Gefördert: Spielstarke Schule

Zwischenbericht 2015

 

Projektart:
Langzeitförderung über drei Jahre

Ort:
Anton-Rée-Grundschule in Hamburg-Allermöhe, Ganztagsschule, fünfzügig

Spielstarke Schule

Idee und Form:
Anschaffung von Klassensätzen von Gesellschaftsspielen für die gesamte Schule. In jeder Klasse ist ein Brett- und ein Kartenspiel in sechsfacher Ausführung vorhanden. So soll gewährleistet werden, dass alle Kinder gleichzeitig das gleiche Gesellschaftsspiel spielen. Dieses soll ermöglichen, dass jedes Kind spielen „muss“. Und so auch Kinder, die sonst eher Schwierigkeiten mit den Anforderungen des Gesellschaftsspiels haben, sich nicht entziehen können. Für die Klassenlehrer ergibt sich der Vorteil, dass nur die Spielregeln für je zwei Spiele pro Jahrgang gelernt werden müssen. Außerdem erhalten so alle Kinder, die die Klassen 1-4 an dieser Schule durchlaufen, die Gelegenheit, acht verschiedene Spiele zu erlernen.

Spielstarke Schule

Förderung:
Die Fördergelder des Vereins Spiel des Jahres e. V. werden für die Beratung und Unterstützung von Spieltherapeutin Christina Valentiner-Branth benötigt. Diese hat im Jahr 2015 die Spiele ausgewählt, Fortbildungsveranstaltungen für die Lehrer initiiert und einmal wöchentlich die Klassenlehrer bei der Einführung der neuen Spiele unterstützt.
 
Spieleauswahl:
Fast 250 Spiele werden angeschafft. Die acht ausgewählten Spiele sind eine gute Mischung aus neueren und älteren Karten-, Würfel- und Brettspielen mit einem hohen Aufforderungscharakter. Ein kooperatives Spiel ist dabei, eines mit dem Fokus auf Sprache, in einem geht es um Zahlen, auch ein Geschicklichkeitsspiel wurde ausgewählt. Bei der Spielauswahl wurde darauf geachtet, dass es Möglichkeiten gibt, jede Runde vorzeitig zu beenden, wenn die Stunde vorbei ist. Alle Spiele sehen wie „echte“ Brettspiele aus, „Lernspiele“ werden bewusst ausgeklammert.
 
Chronologie:
Im Frühjahr werden die Spiele nach einer zweistündigen Fortbildung für die Lehrer in die Klassen mitgenommen. Nach den Herbstferien werden die Spiele getauscht. Die jetzigen Zweitklässler erhalten die Spiele der jetzigen Drittklässler, die Drittklässler die der jetzt Viertklässler. In manchen Klassen übernimmt die jeweils höhere Patenklasse die Erklärung der Spiele: die 4a erklärt der 3a ihre neuen Klassenspiele und spielt mit ihnen.

Spielstarke Schule

Feedback einer internen Lehrerkonferenz:

  • Das Konzept „Klassensatz Spiele“ funktioniert gut, so kommen auch Kinder zum Spielen, die sich sonst eher entziehen.
  • Die Spiele sind gut ausgewählt, bieten leichte und schwere Varianten, je nach Niveau.
  • In den Pausen wird mehr gespielt.
  • Spiele wurden bei einem Eltern-Kind-Nachmittag gespielt, die Kinder haben ihren Eltern die Spielregeln erklärt.
  • Interesse bei Schülern wurde geweckt: Spiele wurden zum Geburtstag gewünscht, weitere Spiele für die Klasse erbeten.
  • Ein Kollege setzt die Spielgruppen bewusst nach dem Zufallsprinzip ein, damit die Klasse zu einem besseren Miteinander findet. Durch die hohe Motivation, ein Gesellschaftsspiel spielen zu dürfen, arrangieren sich auch Schüler miteinander, die freiwillig nichts miteinander machen würden, und lernen sich so besser kennen.
  • Kinder, die sonst nicht viele Erfolgserlebnisse haben, werden beim Spielen immer wieder positiv überrascht, was sie alles können.
  • Als Herausforderung wird empfunden, die Spielzeit in den regulären Stundenablauf einzufügen. Es wurde die Befürchtung geäußert, wegen der Spielzeit nicht genug fachlichen Unterricht machen zu können.

Spielstarke Schule

Fazit:

  • In manchen Klassen gelingt das gemeinsame Spielen auf Anhieb, in anderen ist es nötig, die Gruppen sehr sorgsam zu bilden oder erstmal nur mit Kleingruppen zu spielen.
  • In den Klassen werden sehr unterschiedliche Spielkompetenzen sichtbar. Es gibt Kinder, die bisher nur sehr selten Gesellschaftsspiele gespielt haben. Einfache Abläufe wie „Warten, bis man an der Reihe ist“, „Im Uhrzeigersinn spielen“ oder „Für alle sichtbar würfeln“ werden vor allem in den ersten und zweiten Klassen geübt.
  • Alle Kinder, auch die mit wenig Spielerfahrung, haben großen Spaß am Spielen. Die Spielregeln sind für alle einsichtig, so entsteht eine große Motivation, sich daran zu halten.
  • Besonders bewährt hat sich die Einteilung der Klassen in feste Spielgruppen, mit einer pädagogisch gut ausgewählten Durchmischung von spielschwachen und spielstarken Schülern. Die Schüler freuen sich auf ihre Spielstunden und merken gar nicht, wie sehr sie dabei ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten trainieren.

Spielstarke Schule

Ausblick:
Für 2016 ist geplant, Christina Valentiner-Branth bis zum Sommer verstärkt in den ersten Klassen einzusetzen, um dort Spielkompetenz zu installieren. Außerdem ist die Einrichtung einer Spieliothek geplant. Das Projekt „Spielstarke Schule“ wird noch bis 2017 gefördert.
 
Christina Valentiner-Branth

Deutsch