden zum Geburtstag gewünscht, weitere Spiele für die Klasse erbeten.
  • Ein Kollege setzt die Spielgruppen bewusst nach dem Zufallsprinzip ein, damit die Klasse zu einem besseren Miteinander findet. Durch die hohe Motivation, ein Gesellschaftsspiel spielen zu dürfen, arrangieren sich auch Schüler miteinander, die freiwillig nichts miteinander machen würden, und lernen sich so besser kennen.
  • Kinder, die sonst nicht viele Erfolgserlebnisse haben, werden beim Spielen immer wieder positiv überrascht, was sie alles können.
  • Als Herausforderung wird empfunden, die Spielzeit in den regulären Stundenablauf einzufügen. Es wurde die Befürchtung geäußert, wegen der Spielzeit nicht genug fachlichen Unterricht machen zu können.

Spielstarke Schule

Fazit:

  • In manchen Klassen gelingt das gemeinsame Spielen auf Anhieb, in anderen ist es nötig, die Gruppen sehr sorgsam zu bilden oder erstmal nur mit Kleingruppen zu spielen.
  • In den Klassen werden sehr unterschiedliche Spielkompetenzen sichtbar. Es gibt Kinder, die bisher nur sehr selten Gesellschaftsspiele gespielt haben. Einfache Abläufe wie „Warten, bis man an der Reihe ist“, „Im Uhrzeigersinn spielen“ oder „Für alle sichtbar würfeln“ werden vor allem in den ersten und zweiten Klassen geübt.
  • Alle Kinder, auch die mit wenig Spielerfahrung, haben großen Spaß am Spielen. Die Spielregeln sind für alle einsichtig, so entsteht eine große Motivation, sich daran zu halten.
  • Besonders bewährt hat sich die Einteilung der Klassen in feste Spielgruppen, mit einer pädagogisch gut ausgewählten Durchmischung von spielschwachen und spielstarken Schülern. Die Schüler freuen sich auf ihre Spielstunden und merken gar nicht, wie sehr sie dabei ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten trainieren.

Spielstarke Schule
 
Christina Valentiner-Branth

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